23.10.2009 | Autor / Redakteur: Dave Raffo und Nico Litzel / Nico Litzel

IBM liefert seit heute das Highend-Speichersystem DS8700 aus. Auf Power6-basierende duale Controller, ein neuer interner Fabric-Interconnect und verbesserte Device-Adapter steigern die Leistung um 150 Prozent im Vergleich zum Vorgängermodell DS8300.
IBMs jüngstes Spitzenprodukt DS8700, das im Wettbewerb zur EMC Symmetrix DMX-4 und V-Max sowie zur USP-V von Hitachi Data Systems steht, ergänzt die DS8000-Reihe nach oben: Die Modelle DS8300 und DS8100 werden weiterhin angeboten.
Der Highend-Speicher DS8700 basiert auf Power6-Prozessoren und verfügt über eine neue I/O-Topologie. IBM zufolge verbessern die Neuerungen die Performance um 150 Prozent im Vergleich zum DS8300. Bisher kamen in den DS8000-Systemen Prozessoren des Typs Power5+ und ein sogenannter proprietärer RIO-6 Loop zur Anbindung von internen Servern zum Einsatz. Das Modell DS8700 verwendet nun schnellere PCI-e-Busse, die die IOPS-Leistung verbessern, indem Server direkt angebunden werden können und sich so Verkabelung und Netzwerkarten nicht mehr teilen müssen.
Der DS8700-Speicher unterstützt wie das Vorgängermodell DS8300 bis zu 1.024 Laufwerke. Dabei kommen selbstverschlüsselnde Disks (SEDs) zum Einsatz. Das aktuelle Spitzenmodell unterstützt die gleichen Solid State Disks von STEC, die IBM seit diesem Jahr für das DS8300-System anbietet und seit rund einer Woche auch für das Speichervirtualisierungssystem SAN Volume Controller (SVC).
Um Vorteile von SSDs in einem DS8700-System ziehen zu können, wird IBM die Fähigkeiten des Speichers im kommenden Jahr verbessern, wichtige Daten zu identifizieren und diese automatisch von Fibre Channel auf Solid State Disks und umgekehrt zu verschieben. Diese automatische Datenmigration bietet der Hersteller Compellent bereits mit seiner Software „Data Progression“ an und EMC verfolgt das gleiche Ziel mit der unlängst angekündigten FAST-Software (Fully Automated Storage Tiering). EMC geht davon aus, eine erste Version von FAST noch in diesem Jahr vorstellen zu können. Die EMC-Speichersysteme sollen dann kommendes Jahr mit der Software erweitert werden. Auch eine schlanke Speicherzuweisung steht auf IBMs Roadmap: 2010 will das Unternehmen das DS8700-System mit Thin Provisioning ausstatten.
Das DS8700-System bietet Anwendern eine verbesserte Performance, beseitigt aber nicht bestehende Überschneidungen in IBMs Highend-Speicherportfolio, die für Verwirrung in der Branche sorgen. Denn: IBM bietet ebenfalls das XIV-System an und positioniert dieses als Enterprise-Plattform ohne Mainframe-Unterstützung. Zugleich erweitert das Unternehmen kontinuierlich den SAN Volume Controller.
„Wir alle wissen, dass IBM längerfristig das Ziel verfolgt, drei Produkte in einem einzigen Marktbereich anzubieten“, so Mark Peters, Analyst bei der Enterprise Strategy Group. Peters zufolge habe IBM kürzlich die Strategie auf einer Analystenveranstaltung mit den Worten „mit einer XIV Mitbewerber attackieren, mit der 8000-Reihe Mitbewerber raushalten und mit dem SVC Mitbewerber kontrollieren“ zu erklären versucht.
Laut Brad Johns, zuständig für Enterprise-Speichersysteme bei IBM, eignet sich das Modell für Unternehmen, die Mainframes einsetzen und höchste Anforderungen an die Performance stellen, etwa für Unternehmen aus der Finanzbranche mit einem hohen Aufkommen von Transaktionsdaten.
Vertreter von EMC sind der Auffassung, dass es der 8000er-Reihe im Gegensatz zur eigenen V-Max-Reihe an Innovationen mangele. Analysten vertreten hingegen die Meinung, es sei wichtiger, dass das aktuelle DS8700-Modell Verbesserungen im Vergleich zum Vorgängermodell DS8300 aufweise als zu Produkten von Mitbewerbern. Das liege daran, dass Enterprise-Kunden aus dem Highend-Umfeld nur ungern ihre primären Speichersysteme komplett auswechseln. „Bei der DS8000-Reihe geht darum, loyale Kunden bei Laune zu halten“, erklärt Peters. „Kunden in diesem Marktsegment sind träge und bleiben einem Hersteller treu.“
„Das ist ein notwendiges Upgrade“, meint Benjamin Woo vom Marktanalysten IDC. „Viele haben vergessen, dass es eine DS8000-Reihe auf dem Markt gibt. Das Modell 8700 wird mehr Inputs/Outputs erzeugen und verwalten. Und es gibt einen Bedarf nach höherer Leistung. Branchen wie das Kreditkarten- oder Versicherungswesen arbeiten noch immer überwiegend mit Mainframes. Diese Anwender werden vom neuen System profitieren.“
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