Gibt es noch Alternativen zu OpenStack?

OpenStack führt den Markt für Private Cloud an. Aber es gibt immer noch Konkurrenz, die diese Postion anfechtet.

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass es mehrere attraktive Angebote für Private Cloud und Cloud Infrastructure am Markt gegeben hat. Doch mit der Zeit hat sich diese Situation geändert, und der Name „OpenStack“ ist nun in jedermanns Munde. 

Erst vor ein oder zwei Jahren gab es noch mindestens fünf gleichwertige OpenStack-Alternativen: CloudStack, Eucalyptus, Nimbus, OpenNebula und vCloud. Heute fragen sich Cloud-Spezialisten, ob überhaupt ein einziger ernsthafter Konkurrent übrig geblieben ist.

Es gibt drei Marktkräfte, die OpenStack aus dem Sattel heben und den Wettbewerb um Cloud-Stack-Software wieder anheizen könnten.

Der entscheidende Unterschied, den OpenStack ins Feld führen kann, besteht in der Unterstützung von Herstellern. Open-Source-Software ist zwar populär, aber die meisten Unternehmen wünschen und brauchen Unterstützung für ihre Cloud-Plattformen. IT-Hersteller wie HP, Dell und IBM oder Netzwerkanbieter wie Cisco sehen OpenStack als Türöffner in das Cloud-Geschäft, während sie gleichzeitig von den Möglichkeiten für professionellen Service und der Verzahnung von Hardware-Produkten und der Cloud profitieren. 

OpenStack garantiert diesen Herstellern eine PR- und Marketing-Präsenz und sorgt zugleich für eine Glaubwürdigkeit ihrer Cloud-Strategien. Diese Dinge sind es, die OpenStack einen deutlichen Vorsprung vor seinen Konkurrenten verschafft haben.

Für eine Siegesfeier dürfte es jedoch noch zu früh sein. Es gibt drei Marktkräfte, die OpenStack aus dem Sattel heben und den Wettbewerb um Cloud-Stack-Software wieder anheizen könnten.

Erste Gefahr: Amazon, der Herrscher über die Public Cloud, mischt sich ein

Die erste Gefahr für OpenStacks gegenwärtige Vorherrschaft besteht in Konkurrenz durch den Cloud-Giganten Amazon Web Services (AWS). Gegenwärtig bietet AWS keine Software für Private Cloud an, könnte sich aber dazu gezwungen sehen, wenn sich OpenStack in Richtung hybride Angebote mit offener Public-Cloud-Unterstützung bewegt. 

AWS könnte dann im Gegenzug Anbieter von Private Cloud Infrastructure unterstützen, die mit Amazon zusammenarbeiten oder die eigene Software für Private- und Public-Cloud-Umgebungen zur Verfügung stellen würden.

Eucalyptus – Mitte September 2014 von HP übernommen – und OpenNebula peilen beide Kompatibilität mit Amazons APIs an. AWS könnte eine der beiden Plattformen unterstützen und als seinen bevorzugten Partner für Private Clouds deklarieren.

Es steht jedoch noch nicht fest, ob Amazon bei Open-Source-Cloud-Software wirklich als OpenStack-Konkurrent auftreten würde. Der Provider muss die mögliche Konsequenz fürchten, dass ein Start-up eine AWS-unterstützte Cloud wählt, anstatt sich für die Public Cloud von AWS zu entscheiden. 

Es bleibt abzuwarten, ob andere Anbieter wie Service Provider, Telcos oder sonstige IT-Unternehmen auf den Plan treten werden und beide Alternativen anbieten. Tritt dieser Fall ein, wäre Amazon nicht in der Lage zu kontrollieren, ob und wie dabei Open-Source-Software zum Einsatz gekommen ist – selbst wenn Amazon diese Software fördert und zu ihr beigetragen hat.

AWS könnte aber auch direkt in diesen Markt eintreten und eine Version seiner eigenen Software für die Private Cloud zur Verfügung stellen. Wenn sie eine Lizenzierung für die Open-Source-Szene vermeidet, wäre Amazon dann ein klarer Führer bei Cloud-Software.

Zweite Gefahr: Cloud-unabhängige Installations-Tools breiten sich aus

Die zweite Gefahr für OpenStack besteht darin, dass sich Installations-Tools, die nicht für Clouds geschaffen worden sind, auf breiter Front durchsetzen. Die meisten komplexen Cloud-Anwendungen werden heute eingerichtet, indem man DevOps- oder Orchestrierungs-Tools verwendet. 

Außerdem unterstützen sehr viele kommerzielle und Open-Source-Tools bereits mehrere Software-Stacks für die Cloud. In dem Maße, wie die Tools immer umfassender und besser sind, werden Anwender die Cloud lediglich als Basis für einen Lifecycle-Management-Prozess von Applikationen sehen. 

Die Tools übernehmen für die Anwender entscheidende Teile der Cloud-Installation und -Ausrichtung. Damit wiederholt sich ein bekanntes Phänomen: Alle x86-Server scheinen heute unter dem gleichen Betriebssystem und der gleichen Middleware-Plattform fast identisch zu sein. Das gleiche gilt auch für Cloud-Lösungen, die mit denselben Installations- und Orchestrierungs-Tools gebaut werden.

Die wichtigste Entwicklung bei der Einrichtung von Applikationen und Komponenten in der Cloud spielt TOSCA (Topology and Orchestration Specification for Cloud Applications) von OASIS. 

Ein TOSCA-basierter Ansatz für DevOps schafft ein gleichmäßiges Modell für die Beschreibung von Anwendungsimplementierung und -Management: Jeder Cloud-Stack könnte dann mit den passenden TOSCA-Anweisungen unterstützt werden. Der Wechsel von einer Cloud zu einer anderen wird dann so leicht, dass es bei keinem Cloud-Stack ein Lock-in für Anwender geben wird. 

TOSCA braucht jedoch Zeit, um Unterstützer zu finden, und wird vielleicht nie vollständig die Handlungsanweisungen für Cloud-Orchestrierung definieren können. Setzt sich TOSCA nicht durch, wird das zu einer weiteren Fragmentierung bei Installation und Management im Cloud-Umfeld führen. Und für OpenStack gäbe es eine Gefahr weniger.

Dritte Gefahr: Cloud Foundry – das Paradebeispiel gegen OpenStack

Die dritte Gefahr für die weitere Durchsetzung von OpenStack geht von einer gewissen IaaS-Starrheit aus. OpenStack zielt besonders darauf ab, Infrastructure as a Service (IaaS) anzubieten. Es gibt jedoch klare Hinweise dafür, dass IaaS nicht die optimale Service-Strategie für Public-Cloud-Provider ist und dass Software as a Service (SaaS) mehr Vorteile für User und Provider bringt. Bemühungen, OpenStack in Richtung Platform as a Service (PaaS) auszudehnen, haben allerdings bereits gezeigt, dass es Widerstand in der OpenStack-Community gegeben hat.

Cloud Foundry ist das Paradebeispiel für eine OpenStack-Bedrohung. Die meisten Unternehmen, die sich für Cloud Computing interessieren, wissen, dass gleichartige Betriebssystem- und Middleware-Tools für einen Mix von Applikationen die Einführung einer Private Cloud vereinfachen. 

Public Cloud Provider wissen, dass Add-ons für IaaS ihre Gewinne erhöhen, während sie die IT-Kosten ihrer Kunden vermindern – eine typische Win-Win-Situation für beide Seiten. Cloud-Software, die den Cloud Service auf ein PaaS-Niveau anhebt, macht die zugrundeliegende IaaS-Wahl weniger wichtig. 

Zugleich wird es schwieriger, verschiedene IaaS-Cloud-Stacks zu unterscheiden. IBM und HP demonstrieren mit ihren Cloud-Strategien für PaaS, welche Gefahr von PaaS für OpenStack ausgehen könnte.

Jede dieser Gefahren hat für sich genommen nur eine geringe Chance, in der nahen Zukunft zu einer ernsthaften Bedrohung für OpenStack zu werden. Wahrscheinlicher ist es, dass zumindest einer der genannten Ansätze eine wachsende Bedeutung im künftigen Markt für Cloud-Software einnehmen wird. 

Im Besonderen dürfte die Aufwärtsbewegung im Cloud Stack hin zu PaaS anhalten. Außerdem wird der zunehmende Bedarf an DevOps- und Orchestrierungs-Tools dazu führen, dass viele der gegenwärtigen Cloud-Software-Aufgaben von diesen neuen Werkzeugen übernommen werden. OpenStack könnte trotz allem in diesem zunehmend undurchsichtigen Marktwettbewerb zu den Gewinnern zählen.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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