All-in-One Speicherlösung von Hewlett-Packard

SAN für KMUs

19.02.2007 | Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Bernd Schöne

Querformat oder Hochkant. Das All-in-One600 System gibt es wahlweise zum Einbau in Racks oder als Tower. Quelle: HP

Fast alle Speicherhersteller versprechen, sich besonders um den Mittelstand oder um die KMUs (kleinen und mittleren Unternehmen) zu kümmern. Doch die so zart Umworbenen zieren sich beharrlich. Die Hersteller geben aber nicht auf und legen immer neue Mittelstandsangebote vor. Am weitesten bisher geht Hewlett-Packard.

Die kaum noch zu übersehende Vielzahl der Mittelstandsinitiativen der IT-Hersteller zeugt davon, dass sie in der Vergangenheit nicht das gehalten haben, was man sich davon versprochen hatte. Sonst müsste man sie ja nicht immer wieder neu auflegen.

Offenbar ist der Mittelstand in Deutschland schwerer zu erobern, als es die Marketingstrategen wahrhaben wollen. Entweder hat er schon alles, was ihm die Speicherindustrie so gerne verkaufen möchte, oder die präsentierten Lösungen gehen doch irgendwie an den vorhandenen Problemen vorbei.

Im Falle von Storage Area Networks (SANs) kommt noch eine Besonderheit hinzu: Hier kann man kaum ein einzelnes Produkt „out of the box“ verkaufen, da es sich in aller Regel um eine Investition in die IT-Infrastruktur handelt, die gleich mehrere Komponenten umfasst und Server sowie Netzleitungen tangiert. Die bisherigen SAN-Erfahrungen in großen Unternehmen lassen sich nicht so einfach von oben nach unten transferieren, wie das sonst bei der IT üblich ist. Denn das SAN an sich gibt es nicht, es existiert vielmehr nur x-fache, individuell angepasste Einzellösungen.

SAN-Bauklötze

Die meisten Speicheranbieter haben aus dieser Situation den Schluss gezogen, auf vorgefertigte Standard-Lösungen für ein SAN zu verzichten. Sun und IBM haben gar keine SAN-Pakete im Programm, während Hitachi Data Systems zusammen mit Qlogic ein „Simple SAN“ anbietet.

Das „Simple“ erschöpft sich aber weitgehend darin, verschiedene Controller- und Netzkarten plus einige Kabel und einen Switch hübsch in einen Karton zu verpacken. Die nicht gerade billigen HDS-Speicherarrays muss man extra erwerben.

EMC kann auf Dell verweisen, wo das Insignia-Array AX 150 zusammen mit HBA und wahlweise FC- oder iSCSI-Switch als Bundle erhältlich ist. Bei Fujitsu Siemens Computers hat man sich ein so genanntes „Soft Bundle“ für SAN ausgedacht, das eigentlich gar kein Starter-Pack sein soll: „My very first SAN“ gibt es nur in individuellem Zuschnitt mit den herkömmlichen Komponenten.

Lediglich Hewlett-Packard hat das Thema so richtig für sich besetzt, und das gleich mehrfach. Ausgehend von den Proliant-Servern, einst mit Compaq zu HP gekommen und weltweit über 10 Millionen mal verkauft, hat man sich schon vor fünf Jahren ein Storage-Programm für kleine und mittlere Unternehmen mit dem Namen „Simply-Storage-Works“ ausgedacht, begleitet von einer Roadshow-Kampagne und bestehend aus drei Teilen:

  • im SAN-Bereich “My first SAN”
  • im NAS-Bereich „Easy as NAS“
  • für Datensicherung „Ultimate Business Protection“

Wer ein kleines SAN aufbauen möchte, kann auf verschiedene Starter-Packs zurückgreifen, die zu Preisen ab 6.500 Euro zu haben sind und aus einem Array, einem FC-Switch, zwei Host Bus Adaptern sowie Verkabelung und Backup- und Management-Software bestehen. Soll für mehr Ausfallschutz gesorgt werden, liefert HP Pakete mit redundanten Switches und HBAs.

SAN ohne Vorwissen

Laut Ingo Kraft, Storage-Manager bei HP, braucht es für die Installation solcher SANs kein Vorwissen: Der komplette Vorgang, einschließlich auspacken, in Betrieb nehmen oder LUNs initiieren dauere etwa 30 Minuten.

Klein, aber fein

Seit September 2006 ist HP noch einen Schritt weiter gegangen: Für 3.900 Euro gibt es eine „All-in-One“ genannte Speicherlösung. Im Wesentlichen besteht sie aus einem Festplatten-Array mit Hardware-RAID und redundanten Hot-Swap-Festplatten, das in zwei Varianten geliefert wird: als All-in-One-400 mit einem Terabyte Kapazität und als All-in-One-600 mit maximal drei Terabyte.

Das 600er-System ist nicht nur als 19-Zoll-Einschub, sondern auch als Towermodell erhältlich. In ein bestehendes TCP/IP-Netz gehängt, lassen sich verschiedene Server an einen zentralen Speicher anschließen.

Über einen iSCSI-Initiator ist das auch für blockbasierte Daten möglich, die im Fall von Datenbanken typischerweise in ein SAN eingebunden werden.

Aufrüsten im laufenden Betrieb

Einzelnen Applikationen kann man im laufenden Betrieb zusätzlichen Speicherplatz zuweisen. Alle Systeme werden mit der Software Data Protector Express ausgeliefert, mit der Snapshots manuell oder in automatisierten Zeitabständen initiiert werden.

Das Problem mit den Backup-Fenstern entfällt, da Backups im Hintergrund des Systems über die Snapshots angestoßen werden. Echte, also ereignisgesteuerte Continous Data Protection (CDP) ist allerdings bisher noch nicht möglich.

Die All-in-One-Systeme sind mit Single-Instance-Storage ausgestattet, womit die mehrfache Abspeicherung von identischen Dokumenten wie zum Beispiel E-Mail-Attachments vermieden wird. Für jedes mehrfache Dokument wird jeweils nur noch ein Pointer hinterlegt. Die gespeicherten Daten werden indexiert, was die Searchfunktionen beschleunigt.

Boom im 12 000 Euro Segment

Der mitgelieferte Windows Storage Server 2003 R2 beinhaltet auch Distributed File System Replication (DSR), womit zwei Speichersysteme, die an entfernten Standorten aufgebaut sind, repliziert werden können.

Die IDC-Analysten erwarten, dass die Nachfrage nach kleinen und billigen Speichersystemen bis zum Jahr 2010 stark zunehmen wird. Ein besonders grosses Wachstum wird bei Einstiegslösungen bis zu 12.000 Euro prognostiziert, vorangetrieben durch die zunehmende Akzeptanz von iSCSI in den Unternehmen.

Sollte der Erfolg von HPs Starter-Packs im Markt anhalten, werden andere Hersteller mit Sicherheit folgen. IBM hatte es schon einmal versucht, musste aber aufgrund von juristischen Problemen wieder den Rückzug antreten.

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