Sind Target Deduplication Storage Appliances am Ende?

Auch EMC Data Domain, Symantec NetBackup und HP StoreOnce können den schwindenden Markt für Target Deduplication Storage Appliances nicht aufhalten.

Bei den so genannten Target Deduplication Storage Appliances handelt es sich um einen Multi-Milliarden-Dollar-Markt. In diesem Segment gibt es viele namhafte Firmen und Produkte. Dazu gehören EMC DataDomain, Symantec NetBackup, HP StoreOnce, IBM ProtectTier und ExaGrid.

Wie kann so ein riesiger Markt auf dem absteigenden Ast sein? Diese Frage stellt sich aus einfachen Beobachtungen.

Target Deduplication Storage Appliances haben in den Anfängen der 2000er das Licht der Welt erblickt. Sie wurden geschaffen, um ein Backup-auf-Festplatte-Problem zu lösen. Dieses wiederum wurde durch das explosionsartige Datenwachstum ausgelöst. Der Druck auf die Backup-Fenster für die Datenbänder nahm immer mehr zu. Die Backups konnte man nicht mehr in den zugewiesenen Zeitfenstern erledigen und im schlimmsten Fall waren die Datensicherungen unvollständig. Die Performance-Probleme waren in der Regel zu lösen, indem man die Storage-Ziele auf Datei-Storage oder Festplatten änderte, die sich wie Datenbänder verhielten. Ein Beispiel sind virtuelle Datenbänder. Allerdings schaffte man damit ein Kosten-Problem.

Backup-Software wurde ursprünglich für Datenbänder entwickelt. Das Design sieht hier Kopien von Dateien vor. Der Prozess beinhaltet einen „Vater“ (komplettes Backup einmal pro Woche), einen „Sohn“ (inkrementelle Backups für sechs Tage) und einen „Großvater“ (ältere Backups, die man in der Regel ausgelagert hat). Diese herkömmliche Methode erzeugt sehr viele Kopien von Daten. Verwendet man günstige Backup-Datenbänder, ist das mit relativ wenig Kosten verbunden. Benutzt man dafür Festplatten, wird die Prozedur ungleich teurer.

Nur wenige Backup-Software-Produkte hatten Anfang des 21. Jahrhunderts eine eingebaute Deduplizierungs-Funktion. Target Deduplication Storage Appliances wurden kreiert, um das Problem mit den Kopien der Daten auf kostspieligen Festplatten zu adressieren. Damit wurde das Backup auf Festplatten im Vergleich mit Datenbändern konkurrenzfähiger. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass die Anwender die Technologie ohne Änderungen hinsichtlich der existierenden Backup-Software einsetzen konnten.

Target Deduplication Storage Appliances versuchten ursprünglich ein Backup-Problem zu lösen, dass im Moment schnell verschwindet. Die Mehrheit der Backup-Software-Produkte beinhaltet heutzutage Deduplizierung. Ein verschwindendes Problem bedeutet in der Regel auch ein zurückgehenden Markt.

Allerdings kommt es für Target Deduplication Storage Appliances noch dicker.

Backup-Software kann jetzt mehr

Viele Backup-Software-Produkte stellen Quell-basierte Deduplizierung zur Verfügung. Diese deduplizieren Backup-Daten, bevor sie die Quelle (den zu sichernden Server) verlassen. Deduplizierung an der Quelle bringt den zusätzlichen Vorteil mit sich, dass Backups beschleunigt werden. Schließlich sind weniger Daten von jedem zu sichernden Server zu übertragen. Je weniger Daten zu übertragen sind, desto weniger Druck lastet auf dem Backup-Fenster. Aus diesem Grund ist nun in vielen Tartget Deduplication Storage Appliances Quell-Deduplizierungs-Backup-Software integriert.

Primäre Storage-Systeme können auch mehr

Target Deduplication Storage Appliances bekommen auch immer mehr Konkurrenz von primären Storage-Systemen, die heutzutage Deduplizierungs-Funktionen ohne Aufpreis anbieten. Deduplizierung in primären Storage-Systemen richtet sich in erster Linie an Daten und Virtualisierung. Allerdings lassen sie sich auch als Ziel-Storage für Deduplizierung anstelle eines Target-Deduplication-Storage-Systems verwenden.

Das Problem in Bezug auf die Backup-Software ist also zum Großteil gelöst. Was passiert nun mit dem Markt für Target Deduplication Storage Appliances? Die Frage wird noch delikater, wenn man bedenkt, dass diese speziellen Storage-Systeme mehr als ein herkömmliches Storage mit gleicher Kapazität kosten.

Und Target Storage Deduplication Appliances?

Einige der führenden Anbieter von Target Storage Deduplication Appliances sind sich des Problems wohl bewusst. Sie reagieren auf die Veränderungen im Markt, indem Sie eine, mehrere oder alle der nachfolgenden Methoden anwenden:

  • Sie stellen vermeintliche Vorteile von Target Deduplication Storage Appliances heraus, auch wenn diese gar nicht vorhanden sind oder aus Marketing-Übertreibungen bestehen.
  • Sie positionieren die Deduplizierungs-Appliances neu und bieten sie sowohl für Archiv- als auch Backup-Funktionen an.
  • Sie bieten die Target Deduplication Storage Appliance zusammen mit Backup-Software an.

Im ersten Fall betonen die Anbieter die Deduplizierungs-Raten, äquivalente Storage-Kapazitäten, gleiche Backup-Performance und Effizienz in Bezug auf die Replikation. Oberflächlich gesehen scheinen das echte Vorteile zu sein. Nimmt man diese Behauptungen allerdings etwas genauer unter die Lupe, lassen sich die angepriesenen Mehrwerte anzweifeln.

Fangen wir bei dem Deduplizierungs-Verhältnis an. Raten sind in gewisser Weise immer ein Vergleich. Die Frage ist allerdings: von was?

Es gibt einige Produkte, die ein Deduplizierungs-Verhältnis von Hundert zu Eins angeben. Das klingt unglaublich beeindruckend. Viele der angegebenen Deduplizierungs-Raten von Backup-Software sind wesentlich weniger beeindruckend. Einige Hersteller machen allerdings imponierende Angaben. Bedeutet das nun, dass Target Deduplication Storage Appliances generell einen besseren Job erledigen als Backup-Software? Nein, da keines der Produkte ein vergleichbares Deduplizierungs-Verhältnis hat. Sie messen nicht das Gleiche. Die Verhältnisse sind Marketing-Gerede und nicht auf die Architektur bezogen. Somit hat das wenig Aussagekraft.

Wollte man die Ratio effizient vergleichen, müsste jedes Produkt mit denselben zu sichernden Daten beginnen. Da jede Backup-Software die Daten unterschiedlich sichert, wird es schnell ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Es gibt keine allgemeine Branchennorm für die Spezifikation der Deduplizierungs-Verhältnisses.

Führt eine Backup-Software zum Beispiel ein komplettes Backup nur einmal aus und fährt dann lediglich mit inkrementellem Block-Level fort, dedupliziert im Anschluss und komprimiert am Ende, sieht die Ratio relativ langweilig aus. Vergleichen Sie das mit Backup-Software oder einer Target Deduplication Storage Appliance, die jedes mal ein vollständiges Backup durchführt und dann vor dem Schreiben auf das Ziel-Storage dedupliziert. Die Raten sind in diesem Fall ungleich besser, allerdings sind die tatsächlich gespeicherten Daten größer.

Der häufigste Widerspruch bei der „Ratio“-Diskussion tritt zutage, wenn man die Target Deduplication Storage Appliance direkt mit einer Backup-Software vergleicht, die über eingebaute Deduplizierung verfügt. Um hier einen echten Vergleich anstellen zu können, müsste man bei der Backup-Software die Deduplizierung deaktivieren. Nur bei wenigen Programmen ist das möglich.

Die bessere Kalkulation bei einem Vergleich ist, wenn man die verbrauchte Storage-Menge der Backups über einen gewissen Zeitraum beobachtet und nicht das Deduplizierungs-Verhältnis. Diese Raten sind reine Marketing-Manipulation. Der Storage-Verbrauch lässt sich hingegen mit Fakten belegen und ist einfach zu messen.

Storage-Kapazität?

Äquivalente Storage-Kapazität ist eine weitere Marketing-Behauptung, die auf dem Deduplizierungs-Verhältnis basiert. Hier geht es um die Menge des notwendigen Storage ohne Deduplizierung. Anbieter multiplizieren die nutzbare Kapazität mit den Deduplizierungs-Verhältnissen, um die äquivalente Storage-Kapazität auszurechnen. Wenn man schon das Deduplizierungs-Verhältnis anzweifeln muss, dann gilt das selbstverständlich auch für die äquivalente Storage-Kapazität. Die Geschichte basiert auch auf der falschen Annahme, dass die Anwender keine Wahl haben. Sie können entweder mit diesem speziellen Produkt deduplizieren oder sie müssten ein komplettes Backup jeden Tag ausführen und speichern.

Backup-Performance?

Anbieter von Target Deduplication Storage Appliances preisen auch gerne die äquivalente Backup-Performance an. Das ist eine weitere zweifelhafte Behauptung, muss aber nicht immer falsch sein. In Bezug auf Quell-Deduplizierungs-Software wie zum Beispiel EMCs DataDomain Boost oder Avamar, Symantecs OST und HPs Catalyst wird es kompliziert. Diese Software-Clients verwendet man in Kombination mit einer Target Deduplication Storage Appliance. Die Software für die Quell-Deduplizierung läuft in der Regel auf Backup- oder Applikations-Servern wie zum Beispiel für relationalen Datenbanken. Die Software arbeitet mit der Target Deduplication Storage Appliance zusammen und dedupliziert die Daten, bevor diese die Quelle verlassen. Somit ist die Menge an Daten reduziert, die auf das Ziel-Storage übertragen werden. Das Deduplizierungs-Ziel führt dann die globale Deduplizierung durch.

Die äquivalente Backup-Performance wird in TByte pro Stunde gemessen. Man bewertet sie anhand der pro Stunde gespeicherten Menge an Daten mal dem Deduplizierungs-Verhältnis. Es handelt sich nicht um einen reinen Durchsatz. Es ist eine Zahl, die auf einer nicht vergleichbaren Angabe basiert.

Der reine Durchsatz ist die einzige Performance-Metrik, die grob standardisiert ist und sich in der Regel auch vergleichen lässt.

Replikation ohne Rehydration ist ein weiterer Faktor, den Anbieter bei einer Target Deduplication Storage Appliance betonen. Allerdings muss man Daten nicht rehydrieren, wenn man diese repliziert. Sind auf einem Storage-System durch Backup-Software oder eine integrierte Lösung deduplizierte Daten gespeichert, benötigt man für eine Replikation keine Rehydration.

Die Target Deduplication Storage Appliances für sowohl Backup als auch Archiv neu zu positionieren hilft, den potenziell verfügbaren Markt zu differenzieren und zu erweitern. Das scheint Sinn zu ergeben, da Archivierung ebenso exponentiell wächst und es sich eigentlich wie ein Backup anfühlt.

Allerdings sind die Charakteristiken und Anforderungen einer Archivierung zu denen eines Backups doch sehr unterschiedlich. Archive haben nur selten die Menge an doppelten Daten, die Backups aufweisen. Hinzu kommt noch, dass Archive von Dutzenden an Petabytes sogar bis zu Exabytes skalieren und sich anhand von Queries schnell durchsuchen lassen müssen. Die darin befindlichen Daten müssen Jahrzehnte lang stabil, dauerhaft, persistent und unveränderbar sein. Die meisten Target Deduplication Storage Appliances können diese Anforderungen nicht erfüllen.

Das Bündeln von Angeboten vereint Backup-Software, Media-Server oder Server und Target Deduplication Storage Appliances in einem einzigen Paket. Diese Komplettangebote wachsen wesentlich schneller als herkömmliche Target Deduplication Storage Appliances, sieht man sich die von IDC zuletzt veröffentlichten Zahlen an.

Target Deduplication Storage Appliances verlieren an Relevanz im Data Center. Die Versuche der Anbieter, den Rückgang zu stoppen, verlangsamen den Prozess. Aufhalten können Sie das Schicksal der Geräte aber nicht. Das Backup-Problem, das man mit Target Deduplication Storage Appliances adressiert hat, wird früher oder später nur noch in unseren Erinnerungen existieren.

Über den Autor: Marc Staimer ist Gründer und Senior-Analyst bei Dragon Slayer Consulting. Er hat 15 Jahre Erfahrung und seine Spezialgebiete sind strategische Planung, Produkt- und Markt-Entwicklung. Sie erreichen Marc unter marcstaimer@me.com.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2014 aktualisiert

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