Backup in Unternehmen: Standardisierung vs. Fragmentierung

Enterprise-Backup-Systeme können nicht alle Anforderungen für die Datensicherung erfüllen. Dennoch gibt es Spielraum für Verbesserungen.

Dieser Artikel behandelt

Backup-Tools

Mit der Zeit sammeln Unternehmen verschiedene Anwendungen, um ihre Backup- und Recovery-Ansprüche möglichst vollständig abzudecken. Dabei entscheidet häufig der Zufall, welches Programm eingesetzt wird. Eine einheitliche Lösung wäre daher wünschenswert.

Die meisten Firmen haben eine unternehmsweite Backup-Lösung, die Server (mit den gängigen Plattformen), Datenbanken und Anwendungen wie E-Mail-Programme sowie verschiedene Speichergeräte unterstützen. Diese Programme benötigen einen hohen Entwicklungsaufwand, da sie im Zusammenspiel mit verschiedenen Plattformen und Anwendungen getestet werden müssen. Größere Backup-Anwendungen setzen sich daher überwiegend aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die jeweils auf eine Umgebung oder Plattform abgestimmt sind. Das Enterprise-Backup-System konzentriert sich auf die allgemeinen Daten, verschiedene Spezialanwendungen sichern den Rest.

Flickenteppich Enterprise-Backup

Verschiedene Anbieter haben sich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, Software für die Sicherung von virtuellen Maschinen (VM) auf den Markt zu bringen. Bevor derartige Anwendungen auf den Markt kamen, betrachteten Enterprise-Backup-Lösungen jede VM als eigenständigen Client. Die Konsequenz: Jeder Client wurde als abgetrennter Rechner mit eigener Lizenz betrachtet. Die Daten wurden wie bei herkömmlichen physikalischen Servern gesichert.

Die speziell auf VMs abgestimmten Lösungen verwenden dagegen zum Beispiel Changed-Block-Tracking (CBT), um die Menge der zu sicherenden Daten zu reduzieren. Zudem wird nicht für jede VM eine Lizenz benötigt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass jede virtuelle Maschine direkt aus dem gesicherten Datenbestand gestartet werden kann. Alternativ lassen sie sich auf Basis einer Changed Block Recovery wiederherstellen.

Mobilgeräte sind ein weiterer Bereich, warum Unternehmen auf verschiedene Backup-Anwendungen setzen. Smartphones und Tablets setzen eigene Lösungen voraus. Dazu zählt beispielsweise, dass sich Daten bei Verlust des Mobilgeräts wiederherstellen und bei Bedarf auf dem Gerät löschen lassen müssen.

Ein weiterer Grund ist die verwendete IT. Datenbanken sind die Kronjuwelen fast aller Unternehmen. Ihre Sicherheit wird in der Regel von den Administratoren persönlich überwacht. Auch wenn die meisten Backup-Anwendungen diese Aufgabe beherrschen, lassen sich Admins diese Aufgabe nur ungern aus der Hand nehmen. Einige verwenden hierfür anwendungsspezifische Tools, andere implementieren dedizierte Sicherungsprogramme – dabei entscheiden persönliche Präferenzen.

Wird zudem ein neuer Admin engagiert, der ein Problem nicht mit der bestehenden Software lösen kann, setzt er im Zweifelsfall auf eine neue Anwendung. Mit der Zeit sammeln Unternehmen auf diese Weise immer neue Softwarepakete an – jede dazu da, ein einzelnes Problem zu lösen.

Aus all diesen Gründen können Unternehmen nicht darauf hoffen, eine standardisierte Anwendung für das komplette Backup zu finden.

Zuviele Plattformen und Anwendungsfälle

Enterprise-Backup-Anwendungen können nicht jede Aufgabe bewältigen. Leider gibt es zu viele Funktionen und Anwendungsfälle, die durch eine Komplettlösung nicht abgedeckt werden. Mit dem Aufkommen verschiedener Backup-Datenträger und der wachsenden Anzahl möglicher Speicherorte, steigert sich der Kompatibilitätsanspruch praktisch ins unendliche.

Im Idealfall lassen sich spezifische Sicherungsprogramme in das Enterprise-Backup mit Hilfe einer API oder eines eigenen Frameworks integrieren. Dies würde den Anwendern erlauben, die jeweils benötigten Funktionen zu erhalten, ohne immer neue Programme hinzufügen zu müssen. Während Anbieter wie Symantec, EMC und Dell anfangen, solche Frameworks zu entwickeln, gibt es bisher keine ausgereifte Lösung. Dennoch existieren Optionen, um die Anzahl der verschiedenen Backup-Prozesse zu reduzieren.

Was Sie brauchen

Der erste Schritt hierfür ist, das eigene System genauer unter die Lupe zu nehmen, um das Verbesserungspotenzial zu erkennen.

In der Regel deckt die Backup-Anwendung die vorhandenen Server, Desktop-Rechner und Datenbanken ab. Doch was ist mit den verwendeten Mobilgeräten? Schützt das System mit ausreichender Sicherheit die Smartphones und Tablets der Mitarbeiter? Wie sieht es mit den virtuellen Servern und Cloud-Dienstleistungen aus?

Zudem ist es wichtig, nicht nur auf die reinen Backup-Anforderungen zu achten. Service Level Agreements (SLAs) für die verschiedenen Clients sowie die Anzahl der Kopien sind ein weiterer Faktor.

Was Sie nicht brauchen

Bei der Überprüfung des Systems sollten Unternehmen darauf achten, ob sich die Funktionen der Einzellösungen mit denen der Enterprise-Backup-Anwendung überschneiden. Häufig stellt man dabei fest, dass die verschiedenen Programme die gleichen Daten sichern. Verzichtet das Unternehmen auf unnötige Backups, reduziert es auch Komplexität und Kosten.

Backup-Appliances

Um seine Backup-Prozesse zu konsolidieren, kann eine Firma auch eine Backup Appliance verwenden. Viele dieser Geräte sind dafür entwickelt, verschiedene Anwendungen gleichzeitig zu unterstützen. Sie lassen sich in bestehende Systeme integrieren und überwachen im Zusammenspiel mit dem Backup-Anwendungen zum Beispiel auch, ob Daten bereits gesichert wurden.

Vor allem größere Unternehmen verwenden aufgrund der Vielfalt ihrer IT-Infrastruktur eine ganze Reihe von Anwendungen und Appliances für die Datensicherung. Das ist oftmals nicht gewollt, sondern nur das Ergebnis verschiedener Plattformen und Anforderungen. Enterprise-Backup-Anwendungen sind letztlich keine allumfassende Lösung und werden es auch in Zukunft nicht sein. Die Anforderungen sind einfach zu komplex. Unternehmen müssen diese Tatsache akzeptieren und die Anforderungen ihrer Systeme meistern.

Über den Autor: Eric Slack ist Leitender Analyst bei Storage Switzerland, einem IT-Marktforschungsunternehmen in Fort Worth, Texas, das sich auf Speicher- und Virtualisierungslösungen spezialisiert hat. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der High-Tech-Industrie.

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2013 aktualisiert

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