Speicherstrategien

Flash kontra Disk und Tape

31.03.2008 | Redakteur: Philipp Ilsemann

Flash ist noch zu teuer

Von einer anderen Warte betrachtet Peter Edinger, Sales Director EMEA beim Festplattenhersteller Western Digital, die Entwicklung: „Flash ist noch zu teuer, und für die nächsten zehn Jahre ist nicht absehbar, dass sich daran etwas ändert.” Einen Hauptgrund dafür sieht er in den hohen Investitionen, die Hersteller für die Produktion tätigen müssten. „Wenn nur 15 Prozent des weltweiten Storage-Bedarfs mit SSDs gedeckt werden sollen, müssten die Hersteller zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar in neue Fabriken investieren”, so der Hard-Disk-Experte. Daher werde es „über viele Jahre” kaum nennenswerte Produkte mit einer Kapazität von mehr als 160 Gigabyte geben.

Grüne Festplatten im Aufwind

Die Festplatte werde daher noch für lange Zeit das Leitmedium der Branche bleiben. Bei ihr soll das Thema „Green IT” stetig an Bedeutung gewinnen. Durch verschiedene Techniken ließe sich mit „grünen Festplatten” eine Energiekosten-Einsparung von bis zu 40 Prozent erreichen.

Profitieren sollen davon vor allem Rechenzentren. Durch die geringere Abwärme der Stromspar-Platten ließe sich die Leistung der Klimaanlagen deutlich drosseln. Der Preis für die grüne Welle fällt vergleichsweise gering aus. Die Mehrkosten zu handelsüblichen Platten liegen laut Edinger „im einstelligen Dollarbereich”.

Generell will der Vertriebs-Experte weg von der „Dollar pro Gigabyte”-Denke, die den Fesplattenmarkt über Jahre hinweg geprägt hat. Andere Argumente sollen künftig das Einkaufsverhalten von Unternehmen wie Privatkunden bestimmen. Während Green IT als „Feel-Good-Thema” bei Endverbrauchern noch nicht so zieht, sieht Edinger ein anderes emotionales Thema als Verkaufstreiber: das Design.

Speziell externe Festplatten, deren Umsatz pro Quartal im höheren zweistelligen Prozentbereich zulegt, sollen noch stärker auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten werden. Da wären zum einen designbewusste Consumer, die das mobile Speichermedium gerne vor Bekannten präsentieren, zum anderen die Outdoorfreaks, die ein besonders robustes Gehäuse für den Einsatz in Extremsituationen benötigen. „Hier ist vor allem der Handel gefragt, sich innovative Vermarktungsstrategien zu überlegen”, fordert Edinger.

Tapes für die Archivierung

Die sind natürlich auch bei Bändern gefordert. Hier heißt das Vermarktungs-Zauberwort Compliance. Immer mehr Daten müssen über viele Jahre und Jahrzehnte abgespeichert werden, ohne jedoch in den meisten Fällen schnell wiederhergestellt werden zu müssen. In diesem Fall sind Bänder nach wie vor konkurrenzlos günstig – auch, was die Energiekosten im Rechenzentrum betrifft.

Als dominierender Standard hat sich bei den Tapes das von HP, IBM und Seagate entwickelte LTO-Format (Linear Tape Open) herauskristallisiert. Gegenwärtig ist mit LTO-4-Medien eine Kapazität von 800 Gigabyte nativ und 1,6 Terabyte komprimiert realisierbar. Branchen-Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die maximale Kapazität in den nächsten Jahren noch vervielfachen wird.

So sieht der LTO-Standard mit jedem Schritt eine Verdopplung der Kapazität vor. Mit dem Start von LTO-5, das obendrein eine bessere Performance der Laufwerke erreichen soll, ist jedoch nicht vor dem kommenden Jahr zu rechnen.

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