17.10.2006 | Autor / Redakteur: Alan Earls / Rainer Graefen
Viele Produkte mit Serial-Attached-SCSI (SAS), der seriellen SCSI-Schnittstelle, kommen verstärkt seit etwa einem Jahr auf den Markt. Die Experten sind sich darin einig, dass diese neue Festplattentechnik für viele unterschiedliche Speichersysteme gut geeignet ist.
Die SCSI-Trade-Organisation (STA) ist ein Industrieverband, der gegründet wurde, um die SCSI-Technologie zu unterstützen und zu fördern. In den Jahren 2003 bis 2005 entwickelte die STA vor allem SAS weiter – mit dem Ziel, die Funktionen und Spezifikationen möglichst zu vereinheitlichen.
Am Ende des Jahres 2005 gaben sie bekannt, dass die Produkte und Protokolle endlich stabil und bereit für die Markteinführung seien.
Auch wenn die Technik noch ziemlich neu und wenig erprobt ist, bieten bereits heute einige Storage-Hersteller SAS-Geräte an. Beispielsweise führten Seagate/Maxtor und LSI verschiedene Kompatibilitätstests mit ihren Geräten durch: Auf dem Prüfstand befanden sich unter anderem die Maxtor-Atlas-SAS-Festplatten und der LSI Logic-Host-Bus-Adapter sowie Erweiterungen und RAID Controller, aber auch ASIC-Initiatoren. Die Ergebnisse dieser Tests waren durchweg positiv.
Daraufhin nahmen die genannten Unternehmen, die nach dem STA-Standard entwickelten SAS-Produkte in ihr Angebot auf. Im letzten großen Vergleichstest (von der STA wegen der vielen Stöpseleien auch „Plugfest“, also „Steckerparty“ genannt) wurde unter anderem die Leistungsfähigkeit des SAS-Systems unter die Lupe genommen.
„Das Ergebnis entsprach den Erwartungen, und auch der SATA-Kompatibilitätstest bei drei GBit/s war höchst erfolgreich“, berichtet Harry Mason. Er ist Vorsitzender der STA und Marketingdirektor bei LSI Logic. Neben der Leistung sei tatsächlich vor allem die Kompatibilität mit SATA (Serial Advanced Technology Attachment) eine der wichtigsten Eigenschaften von SAS.
Nach Angaben von Mike Karp, Senior-Berater bei „Enterprise Management Assosiates“, wurde von der STA alles unternommen, um die neue SAS-Technologie erfolgreich weiter für die Bedürfnisse des Marktes zu entwickeln. Auch er ist überzeugt davon, das die Kompatibität der beiden Schnittstellen SAS und SATA den Markterfolg garantieren werden.
Der Verband übernahm für die Normierung außerdem einige wichtige Eigenschaften anderer Speicherstandards, um eine in hohem Maße funktionale Verbindung für Speichergeräte zu entwickeln. „Die Systementwickler haben nun eine einheitliche technische Basis, auf der sie eine breite Palette an Produkten entwickeln können, die für die verschiedenen Stufen (Tiers) von Speicherlösungen geeignet sind“, führt Karp aus.
Es sei ein großer Gewinn, dass man nun SAS und SATA gemeinsam nutzen könne und die Schnittstellen sich dadurch gegenseitig ergänzten, meint John Webster, Storage-Experte bei der Data Mobility Group. „Sie können einen handelsüblichen SAS-Controller mit Festplatten beider Standards verwenden. Den SAS-Laufwerken werden die Daten mit hohen Anforderungen an Leistung und Datendurchsatz zugeordnet und SATA die weniger anspruchsvollen“, sagt er und fährt fort: „Sie können jederzeit eine SAS-Festplatte aus einem Array herausnehmen und durch eine SATA-Disk ersetzen.
Für Anwender, die sich immer noch mit komplexen parallelen SCSI-Systemen plagen, bietet SAS eine enorme Flexibilität sowie hohe Leistungsfähigkeit (3 GBit/s pro Festplatte) und große Zuverlässigkeit durch die mehrfachen Datenverbindungen („Dual-Porting“).“
„SAS hatte den Wettbewerb im Markt noch vor der Einführung schon fast verloren, als die Hersteller das System durch einen brillanten Schachzug wiederbelebten“ erinnert sich Arun Taneja, Gründer und Storage-Experte von der Taneja Group aus Hopkinton, Massachusetts. Die Wiederbelebung resultierte daraus, dass einerseits die serielle Architektur größere Kabellängen ermöglicht. Andererseits wurde die Schnittstelle physikalisch identisch zu SATA gestaltet. Das bedeutet: „Designer“ von Storage-Systemen können für die Laufwerke frei zwischen SAS und SATA wählen.
Taneja berichtet: „Ich habe viele Händler- und Reseller-Aktivitäten bei SAS-Produkten verfolgt. Es wurden und werden erhebliche Investitionen dafür aufgewendet, SAS einen Platz in der IT-Infrastruktur zu sichern“, stellt er fest. Jedoch – während die ersten Produkte schon seit 2005 weitgehend fertig gestellt seien und angeboten würden, kämen viele Server-Hauptplatinen mit SAS-Schnittstellen erst gegen Ende des Jahres 2006 auf den Markt. Auch er glaubt, SAS werde im Laufe der Zeit deutlich an Schwungkraft gewinnen.
Gibt es auch Nachteile bei SAS? „Ich behaupte solche Dinge nicht oft, aber wenn es Risiken beim Wechsel von parallelen zu Serial-Attached-SCSI-Lösungen geben sollte, dann kann ich sie nicht erkennen“, meint Webster. Außerdem beseitige SAS seiner Meinung nach den sprichwörtlichen „Kabelsalat“ der iSCSI-Systeme.
Webster zieht daraus ein positives Fazit. Für ihn bestehen nun für die Unternehmen mehr Auswahlmöglichkeiten – eben FC (Fibre Channel), SATA und jetzt auch SAS. Er fügt hinzu: „Ich verstehe wirklich nicht, warum SAS nicht früher entwickelt wurde.“
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