07.11.2007 | Autor / Redakteur: Beth Pariseau und Rainer Graefen / Nico Litzel
Dell möchte das auf iSCSI-SAN spezialisierte Unternehmen Equallogic für 1,4 Milliarden US-Dollar übernehmen und die Technik des Unternehmens in die eigenen iSCSI-Produkte integrieren. Die weitere Zusammenarbeit mit EMC steht damit vor einer Bewährungsprobe.
Dell arbeitet hart an seiner Konsolidierung. Mit der Übernahme von Equallogic für stolze 1,4 Milliarden US-Dollar ist klar, dass der Hersteller die Umsatzrückgänge der vergangenen Monate auf dem wachstumsträchtigen Speichermarkt ausgleichen will. Ebenfalls deutlich zu sehen ist, dass Dell sich nicht mehr länger nur als OEM-Storage-Partner von EMC verdient machen will, sondern mit seiner iSCSI-Initiative einen eigenständigen Kurs fahren möchte.
Equallogic ist das führende Unternehmen im iSCSI-Bereich und fokussiert sich auf den Vertrieb über Handelskanäle. Der Hersteller startete im Jahre 2001 mit einem Wagniskapital von 52 Millionen US-Dollar und hat seit seiner Gründung weltweit über 3.500 Kunden gewonnen. Der bevorstehende Börsengang sollte frisches Geld für die weitere Expansion bringen. (Eine umfangreichere Einschätzung des Startups sowie ein längerer Testbericht über die Enterprise-Systeme PS200E und PS3800XV findet sich auf Searchstorage.de und im Magazin STORAGE Heft 2 vom April/Mai 2007)
Verständlich, dass Dell-Vertreter angesichts der Übernahme nur Positives zu berichten wissen. Man schätzt es, wie Equallogic in der Vergangenheit seine iSCSI-Produkte positioniert hat und auch vom VMware-Hype profitiert hat. VMware zertifizierte die Speichersysteme im vergangenen Jahr als erste für die Zusammenarbeit mit der Virtualisierungs-Software. „Die Produkte müssen einfach zu bedienen sein, und Equallogic ist in diesem Bereich führend“, sagt Mike Arterbury, Director Storage Operations bei Dell und weist darauf hin, dass VMware auch Dells größter Server-Reseller ist.
In den Vereinigten Staaten machen sich erste Experten über das wohl neu zu definierende Verhältnis der beiden Marktgiganten intensive Gedanken. Neutrale Beobachter außerhalb von EMC und Dell kommentieren den Kurswechsel noch vorsichtig. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass EMC diese Übernahme nicht beunruhigt“, erklärt Tony Asaro, Gründer und Chefanalyst der Enterprise Strategy Group (ESG). „Das laufende Geschäft von EMC wird davon zwar nicht betroffen, jedoch sinken die Chancen, einen Fuß in den Wachstumsmarkt iSCSI zu setzen.“
Dell verkauft bislang die AX150- und Clariion-Arrays von EMC und ist für rund 16 Prozent des EMC-Gesamtumsatzes im Storage-Bereich verantwortlich. Diese Zusammenarbeit hat im vergangenen Monat mit der Präsentation des MD3000i einen ersten Dämpfer erhalten. Das Powervault MD3000i ist eine iSCSI-Einstiegslösung, die auf Dell Poweredge-Servern und iSCSI-Software von LSI basiert.
Und Aaron Rakers, Finanzanalyst bei Wachovia, rechnet damit, dass sich der Deal negativ auf EMCs Aktienkurs auswirken wird. „Die von Dell verkaufte Clariion-Linie mit ihrer Fibre-Channel-Schnittstelle gehört zu den hochpreisigen High-End-Systemen, während iSCSI als optimaler Einstieg für Mittelstandskunden beworben wird. Das sind Anzeichen dafür, dass Dell die eigenen Produktionskapazitäten konsequent ausbauen wird – zum Nachteil EMCs“, schrieb Rakers in eine Mitteilung an Kunden.
Bei EMC und Dell versucht man indessen, die Differenzen klein zu reden. Offiziell vertritt EMC die Linie, dass die Equallogic-Übernahme keine Auswirkung auf das Verhältnis zu Dell haben wird: „Mit der angekündigten Übernahme stärkt Dell die Powervault-iSCSI-Linie im Low-End-Bereich“, so ein Sprecher von EMC. „Es kommt zu keiner Veränderung – mit Powervault wird der kleinere Mittelstand bedient, mit der Clariion die Bedürfnisse der Enterprise-Kunden. Wir beabsichtigen nicht, daran zu rütteln.“
Arterbury will ebenfalls keine Gräben aufreißen und beteuert, dass die Equallogic-Produkte keine Konkurrenz zu denen von EMC sind. Dell gibt sich große Mühe, einen Konflikt zwischen der MD3000i und dem unteren Ende der Clariion-Linie zu vermeiden, indem man auf die integrierten Replikationsfunktionen der Clariion verweist.
Darüber hinaus verspricht Dell zwar, dass die Produkte gemeinsam positioniert werden, wie diese Positionierung jedoch aussehen wird, erklärt das Unternehmen nicht. „Dazu ist es noch zu früh – in 60 bis 75 Tagen werden wir das geklärt haben“, schätzt Arterbury.
Ungeklärt ist auch, wer vom Equallogic-Management übernommen wird. Ebenfalls unklar ist, ob das Unternehmen als eine eigenständige Tochtergesellschaft betrieben wird oder in Dell aufgeht – oder ob das Branding der Equallogic-Produkte weiterhin auf dem Markt angeboten wird.
Equallogic, dessen Börsengang für Ende des Jahres erwartet wurde, hatte zuletzt einen Umsatz in Höhe von 91 Millionen US-Dollar erwirtschaftet sowie einen Verlust von rund zwei Millionen US-Dollar in den ersten drei Quartalen dieses Jahres ausgewiesen. 2006 hat Equallogic 68 Millionen umgesetzt und einen Verlust in Höhe von 4,3 Millionen US-Dollar in den Büchern verzeichnet. Von 2005 auf 2006 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. Dieses Jahr ist er wieder im Begriff, sich mehr als zu verdoppeln.
Dells 1,4 Milliarden-Deal könnte dem iSCSI-Protokoll im Bereich Networked Storage, in dem bislang Fibre Channel dominiert hat, neuen Auftrieb geben, glaubt Asaro. Ständig neuen Auftrieb braucht dieser Markt allerdings schon seit das Protokoll erfunden wurde. Augenblicklich hoffen viele darauf, dass der iSCSI-Umsatz nach dem Upgrade auf 10-GBit-Ethernet zunehmen wird.
Die Crux hier ist allerdings, dass dann die Infrastruktur-Kosten in FC-Dimensionen schießen, iSCSI trotz höherer Bandbreite jedoch nach wie vor langsamer sein wird als Fibre Channel. Und noch ein Faktor spricht gegen die Wiederbelebung: Die Anstrengungen, mit denen in den Vereinigten Staaten die Standardisierung des Konvergenzprotokoll Fibre Channel over Ethernet (FCoE) vorangetrieben wird. Dessen Unterstützer, beispielsweise Emulex, wollen schon im kommenden Jahr einen Standard verabschieden und Anfang 2009 erste Produkte auf dem Markt bringen.
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