27.06.2007 | Autor / Redakteur: Wolfgang Hitzler / Peter Schmitz
In vielen Unternehmen wird das Thema Backup noch immer stiefmütterlich behandelt, zum Beispiel wenn wichtige Daten ausschließlich auf einem Notebook vorgehalten und nur sporadisch gesichert werden. Dabei gilt bei der Datensicherung die simple Faustregel: Je länger das Zeitintervall zwischen den Sicherungen, desto höher das Risiko. Konsequenterweise versucht das neue Verfahren „Continuous Data Protection“, kurz CDP, Zeitfenster und Risiko gering zu halten.
Das größte Problem bei der optimalen Planung einer Datensicherung sind inzwischen Notebooks. Denn diese werden häufig nicht in das Gesamt-Backup eines Unternehmen mit einbezogen, weil sie zu der Zeit gar nicht am Netz hängen. Denn wenn ein Server oder Laptop in dem voreingestellten Zeitfenster nicht mit dem Firmennetz verbunden ist, wird die Datensicherung übersprungen. Dabei laufen die Datensicherungen üblicherweise nachts ab 22.00 Uhr an, also zu einer Uhrzeit zu der Laptops gewöhnlich nicht mehr online sind. Ein Außendienstmitarbeiter, der tagsüber bei Kunden wichtige Daten, wie Aufträge, Pläne oder sonstige Dokumente in seinem Laptop speichert und diese Daten nicht selbst sichert oder in die Zentrale überträgt, verfügt erst wieder über ein Backup, wenn er wieder Anschluss an den regulären Zyklus hat. Unter Umständen kann das Wochen dauern.
Ein weiteres, sehr häufiges Problem besteht darin, dass Dokumente, Präsentationen und andere Dateien durch Programm oder Benutzerfehler gelöscht oder korrumpiert und somit unlesbar werden. Den Anwendern bleibt in diesem Fall nichts anderes übrig als eine alte Version, sofern sie denn vorhanden ist, aus dem Backup wiederherzustellen. oder im schlimmsten Fall die ganze Arbeit von vorne zu beginnen. Das kostet Arbeitszeit, wichtige Terminarbeiten geraten in Gefahr, der Frust- und Stresspegel steigt.
Eine Lösung aus dem Dilemma besteht in einem neuen Backup-Verfahren, das die Dateien sichert, sobald sie verändert wurden. In der Fachwelt ist dieses Verfahren allgemein als „Continuous Data Protection“, kurz CDP, bekannt. Die SNIA, die Vereinigung der Storage-Networking-Industrie, definiert CDP als „eine Methode, die kontinuierlich Veränderungen am Datensatz übernimmt oder mitloggt und diese Veränderungen unter Beibehaltung der Originaldaten speichert. Der Datensatz eines beliebigen Zeitpunkts kann so wieder hergestellt werden.“
Diese Lösungen erlauben des dem Anwender, beliebig viele Versionen einer Datei vorzuhalten. Die Sicherheitskopien können auf einer weiteren Festplatte, remote auf dem Fileserver, auf einem weiteren Gerät im Netz, auf einem USB-Stick oder in einem Speichermanagement-Programm abgelegt werden. Wichtig dabei ist, dass das Programm je nach Einstellungen auch Zwischenversionen speichert. Im Falle einer korrumpierten Datei, kann der Benutzer also eine frühere Version wiederherstellen und den Faden seiner Arbeit mit einer möglichst nahen Version wieder aufnehmen.
Eine Softwarelösung, die dieses Verfahren automatisiert hat, ist IBM Tivoli CDP. Das Programm erkennt jede Dateispeicheroperation und sichert die entsprechenden Dateien auf das definierte Backup-Ziel. Tivoli CDP unterscheidet verschiedene Versionen der Daten und ermöglicht damit eine Wiederherstellung der Dateien eines gewählten Zeitpunkts. Das Tool verwaltet den Speicherplatz der lokalen Festplatte für das Backup als einen Datenpool mit konfigurierbarer Größe und löscht alte Versionen der Backups automatisch, um Platz für neuere Sicherungskopien zu schaffen. Außerdem ermöglicht die Software über einen Remote-Server oder „Tivoli Storage Manager“ (TSM) das dedizierte Speichern der Daten, wenn der Benutzer mit dem Netzwerk verbunden ist.
Um das Speichermedium aber nicht zu schnell an seine Kapazitäten zu bringen, bietet die Software die Möglichkeit, die maximale Größe einer Datei, bei der noch eine Versionierierung gewünscht ist, anzugeben. Dateien, die oberhalb dieser Grenze liegen, werden dann nur einmal gespiegelt. CDP nutzt hierzu mehrere patentierte Verfahren, um nur die geänderten Blöcke einer großen Datei zu übertragen. Dadurch müssen keine großen Dateien überspielt werden, was den Backup-Prozess beschleunigt.
Darüber hinaus gibt es weitere Optionen, die das Handling und Management der Dateien erleichtern helfen. Zum Beispiel können die gesicherten Dateien komprimiert werden, damit sie weniger Speicherplatz belegen. Oder der Benutzer kann sie verschlüsseln, etwa, wenn es sich um vertrauliche Rechnungsdaten handelt. Der maximal für diese Art der Datensicherung zur Verfügung stehende Speicherplatz ist vom Benutzer frei wählbar, je nachdem wie viel Platz er dem Vorgang einräumen will. Bei der Wiederherstellung muss der Benutzer lediglich die Version auswählen, an der er seine Arbeit fortsetzen will. Dabei kann er sich durch einen Vorschaumodus zunächst versichern, dass es die Datei die richtige ist, ehe sie vom Backup-Medium wiederhergestellt wird.
Für den eingangs beschrieben Fall des Notebook-Nutzers, der selten in den Genuss des Unternehmens-Backups kommt, bietet das CDP-Verfahren zusätzliche Funktionen: Wenn der Rechner gerade nicht mit seinem Backup-Gerät verbunden ist – also an keiner Internet- oder sonstiger Netzwerkverbindung hängt – dann werden die Backup-Dateien in einem Zwischenspeicher abgelegt. Sobald die Verbindung wieder steht, wird die Replikation nachgeholt. Dabei kann der Benutzer wählen, ab welcher verfügbaren Bandbreite eine Übertragung Sinn macht.
Sollte der Außendienstmitarbeiter zum Beispiel Architekturpläne ändern, die mehrere Megabytes auf der Festplatte belegen, würde es viel Geduld erfordern, diese Datei über eine Telefonleitung zu übertragen. In diesem Fall würde man mit der Datenübertragung erst ab einer DSL oder LAN Geschwindigkeit beginnen – und auch diesen Parameter kann man einstellen. Und sollte es sich herausstellen, dass ein gerade laufender Abgleich die zur Verfügung stehende Bandbreite zu stark einschränkt, kann der Benutzer die Übertragung anhalten und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen werden.
Je kürzer, desto sicherer – aber nicht allein die Kürze macht es, sondern auch die vielfältigen Funktionen des CDP sorgen dafür, dass der Benutzer auch bei unvorhergesehenen Zwischenfällen nahtlos an seine Arbeit anknüpfen kann.
Wolfgang Hitzler ist Certified IT Architect, Tivoli Software, IBM Deutschland.
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