16.12.2008 | Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Andreas Donner

Was müssen die Spezialisten wissen, um sich strategisch auf „in die Wolke“ ausgelagerte Dienste und Applikationen vorzubereiten? Gefragt sind neben einem vorausschauenden Fachwissen vor allem echte Teamplayer anstelle eines eigenbrötlerisch agierenden Spezialistentums.
Es beginnt in der Regel eher harmlos, fast so, als ob ein kleines Forscherteam am Nordpol mit ersten Messungen beginnt, um dem Klimawandel auf die Spur zu kommen. Meist „ad-hoc“ und ungeplant beginnen auch im Unternehmen die Spezialisten damit, bestehende Applikationen unter die Lupe zu nehmen. Was ließe sich besser in die Wolke auslagern? Dies beginnt in der Regel mit jenen Anwendungen, die in naher Zukunft ohnehin vor einem Wechsel stehen.
Danach folgen im nächsten Schritt diejenigen, die nicht zum Kernbereich der geschäftlichen Anwendungen gehören. In den meisten Fällen werden sich die Kosten durch den Umstieg auf Cloud-Computing deutlich senken lassen können, versprechen zumindest die Anbieter. Das gilt nicht nur für den Fall, dass bereits eine passende Anwendung am Markt erhältlich ist: Selbst eine Eigenentwicklung kann sich durchaus lohnen, denn die Entwicklungskosten sind erheblich gesunken und die Zeit bis zur Einsatzreife kann relativ kurz sein.
Wie aber lässt sich die praktische Kluft zwischen dem „Wolkenhype“ und den realen Herausforderungen bei der Integration und Implementierung schließen? Schließlich müssen gerade die Integrationsspezialisten die Brücke zwischen Hersteller und Anwender bzw. Unternehmen bilden. „Es gibt derzeit tatsächlich eine Kluft, allerdings würde ich diese eher zwischen der technischen Realität und der Akzeptanz seitens der Kunden verorten“, sagt Bert Oosterhof, Director of Technology EMEA beim IT-Dienstleister Informatica.
Im Klartext: In unzähligen Unternehmen haben die Mitarbeiter, die sich um die Integrationsprobleme im Tagesgeschäft kümmern, keine Verbindung und schon gar keinen heißen Draht zu neuen und ungewohnten Themen, wie eben Cloud-Computing. Eine ähnliche Situation ist aber kein historisch einmaliges Ereignis, als etwa vor einigen Jahren in den IT-Organisationen unterschiedliche Teams für die Anwendungsintegration (EAI) und Datenintegration gebildet wurden.
Das damit verbundene organisatorische Durcheinander war jedoch oftmals auch von einer gewissen Einmaligkeit. Es kam dabei vor, dass zwei unterschiedliche Teams konkrete Informationen etwa aus einem SAP-System benötigten und so unabhängig voneinander Lösungswege entwickelten – lediglich ein paar Büros voneinander entfernt. „Aus diesem Grund plädieren wir schon lange dafür, Integrationsbelange in Unternehmen zu bündeln“, gibt Bert Oosterhof zu bedenken.
Für Großunternehmen biete sich dazu das Modell eines „Integration Competency Centres“ (ICC) an, das zentral an einer unternehmensweiten Strategie und wieder verwendbaren Modellen für die Datenintegration arbeite. Aber auch kleinere Firmen sollten nach Auffassung von Informatica zumindest eine spezialisierte Abteilung für dieses Thema einrichten.
„Letzten Endes werden dieselben Technologien benötigt, egal nach welchem Ansatz die IT arbeitet. Im Idealfall sollte daher für die Integration eine Plattform gewählt werden, die zwischen der Cloud, einer SaaS-Umgebung und der Inhouse-IT Daten integrieren kann“, bilanziert Oosterhof.
Joachim Schreiner, Area Vice President Central Europe, bei Salesforce, sieht gar eine vollkommen veränderte Funktion und Rolle der IT-Abteilungen auf die Branche zurollen. „Bei installierter Software fließen rund 80 Prozent der IT-Budgets von Unternehmen in Wartung und Updates. Mit diesem Missstand macht Cloud Computing Schluss, denn Wartung und Upgrades liegen beim Anbieter.“
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