16.03.2007 | Autor / Redakteur: Thomas Böcker / Martin Hensel
Zurzeit vergeht praktisch kein Tag, ohne dass Hersteller neue Flash-Laufwerke im 1,8- oder 2,5-Zoll-Format präsentieren. Jetzt bietet der kalifornische Hersteller Super Talent Technology eine 3,5-Zoll-SSD an, die 128 GByte Daten aufnehmen soll und damit für den Einsatz in handelsüblichen Desktop-Rechnern und Servern geeignet wäre.
Die Vorteile der SSD (Solid State Disc) sind an dieser Stelle zuletzt oft beschrieben worden und lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die nichtflüchtigen NAND-Flash-Speicher bieten kürzere Boot- und Zugriffszeiten und kommen ohne bewegliche Teile aus, wodurch sie verlässlicher arbeiten, weniger schnell verschleißen und weniger Energie verbrauchen.
Damit wären sie so etwas wie eine Eier legende Wollmilchsau – gäbe es nicht einen offensichtlichen Nachteil. Der liegt in der mangelnden Speicherkapazität: Bekannte Hersteller wie Sandisk geben als maximale Größe für ihre SSDs bislang 32 GByte an, zu wenig für viele praktische Einsatzfelder. Größere Ausführungen gab es bisher lediglich von Spezialisten wie M-Systems, die vor allem Flugzeugbauer und das Militär beliefern.
Super Talents neue Familie von SSDs für OEM-Kunden würde dieses Problem auf einen Schlag lösen: Reiht sich das kleinste Laufwerk der Serie mit 1,8 Zoll und 32 GByte Fassungsvermögen noch in den normalen Wettbewerb ein, so fällt die 2,5-Zoll-Version mit maximal 64 GByte bereits deutlich aus dem Rahmen und erreicht die Größenordnung konventioneller Notebook-Festplatten. Und mit dem Flaggschiff der Serie im 3,5-Zoll-Format würde Super Talent der Konkurrenz weit enteilen: 128 GByte bringt das vorerst unter dem Codenamen OEM SATA35 firmierende Modell auf die Waage – mehr als viele Einsteiger-PCs für den Büro- oder Heimeinsatz. Damit wäre es zumindest theoretisch sogar für den Einbau in Desktops und Servern geeignet.
Bevor sich User über rasend schnell bootende Rechner und Dateizugriffe in Schallgeschwindigkeit freuen können, sind allerdings noch einige Fragen zu klären: So macht Super Talent bisher keine Angaben zu den Datentransferraten oder zur Lese- und Schreibgeschwindigkeit seiner neuen SSDs. Positiv schlägt die lange Lebensdauer zu Buche, die der Hersteller für die beiden kleineren Modelle auf über eine Million Stunden (MTBF) beziffert, dreimal so viel wie bei einer konventionellen Harddisk. Allerdings ist die Anzahl der Schreibzyklen auf 100.000 begrenzt, ein Problem, das Super Talent durch ausgefeiltes Wear-Levelling in den Griff bekommen will. Bei einem Schreibzugriff wird dabei eine schon einmal beschriebene Speicherzelle auf eine weniger benutzte Speicherzelle umadressiert.
Ein anderes Problem kann der Hersteller indes nicht im Alleingang lösen: Einer Analyse des Experten Shaw Wu von American Technology Research zufolge liegen die Preise für Flash-Speicher zurzeit bei fünf US-Dollar pro GByte. Damit ergäbe sich für Super Talents Flaggschiff ein Stückpreis von 640 Dollar (512 Euro) – selbst die nur in geringen Stückzahlen hergestellte SATA-Disk von Seagate mit 750 GByte kostet nur etwas mehr als die Hälfte. Im Konsumermarkt sind solche Preisaufschläge nicht durchsetzbar. Ohne einen weiteren massiven Preisverfall im Flash-Markt wird der kommerzielle Erfolg also wohl lange auf sich warten lassen. Zwar erwartet Experten noch in diesem Jahr angesichts des Überangebots einen Preisverfall um 65 Prozent. Dann hätten Festplatten selbst bei gleichen Preisen aber immer noch die fünf bis zehnfache Speicherkapazität.
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