iSCSI, SAS und FCoE verändern die Speicherlandschaft

Ist Fibre Channel vor dem Aus?

08.10.2008 | Autor / Redakteur: Rich Castagna / Nico Litzel

Das Fibre-Channel-Protokoll momentan noch das Nonplusultra. Doch SAS, iSCSI und FCoE verändern gravierend die Speicherlandschaft.

Fibre Channel (FC) ist immer noch das vorherrschende Protokoll im Networked-Storage-Bereich. Aber ich frage mich, wie lange diese Vorherrschaft noch andauern wird.

Fürsprecher führen an, dass FC-Speichersysteme in puncto Zuverlässigkeit und Performance einfach unschlagbar sind. Das ist ein gewichtiges Argument. Dennoch kommt es, so zumindest meine Beobachtung, in letzter Zeit zu einigen Umwälzungen, die nahelegen, dass die Führungsrolle des Fibre-Channel-Protokolls nicht gesichert ist und es sogar vom Thron stürzen könnte.

Konkurrent Nummer eins: iSCSI

Der erste Schwachpunkt von FC ist iSCSI, das zunehmend in Unternehmen akzeptiert wird. In den Anfängen von iSCSI waren die Anbieter dieser Systeme noch sehr vorsichtig und wollten den großen Speicherjungs nicht auf die Füße treten. Daher haben sie ihre Systeme als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu Fibre Channel positioniert.

Das war zumeist auch eine recht zutreffende Einschätzung: Die erste Generation von iSCSI-Speichersystemen musste sich erst noch warmlaufen und konnte noch nicht mit FC-Geräten mithalten. Aber ich glaube, dass diese Strategie bei der Markteinführung teils nur eine Masche der iSCSI-Anbieter war, um so außerhalb der Sichtweite der großen Anbieter zu bleiben. Ob es nun Absicht war oder nicht, die Rechnung ist jedenfalls aufgegangen: Heute findet man kaum noch einen Speicherhersteller ohne iSCSI im Portfolio.

Wir haben kürzlich unsere Leser nach ihrem Kaufverhalten befragt. Aus den Antworten ist herauszulesen, dass iSCSI keine Eintagsfliege ist und weitaus mehr ist, als nur eine günstige Box, die man sich ins Rechenzentrum stellt, um Tier-3 oder Tier-4-Speicherumgebungen aufzurüsten. Nahezu ein Drittel der in der Umfrage vertretenen Großunternehmen setzen iSCSI-Systeme ein – und das nicht für Anwendungen mit niedriger Priorität. Eine Menge Großunternehmen lassen E-Mails und geschäftskritische Anwendungen auf iSCSI laufen – Anwendungen, die früher ausschließlich Fibre Channel vorbehalten waren.

Konkurrent Nummer zwei: Serial-Attached SCSI

SAS-Laufwerke sind eine weitere Bedrohung für Fibre Channel. Eine Schwachstelle von iSCSI war die im Vergleich zu FC geringe Performance, aber SAS-Festplatten können diese Lücke schließen. SAS bietet eine Reihe von Vorteilen, etwa eine gute Performance (15.000 Umdrehungen pro Minute und drei Gigabit pro Sekunde), kleinere Formfaktoren, Skalierbarkeit, Koexistenz neben SATA-Festplatten und Multichannel-Aggregation für eine noch bessere Performance. Und die SAS-Roadmap der SCSI Trade Association sieht für kommendes Jahr Laufwerke mit sechs Gigabit pro Sekunde vor, wodurch dieser Laufwerkstyp dann einen Tick schneller als aktuelle FC-Laufwerke mit vier Gigabit sein wird. Allerdings nehmen auch FC-Laufwerke mit acht Gigabit langsam Gestalt an.

Konkurrent Nummer drei: FCoE

Die dritte Bedrohung für Fibre Channel trägt den gleichen Namen: Fibre Channel over Ethernet (FCoE). FCoE greift Fibre Channel von der Netzwerkseite an, obwohl, wie der Namen schon andeutet, es als komplementäres Protokoll zu FC gedacht ist. FCoE ist unter dem Schlagwort „uniter not a divider“ bekannt, da es FC-Traffic ermöglicht, übers Ethernet-Netzwerk zu laufen. Das mit dem „Uniter“ sehe ich ein, da FCoE so als praktikable Backbone-Technik positioniert wird, mit der verschiedene Netzwerke im Rechenzentrum miteinander verschmolzen werden.

Aber das könnte leicht zu „vereinige und herrsche“ führen, sollte FCoE ausreichend Marktanteile im Zuge der Einführung von 10-Gigabit- und Data-Center-Ethernet im Rechenzentrum gewinnen. Und es könnte unter Umständen InfiniBand den Weg bereiten, das (wie immer) in Lauerstellung ist. Sollte es soweit kommen, dann könnte FC noch weniger zu einer Notwendigkeit für Unternehmen werden.

Ich habe es bislang geschafft, Metaphern von gewaltigen Stürmen zu vermeiden, weil an diesen geschilderten Umständen nichts Gewaltiges zu erkennen ist. Wenn aber iSCSI, SAS und FCoE auf dem vorgezeichneten Weg bleiben, wird das zwangsläufig gravierende Auswirkungen auf Storage in Unternehmen haben. Wenn man nun den Kostenfaktor in diesen Mix einbezieht, dann ist der Sturm sicher noch nicht gewaltig, aber er braut sich gerade zusammen.

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