14.11.2006 | Redakteur: Ulrike Ostler

Anlässlich des jüngsten großflächigen Stromausfalls macht der Branchenverband Bitkom auf seinen Leitfaden „Betriebssichere Rechenzentren“ aufmerksam. Im Fokus stehen hier neben elektrischen Leitungen auch Anforderungen an die Bauart und Baugröße, Abwärme und Lüftung. Verfügbarkeit und Betriebskosten werden berücksichtigt.
„Die technischen Sicherheitssysteme haben europaweit funktioniert“, sagte Werner Brinker, Präsident des Verbands der Stromwirtschaft (VDEW), anlässlich der heutigen Pressekonferenz über den Stromausfall am 4. November. Dieser knipste in großen Teilen Europas gleich flächendeckend das Licht aus.
Entgegen der Erfahrung europäischer Verbraucher erläutert der Verbands-Präsident jedoch: „Großflächige Ausfälle“ hätten verhindert werden können. Denn die Abschaltungen seien sowohl automatisch als auch gezielt gewesen. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte die Lähmung des Netzes sogar noch weiter um sich gegriffen.
Ob gezielt oder nicht, der Ausfall war ein Gau, der glücklicherweise nicht jeden Tag passiert. Dennoch fällt das Stromnetz weit häufiger aus, als gemeinhin angenommen. Im Jahr 2004, für das die der VDEW in Deutschland die jüngsten Zahlen vorlegen kann, fiel das Stromnetz pro Kunde im Schnitt für 23 Minuten aus. So genannte „Stromschnellen“, Schwankungen die Rechner und Netzkomponenten zu Absturz bringen können, sind hier nicht eingerechnet.
Im Vergleich zum europäischen Ausland stehen die rund 1000 deutschen Unternehmen im Strommarkt damit sogar ganz gut da. In dem viel kleineren Netz der Niederlande fiel das Netz pro Kunde 24 Minuten aus, in Dänemark und Österreich 30 Minuten, in Frankreich 57 Minuten und in Schweden 60 Minuten. Den Spitzenreiter auf der Negativliste macht Polen mit durchschnittlich 300 Ausfallminuten.
Obwohl also mit Stromausfällen gerechnet werden darf, hätten die meisten Unternehmen in Deutschland keine Vorkehrungen gegen Stromausfälle getroffen, behauptet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom). Vor allem Mittelständler seien kaum abgesichert.
Das scheint umso erstaunlicher als bereits ein dreitägiger Stromausfall bei einem Viertel aller Unternehmen als existenzbedrohend eingestuft wird. Zudem schließen die Energieversorger in ihren Standardverträgen eine Haftung für mögliche Schäden aus.
„Die europaweiten Stromausfälle vom 4. November zeigen, wie ernst die Problematik ist.“ Fast kein Geschäft werde heute ohne IT-Unterstützung abgewickelt. Viele Unternehmen gingen einfach zu lax mit diesem Thema um, sagt Ralph Hintemann, Bitkom-Bereichsleiter IT-Infrastruktur. Er erinnert daran, dass im vergangenen Winter im Münsterland der Strom mehrere Tage lang immer wieder ausfiel. Vereiste Masten waren unter der Last von Schnee und Eis zusammengeknickt.
Der Verband hat mit „Betriebssicheres Rechenzentrum“ einen brauchbaren Leitfaden zusammengestellt, die bei der Planung und Implementierung von IT-Infrastrukturen helfen kann. Die Absicherung der Stromversorgung ist hier eines der Themen.
Der Leitfaden und dazu passende Grafiken stehen zum kostenlosen Download bereit. Nach Aussage des Bitkom werden die Leitfäden nachfolgenden Versionen allerdings noch ergänzt und erweitert.
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