Datenarchivierungsstrategien brauchen nach wie vor Bandspeicher

Bandspeicher werden noch lange nicht aus den RZs verschwinden, insbesondere für die Archivierung werden sie noch benötigt.

Die immer wieder auftauchenden Gerüchte, dass es Bandspeichertechnologien nicht mehr lange in den Rechenzentren gäbe, sind weit hergeholt und maßlos übertrieben. Hersteller von Festplatten-basiertem Storage streuen diese gern und oft, aber bislang ist diese Technologie nicht verschwunden, und das wird auch nicht in absehbarer Zukunft passieren.

Eine aktueller Report der Enterprise Strategy Group (ESG) belegt, dass Bandspeicher noch in 56 Prozent der Unternehmen zum Einsatz kommt. Je größer die IT-Umgebung ist, desto eher integrieren Unternehmen Tape als wichtigen Teil in ihre Datenmanagement- und Archivierungsstrategie. Das hat zwei simple Gründe:

1. Da die Datenbestände nach wie vor enorm wachsen, wird es immer wichtiger, effiziente Methoden zu finden, Informationen zu speichern, seien es nun primäre Produktionsdaten oder sekundäre Kopien. Werden OPEX und CAPEX gegeneinander aufgerechnet, so sind gut verwaltete Bandprodukte noch immer äußerst ökonomisch. 

2. Wenn Unternehmen wachsen oder eben einfach länger bestehen, so geraten sie letztlich auch unter den Druck, Daten über längere Zeit vorzuhalten. Dabei spielen betriebliche und externe Richtlinien eine wichtige Rolle. Um wirkliche Langzeitaufbewahrung umzusetzen, ist Tape immer noch das bevorzugte Medium und dies wird bis auf weiteres auch so bleiben.

Modernes Datenmanagement ist unumgänglich in heutigen Rechenzentren, es existieren aber keine Vorschriften, bestimmte Storage-Medien oder Software einsetzen zu müssen.

LTO ist keine alte Technik

Unglücklicherweise wird der Begriff Bandspeicher heute eher mit archaisch gleichgesetzt anstatt mit Archivierung assoziiert. Tape-Technologien haben sich bereit vor 20 Jahren einen guten Ruf gemacht, allerdings kennen heute viele Anwender das Potential und die Leistungsfähigkeit moderner Bandspeicher nicht. Viele der Hersteller von Disk-Systemen machen sich die Missverständnisse um Bandtechnologien zum Vorteil. Hier zwei kleine Beispiele:

  • Tape wurde als langsam angesehen, aber aktuelle LTO-6-Laufwerke können Daten mit 160 Mbyte/s transferieren.
  • Tape wurde als wenig kapazitiv wahrgenommen, aber eine LTO-6-Cartridge kann 2,5 TByte an unkomprimierten Daten speichern. Bei einer Kompressionsrate von 2,5 :1 lassen sich 6,25 TByte Speicherkapazität erreichen.

Tape-Technologien hatten einige Upgrade-Herausforderungen in der Vergangenheit zu meistern. Heutzutage ist Rückwärtskompatibilität keine Ausnahme mehr und die LTO-6-Drives lesen auch Bänder der Vorgängergenerationen. 

Das ist ein Schlüsselkriterium der LTO-Technologie: Performance und innovative Funktionalität innerhalb eines Formfaktors zu bieten und dabei Rückwärtskompatibilität sowie den Support für LTO-Laufwerke verschiedener Hersteller zu offerieren.

Aber die Innovationen bei Band-Storage – insbesondere bei LTO – hören nicht dabei auf, Geschwindigkeiten, Kapazitäten und Kompatibilitäten zu verbessern. Moderne Bandspeicher verfügen über zusätzliche Funktionalitäten wie WORM-Support, Verschlüsselung und die Unterstützung des Linear Tape File System (LTFS). 

Das ist wohl die signifikanteste Entwicklung für die Datenarchivierung und das Management bei Bandspeichern. LTFS ermöglicht es, Tape-Cartridges (mit mehreren TByte, stabil und langlebig) so einfach und direkt wie ein USB-Laufwerk zu mounten und darauf zuzugreifen.

Die LTFS Library Edition präsentiert den logischen File-Systemen der einzelnen Cartridges ein übergreifendes File-System. Navigiert sich der Administrator durch das virtuelle File-System, mounted die Robotik der Bandbibliothek die entsprechenden Bänder. Dieser Prozess erfolgt völlig transparent für den Anwender.

Vor zwanzig Jahren kamen Disk-Systeme auf, die sich wie Tape ansprechen und emulieren ließen – die Virtual Tape Libraries (VTL). Diese waren unter anderem notwendig, da zahlreiche Backup-Tools den Speicherplatz von Bändern am besten ausnutzen konnten. 

Heutzutage können die meisten (wenn nicht alle) Backup/Archiv/Datenmanagement-Software-Produkte Festplatten-basierte Arrays ansprechen, also nutzen Bandhersteller LTFS, um ihre Lösungen wie Disk-Systeme aussehen zu lassen. Die stetigen Performance-Verbesserungen, umfassende Datenmanagement/Zugangs-Funktionen sowie die solide Langlebigkeit machen Bänder zu idealen Archivierungsmedium.

Die Konvergenz von Archiv- und Backup-Strategien

In der Vergangenheit wurden die Begriffe Backup und Archivierung oft inkorrekt und missverständlich verwendet. So ist es beispielsweise nicht korrekt, zu sagen: „Backup erfolgt auf Festplatten, während die Archivierung auf Band passiert.“

Einfach gesagt, ist ein Backup eine Point-in-Time-Kopie eines Datensatz-Containers, um eine frühere Version der Daten wiederherstellen zu können. Ein Archiv hingegen dient dem Zweck, Informationen für lange Zeit verfügbar zu halten oder um rechtliche Datenvorhaltungsbestimmungen zu erfüllen. 

Verwirrend wird es, wenn Anwender ein Point-in-Time-Backup anlegen und versuchen, dieses über einen langen Zeitraum verfügbar zu halten, ohne den Katalog, die Metadaten und andere Software-Funktionen, die für ein echtes Archiv unabdingbar sind.

Vor ein paar Jahren haben Hersteller und Anwender erkannt, dass Backups und Datenarchive nicht das Gleiche sind, sondern zwei unterschiedliche, sich ergänzende Methoden der Datensicherung. Diese Erkenntnis führte zu einer Trennung der Software-Tools, der Administration und der Datenmanagement-Policies. Das wiederum schuf zwei völlig getrennte Speichersilos für Sekundärdaten.

Heutzutage sehen wir eine wirkliche Konvergenz zwischen Backups und Archiven mit Datenmanagement-Mechanismen, die beides leisten, indem sie Funktionen kombinieren. Eine Studie der ESG zeigt, dass 83 Prozent der Unternehmen die Archivierungsfunktionen innerhalb ihrer Backup-Produkte als Teil ihrer Archiv-Strategie nutzen.

Zu den Produkten mit Archiv-Backup-Konvergenz gehören:

  • CommVault Simpana OnePass
  • Symantec NetBackup
  • Symantec Backup Exec
  • Symantec Enterprise Vault
  • EMC Avamar
  • EMC Networker (EMC Avamar und NetWorker umfassen das SourceOne Archiv-Produkt)

Ein Beispiel dieser Konvergenz ist die OnePass-Funktion der Simpana-Software von CommVault. Hier gewährleistet ein Client-Agent das Backup und danach Archivprozesse. Symantec offeriert die beiden Backup-Produkte NetBackup and Backup Exec sowie Enterprise Vault für Archivierung. 

Einige der Funktionalitäten lassen sich auch über die Backup-Produkte umsetzen, falls der Anwender nicht das gesamte Leistungspaket benötigt. EMC bietet eine ganze Palette an Data-Protection-Technologien, beispielsweise Avamar und NetWorker, die das Archiv-Produkt SourceOne enthalten.

Mittlerweile haben selbst die großen traditionellen Backup-Hersteller verstanden, dass umfassende Backups und Archivierung notwendig sind und so gibt es nun eine Reihe an Software-Angeboten und Integrationsoptionen, mit denen sich diese Funktionen umsetzen lassen. Selbst Data-Protection-Hardware von Herstellern wie EMC/Data Domain und NetApp haben ihre Speicherungsmechanismen erweitert, um die Archivierungsanforderungen besser und integrierter bedienen zu können.

Der beste Weg

Wenn Sie Datensätze archivieren (oder bearbeiten), die für lange Zeit vorgehalten werden sollen, so wird sich ihr Backup sicher verkleinern. Ebenso reduziert sich der CAPEX und der OPEX, die Produktivität steigt und die Backup-Produkte liefern eine bessere Performance.

Bandlösungen sollte man als Teil der modernen Datensicherungsstrategie nicht ignorieren. Moderne Bandspeicher leisten optimierte Performance, Kapazität, sind langlebig und verfügen über zahlreiche Funktionen.

Vielleicht benötigen Sie kein dediziertes Archiv-Produkt, das eine weitere Daten-Infrastruktur voraussetzt. Heutige Backup-Anwendungen umfassen oft die nötigen Archivfunktionen für weniger regulierte Umgebungen oder IT-Landschaften, die keine besonderen Features benötigen.

Eine Datenarchivierungsstrategie muss nicht komplex oder teuer sein. Setzt man sie korrekt um, kann das Unternehmen – unabhängig seiner Größe – Geld sparen. Dafür sollten Sie allerdings stets Ihre Archivanforderungen im Auge haben, bewerten und neuen Archivierungsmethoden offen gegenüberstehen.

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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