All-Flash- oder Hybrid-Arrays: Was ist besser?

Noch hat sich keine der Varianten durchgesetzt: Die Frage ist: Was taugt mehr – hybride oder All-Flash-Arrays? Hybrid-Arrays sammeln mehr Pluspunkte.

All-Flash-Arrays haben sich in den letzten zwei Jahren immer mehr verbreitet, aber die meisten Flash-Installationen finden sich noch immer in hybriden Arrays. Typisch für Hybrid-Arrays ist, dass in diesen Systemen Daten von Applikationen auf Flash abgelegt werden, die besonders hohe Performance erfordern, während andere Daten nach wie vor auf traditionellen Platten verbleiben. 

Die Debatte darüber, welche Variante von Flash-Arrays vorzuziehen ist, geht unterdessen weiter. Im Folgenden geben wir ein Gespräch zwischen Ed Hannan, Managing Director von SearchSolidStateStorage.com, und dem unabhängigen Storage-Experten Andrew Reichman wieder.

Ed Hannan: Was ist besser: hybride oder All-Flash-Arrays? Und warum?

Andrew Reichman: Es kommt darauf an, wie bei den meisten Fragen. Die Variante mit All-Flash hat den Vorzug, dass man dort nicht zwischen „heißen“ und anderen Daten unterscheiden und sie in einem Tiering-Modell ablegen muss. Ohne Tiering sind alle Daten „heiß“, und alle Applikationen werden gleich behandelt. Wartezeiten für die eine oder die andere fallen weg. Wird dagegen Tiering eingesetzt und die entsprechende Software oder die Administratoren machen einen Fehler, kommt es unter Umständen zu ungeplanten Performance-Problemen für einige User oder Anwendungen.

Man kann auch System-Ressourcen für Tiering und Applikations-Performance verwenden, was aber bei Disk-basierten Arrays seine Grenzen findet. Auf der anderen Seite ist Flash auf einer Dollar-pro-Gigabyte-Basis immer noch viel teurer als Platten, so dass eine gemischte Lösung aus Disk und Flash die letztlich preisgünstigere Variante darstellt, um alle unterschiedlichen Performance-Anforderungen zu erfüllen. Viele moderne Plattensysteme verfügen über Auto-Tiering-Tools, die selbständig darüber entscheiden, welche Daten auf Flash- und welche auf Plattenspeicher gehören sollten.

Die Effektivität solcher Tools für Auto-Tiering entscheidet über den Nutzen von hybriden Arrays. Von einem effektiven System kann man aufgrund von Erfahrungen dann sprechen, wenn ein kleine Menge an Flash-Speicher in der Lage ist, 75 oder mehr Prozent der I/O-Leistung für bestimmte performante Daten zu belegen.

Wann macht es Sinn, ein hybrides Array einzusetzen? Und wann ist es besser, ein All-Flash-Array zu benutzen?

Reichman: Ein Hybrid-Array macht dann Sinn, wenn es um mehr unspezifische Applikationen mit sehr vielen „cold“ und nur wenigen „hot data“ geht. Solche Anwendungen brauchen nur gelegentlich mehr Performance, als sie ihnen ein normales plattenbasiertes System bietet. Ein All-Flash-Array taugt dagegen eher für spezifische Applikationen, die permanent eine hohe I/O-Leistung erfordern. In solchen Umgebungen werden Daten priorisiert nach internen Tiering-Definitionen – zum Beispiel nach strikten Archivierungsrichtlinien oder festgelegten Arbeitsprozessen.

Einige All-Flash-Systeme setzen verstärkt Deduplizierungs-Software ein, um die Datenvolumen zu verkleinern und um so besondere Kostenvorteile zu erzielen. In diesem Fall sind Anwendungen mit vielen redundanten Daten geeignete Kandidaten für den All-Flash-Einsatz. Genauso geeignet sind natürlich extrem Performance-getriebene Anwendungen und Daten. Für breiter aufgestellte Anwendungen mit vielen Daten, auf die nicht ständig zugegriffen werden muss, sind All-Flash-Arrays mit Sicherheit eine Nummer zu groß.

Bringen Hybrid-Arrays bessere Resultate im Verhältnis zu dem investierten Geldbetrag?

Reichman: Wahrscheinlich. Für Umgebungen mit beschränktem Budget, die mit ihren großen Kapazitäten nur geringe Performance-Anforderungen aufweisen, sind hybride Lösungen wahrscheinlich die bessere Wahl.

Wer sind die wesentlichen Array-Hersteller und worin zeichnen sich ihre Produkte in Sachen Features, Handling oder Preisen aus?

Reichman: Fast alle Anbieter von Speichersystemen haben heute auch „hybrid“ in ihrem Programm – zum Beispiel EMC, NetApp, HP, HDS, IBM, Dell oder Nimble. EMC und Dell/Compellent sind wahrscheinlich die führenden Anbieter von Auto-Tiering, einer Funktion, die wesentlich zur Effektivität einer hybriden Lösung beiträgt.

Bei den All-Flash-Arrays sind die wesentlichen Player Pure Storage, Nimbus, SolidFire, EMC XtremIO, Cisco/Whiptail, Violin Memory, Skyera und Kaminario. NetApp, Dell, HP und IBM versuchen sich ebenfalls auf diesem Gebiet. Allen Anbietern ist gemeinsam, dass sie bisher nur relativ wenig Umsatz mit diesen Geräten erzielen, und alle Produkte verfügen über unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Dieser Markt steht erst am Beginn seiner Durchsetzung. So bieten die meisten der All-Flash-Systeme bisher nur geringe Kapazitäten an, so dass die Administratoren erst herausfinden müssen, welche Anwendungen und Datensets für sie geeignet sind. Dies führt zu einer Zweiteilung der Datenspeicherung: Einige Daten wandern in die neuen All-Flash-Arrays, während der große Rest der Daten auf davon abgetrennten Plattensystemen verbleibt. Dies erleichtert nicht gerade die gemeinsame Speicherverwaltung.

Wie wird dieses Nebeneinander von Speicherkonzepten enden? Wird sich eines zu einem neuen Standard fortentwickeln oder wird es Platz für beide Alternativen geben – für hybride Flash- und für All-Flash-Arrays?

Reichman: Entscheidend wird die Entwicklung bei Virtualisierung und Software-defined Storage sein. Wir werden voraussichtlich eine Entwicklung hin zu hybriden Systemen sehen mit größeren Flash-Anteilen. Mit solchen Lösungen wird es möglich sein, ganze Daten-Sets von Applikationen auf Flash-Speicher unterzubringen, während das Array gleichzeitig ausreichend billigeren Plattenspeicher für „kältere“, nur gelegentlich benützte Daten bereit hält. 

Und davon gibt es nach wie vor genug. Einige Branchen werden vielleicht nur All-Flash-Systeme für die Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse benötigen, aber insgesamt sieht es noch nicht so aus, als würden schon bald Flash- gegenüber Disk-Systemen die Oberhand gewinnen.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2014 aktualisiert

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