Backup-Anwendungen für VMware: Veeam, Vizioncore, PHD Virtual und VDR im Überblick

vSphere hat viele interessante Neuerungen an Bord. Verbesserungen im Storage-Bereich sowie Backup-Anwendungen für VMware stehen im Mittelpunkt.

VMware hat in diesem Jahr vSphere veröffentlicht – mit vielen Verbesserungen für den Umgang mit Storage in großen Unternehmen, die auch für Anwendungen für Backup und Wiederherstellung von Vorteil sind. Eine davon sind neue APIs speziell für Daten-Sicherung, über die Anwendungen von Drittanbietern eine bessere Integration und mehr Effizienz erreichen können: Die vStorage APIs bieten erhebliche Vorteile für Backups und Wiederherstellung, und viele Anbieter haben schon begonnen, sie in ihren Produkten zu verwenden.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über Anbieter für disk-to-disk-Backups unter vSphere und wie sie die neuen Möglichkeiten für ihre Produkte nutzen.

Veeam Backup & Replication

Version 4.0 des Produkts Backup & Replication von Veeam Software enthält viele Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger 3.1 und macht umfassenden Gebrauch von den vielen Erweiterungen in Bezug auf Storage von VMware in vSphere. Die wichtigste neue VMware-Funktion, die sich mit den vSphere-APIs nutzen lässt, ist dabei Changed Block Tracking (CBT): Sie verringert den Zeitaufwand für inkrementelle Backups erheblich. Ebenso nutzt Veeam die Verbesserungen in vSphere für schlank provisionierte Festplatten. In Version 4.0 muss man dadurch bei Backup-Operationen nicht mehr nach leeren Disk-Blöcken suchen.

Zu den weiteren neuen Funktionen in Veeam Backup & Replication 4.0 zählen:

  • ein neuer Kompressionsalgorithmus, der zu einer Verringerung des Platzbedarfs für Backups auf dem Storage-Gerät um durchschnittlich 30 Prozent beiträgt.
  • Nutzung der vStorage APIs für direkten Zugriff auf VMFS-Volumes auf einem Storage Area Network (SAN), ohne dass dafür ein VMware Condolidated Backup (VCB)-Proxy verwendet werden muss.
  • Unterstützung für Hot-Adds von Disk-Dateien für virtuelle Maschinen (VMs) zu der als virtuelle Appliance fungierenden VM; dadurch kann auf sie ohne Nutzung des Netzwerks direkt durch die Storage-Schicht zugegriffen werden. Mit Hot-Adds kann der virtuellen Appliance-VM die schreibgeschützte Snapshot-Disk der zu sichernden VM hinzugefügt werden, während diese läuft.
  • ein neuer Enterprise Management Server ermöglicht verteilt arbeitenden Unternehmen die Verwaltung von mehreren Installationen von Veeam Backup & Replication von einer einzelnen Web-Konsole aus.
  • eine neue Technik für Snapshot-Entfernung verhindert, dass die Festschreibung von Snapshots (die vorgenommen wird, wenn der Backup beendet ist) eine negative Wirkung auf die VM hat, durch die es sonst gelegentlich zu Timeouts kommen kann.
  • Unterstützung für das Ausführen von PowerShell-Skripts zur Automatisierung von Aktionen und Veränderung von Einstellungen.
  • die Möglichkeit, vollständige Image-Kopien von laufenden virtuellen Maschinen für andere Umgebungen oder ad-hoc-Backups anzufertigen.

Ebenfalls erwähnenswert sind die eingebaute Inline-Funktion zur Daten-Deduplizierung auf Block-Ebene bei Veeam Backup & Replication und die ebenfalls standardmäßige Funktion zur Replikation. Wegen der neuen CBT-Features der vStorage API kann Veeam zudem mit schnelleren Replikationszyklen einer fast-kontinuierliche Datensicherung (CDP) erreichen. Die neue Version unterstützt vollständig vSphere sowie Backups und Replikation von ESX- und ESXi-Hosts (mit Ausnahme der kostenlosen ESXi-Edition). Veeam ist der erste Drittanbieter, der sein Produkt so aktualisiert hat, dass es die vStorage APIs und deren viele Vorteile im vollen Umfang nutzt.

Vizioncore vRanger Pro DPP

Vizioncore Inc. hat in diesem Jahr die Version 4.0 seines Produkts vRanger Pro Data Protection Platform (DPP) herausgebracht; gegenüber dem Vorgänger vRanger Pro 3.3 wurde sie fast vollständig neu geschrieben. Kurz darauf wurde mit Version 4.1 bereits ein weiteres Update veröffentlicht.

VRanger Pro 4.0 unterstützt zwar vSphere, nutzt aber noch nicht die vStorage APIs. Ebenfalls nicht unterstützt werden VCB und die bezahlten Versionen von ESXi, weil hier für Backups die ESX Service Console benötigt wird. Damit vRanger 4.0 funktioniert, muss auf der Service Console nicht ständig ein Agent laufen. Stattdessen wird bei der Ausführung eine Engine über SSH auf die Service Console kopiert und wieder entfernt, sobald das Backup oder die Wiederherstellung beendet ist. Irgendeine Daten-Deduplizierung wird ebenfalls nicht unterstützt, soll aber in einem späteren Release hinzukommen.

Schon jetzt aber gibt es einige sehr nützliche Features in vRanger Pro 4.0. Dazu zählen:

  • Unterstützung für die Ausführung von PowerShell-Skripts zur Automatisierung von Aufgaben wie dem Aufruf eines Backup-Jobs auf Band, um nach dem Abschluss eines Backups Dateien von vRanger Pro dort unterzubringen.
  • Unterstützung für den Verzicht auf das Lesen oder Komprimieren von „White Space“ (leeren Blöcken) im Virtual Disk File von VMs für schnellere Backups.
  • Wiederherstellung auf Image-Ebene nutzt einen einzelnen DataStream nur mit denjenigen Blöcken, die dafür benötigt werden; dadurch wird keine Zeit für das Lesen, Senden, Dekomprimieren oder Schreiben von Blöcken verschwendet, die bald darauf von einer neueren inkrementellen oder Differenz-Datei ersetzt werden.
  • Inline-Datenvalidierung sorgt dafür, dass während der Wiederherstellung von VM-Images für jeden Block eine Prüfsumme berechnet wird; dies stellt sicher, dass Daten korrekt gelesen, dekomprimiert und geschrieben werden.
  • Zentralisiertes Management über mehrere Rechenzentren ermöglicht ein Remote-Management von Backup-Traffic zwischen ESX-Host und dem Storage-Ziel, so dass nicht in jedem Rechenzentrum Clients installiert werden müssen.
  • eine „Direct to Target“-Architektur sorgt dafür, dass Backup-Traffic direkt vom ESX-Host zum Storage-Target geleitet wird, so dass mögliche Proxy-Engpässe im Backup-Verkehr eliminiert werden.

Zwar hat vRanger 4.0 auf einigen Gebieten Schwächen, aber seine Zukunft sieht hell aus. Noch in diesem Jahr soll Version 4.2 veröffentlicht werden, die Unterstützung für die bezahlten Versionen von ESXi enthalten, die neuen vStorage APIs nutzen und VCB unterstützen wird. Das nächste große Release wird dann 4.5 sein, das Anfang nächsten Jahres als Beta-Version vorliegen soll. Für Version 4.5 erwartet Vizioncore eine Unterstützung von Deduplizierung und der neuen CBT-Funktion der vStorage APIs. Ebenfalls für ein späteres Release angekündigt ist eine Technologie namens Active Block Mappings, die Vizioncore patentieren möchte und mit der vRanger Pro Blöcke von gelöschten Dateien im Gast-Dateisystem bei Backups ausnimmt. Wenn Dateien innerhalb eines Gast-OS gelöscht werden, enthalten die Disk-Blöcke noch Daten und werden nicht überschrieben. Die meisten heutigen Backup-Anwendungen auf Image-Ebene sichern auch diese Blöcke, weil sie nicht wissen, dass sie Daten von gelöschten Dateien enthalten. Active Block Mappings soll das ändern und auf diese Weise Zeit und Platz bei vollen wie inkrementellen Backups sparen. Mehr zu diesem Feature erfahren Sie in diesem Beitrag.

PHD Virtual esXpress

PHD Virtual Technologies hat im Juli Version 3.6 von esXpress als Nachfolger der Version 3.5 herausgebracht. Sie ähnelt ihrem Vorgänger, unterstützt jetzt aber vSphere. Seit Juli hat es einige inkrementellen Releases gegeben, mit 3.6.7 als dem aktuellsten. Noch unterstützt esXpress nicht die neuen vStorage APIs von vSphere – das ist erst für die für später in diesem Jahr vorgesehene Version 4.0 angekündigt. Mit Release 4.0 will PHD Virtual Technologies auch das CBT-Feature nutzen, ebenso wie die anderen Vorteile der neuen APIs. EsXpress unterstützt eine Block-basierte Inline-Deduplizierung. Dazu dient eine spezielle Appliance, bei der es sich im Prinzip um eine kleine VM mit Web- und Datenbank-Server handelt, die auf einen Ziel-Datastore am Backend schreibt.

Zu den weiteren Funktionen von esXpress zählen:

  • sofortige Wiederherstellung auf Datei-Ebene für sowohl Linux als auch Windows und mehrere Nutzer.
  • Nutzung kleiner virtueller Backup-Appliances (VBAs); diese werden während Backup-Operationen aktiviert, um die VMs von I/O zu entlasten und direkt auf VM-Snapshots zuzugreifen, unabhängig davon, auf welcher Art Storage sie untergebracht sind.
  • die von den VBAs genutzten Disk-I/Os können verringert werden, wenn dies nötig ist, um eine Überlastung der Host-Ressourcen während Backup-Operationen zu verhindern.
  • zentralisiertes Management aller eingesetzten VBAs über eine Web-basierte Konsole, die sich in vCenter Server integrieren lässt.
  • Backup-Dateien sind portabel und können ohne zusätzlich installierte Backup-Software installiert werden.
  • Backups können vor dem Versand an ein lokales Storage-Ziel oder einen Standort für Remote-DR (Disaster Recovery) mit Standard-Verschlüsselung oder 256 Bit verschlüsselt werden.

Zudem verfügt esXpress über eine eingebaute Funktion für Replikation. Mit dieser ist eine automatische Herstellung einer virtuellen Disk-Datei auf einer VM an einem Standort für Disaster Recovery möglich; alternativ können bei Nutzung der Deduplizierungsappliance inkrementelle Echtzeit-Aktualisierungen an VMs an einem DR-Standort vorgenommen werden. Bei esXpress handelt es sich um ein reifes Produkt mit einigen guten Funktionen und einer starken Engine für Deduplizierung. Wenn das Produkt erst die Vorteile der vStorage APIs zu nutzen beginnt, dürfte es noch besser werden.

VMware Data Recovery

VMware Data Recovery (VDR) wurde als VMware Data Recovery Version 1.0 als Teil von vSphere herausgebracht. Bei den Editionen Essentials Plus, Advanced, Enterprise und Enterprise Plus ist es kostenlos mit enthalten und wird als virtuelle Appliance geliefert. Seit dem Erst-Release hat es für VMware Data Recovery zwei Updates gegeben (1.0.1 und 1.0.2), die aber nur Bug-Fixes und keine neuen Funktionen brachten. Vor kurzem hat VMware aber zusammen mit dem vSphere 4.0 Update 1 auch VDR 1.1 herausgebracht, das jetzt einen voll unterstützen Windows-Client für Wiederherstellung auf Datei-Ebene enthält. VDR nutzt die Möglichkeiten der vSphere-APIs und von CBT in vollem Umfang, was Zeitaufwand und CPU-Belastung für inkrementelle Backups verringert. Zusätzlich nutzt VDR auch das neue Feature Hot-Add. Damit lassen sich Disk-Dateien virtueller Maschinen ohne Nutzung einer Netzwerk-Verbindung zur VDR-Appliance hinzufügen, so dass die Daten direkt auf die Ziel-Platte gestreamt werden können. VDR verfügt außerdem über eine eingebaute Block-basierte Inline-Deduplizierung zur Reduzierung der Datenmenge, die auf der Ziel-Festplatte gespeichert werden muss.

Zu den weiteren Funktionen von VMware Data Recovery zählen:

  • eine zentralisierte Management-Konsole, die als Plug-in von vCenter Server installiert wird.
  • einfache Bedienung mit Unterstützung durch einen intuitiven Assistenten zum Erstellen, Konfigurieren und Vorausplanen von Backup-Jobs.
  • vollständige vSphere-Awareness zur Überwachung von VMs, die von HA, vMotion oder Distributed Resource Scheduling bewegt werden, so dass geplante Backups nicht unterbrochen werden.
  • Unterstützung von Volume Shadow Copy Service (VSS) ermöglicht konsistente Backups von virtuellen Maschinen, auf denen Microsoft-Betriebssysteme und -Anwendungen laufen.

Mit der Unterstützung von Wiederherstellungen auf Datei-Ebene bei Windows schließt VMware Data Recovery 1.1 eine bedeutende Lücke – beim Vorgänger waren sie nur experimentell und mussten über ein Kommandozeilen-Werkzeug gesteuert werden. VDR 1.1 enthält jetzt einen Windows-Client mit einer neuen Bedienoberfläche zur Wiederherstellung einzelner Dateien, während für Linux weiter die Kommandozeile erforderlich ist. Außerdem weist VDR 1.1 viele technische Änderungen auf, die Verbesserungen bei Performance, Betrieb und Bedienung bringen. VDR hat nicht so viele Funktionen wie manche der reiferen Anwendungen von Drittanbietern, ist aber dennoch ein robustes Produkt, das sich gut für kleinere Umgebungen mit einfachen Backup-Anforderungen eignet.

Die folgende Tabelle enthält eine Zusammenfassung der wichtigsten Funktionen, die sich in den Produkten der einzelnen Anbieter finden. Zukünftige Releases sind darin nicht berücksichtigt.

Funktion VMware VDR 1.0 PHD Virtual esXpress 3.6.7 vRanger Pro DPP 4.1 Veeam Backup 4.0
Unterstützung für vStorage APIs X k.A. k.A. X

Unterstützung für Changed

Block Tracking

X k.A. k.A. X
Direktzugriff auf SAN ohne VCB X k.A. k.A. X

Unterstützung für Hot-Add

virtueller Disks

X k.A. k.A. X
vSphere-Unterstützung X X X X
ESXi-Unterstützung X k.A. k.A. X
VI3-Unterstützung k.A. X X X
eingebaute Deduplizierung X X k.A. X
Daten-Kompression X X X X
mehrere gleichzeitige Backups X X X X
erfordert Service-Console-Agenten k.A. k.A. X k.A.
erfordert vCenter Server X k.A. k.A. k.A.
Wiederherstellung auf Datei-Ebene X X X X

Alle hier vorgestellten Produkte sind solide Werkzeuge für Daten-Backup und Wiederherstellung, jedoch gibt es Unterschiede in Bezug auf Preise, Architektur, Fähigkeiten, Features, Performance und Support. Wenn Sie für Ihre VMware-Umgebung eine Lösung für disk-to-disk-Backups implementieren wollen, würde ich dringend empfehlen, erst einmal alle testweise zu benutzen. Dann werden Sie am ehesten erkennen, welche am besten zu Ihren Anforderungen und Ihrer Umgebung passt.

Über den Autor: Eric Siebert ist ein IT-Veteran mit mehr als 25 Jahren Branchen-Erfahrung in vielen Bereichen, aber mit einem Schwerpunkt auf Server-Administration und Virtualisierung. Er ist ein sehr aktives Mitglied der Vmtm-Supportforen von VMware und hat dort mit der Unterstützung von Nutzern bei ihren Problemen und offenen Fragen den Elite-Status „Guru“ erreicht. Siebert ist außerdem Nutzer-Moderator bei Vmtm und betreibt seine eigene Website mit Informationen über VMware VI3, vSphere-land. Er schreibt regelmäßig Artikel und Blog-Beiträge für die Websites SearchServerVirtualizationund SearchVMware.

Artikel wurde zuletzt im November 2009 aktualisiert

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