Missverständnisse rund um Datentransport für Disaster Recovery

Die Anforderungen für Disaster Recovery unterscheiden sich bei KMUs und bei großen Unternehmen. Ein genauer DR-Plan ist notwendig.

Die erste Maßnahme bei jedem Disaster-Recovery-Plan besteht darin, eine sekundäre Datenkopie an einem Ort außerhalb des Rechenzentrums zu deponieren. Die Art und Weise, wie diese Kopie transportiert und gespeichert wird, entscheidet wesentlich darüber, ob ein Disaster-Recovery-Plan erfolgreich ist. Die Optionen für den Datentransport sind fast grenzenlos und variieren je nach Größe des Unternehmens und nach den Anforderungen, die an die IT gestellt werden.

Eine Strategie für den Datentransport bei KMUs finden

Bei kleinen Unternehmen können leichter Fehlschläge beim Datentransport auftreten, obwohl sie wahrscheinlich weit weniger Daten zu bewegen haben als mittlere oder große Unternehmen. Viele kleine Unternehmen kopieren einfach die Daten auf eine Reihe von externen Festplatten und bringen sie dann an einen externen Standort. 

Die Art und Weise, wie diese Kopie transportiert und gespeichert wird, entscheidet wesentlich darüber, ob ein Disaster-Recovery-Plan erfolgreich ist.

Es geschieht relativ häufig, dass man in diesem Fall alle seine Daten auf einer einzigen Platte unterbringt. Zudem kosten solche Hard Drives nicht viel. Aber sie sind nicht für den Transport gemacht, und es gibt keine Garantien für ihre dauerhafte Haltbarkeit. Anders gesagt ist die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts während des Transports hoch, und noch wahrscheinlicher ist es, dass ein Recovery misslingt, wenn die Platte später wieder in einen heimischen Rechner eingeschoben wird.

Kleine Unternehmen können oft nicht die Ausgaben für eine eigene Tape-Infrastruktur rechtfertigen. Während man sich die Medien leisten kann, können die Kosten für Tape-Laufwerke jenseits von 2.000 Euro liegen. Man sollte sich deshalb überlegen, eine robuste Plattentechnologie wie RDX zu verwenden oder gleich auf Cloud Storage umzusteigen.

RDX, auch als Removable Disk Backup bezeichnet, wird zum Beispiel von HP, Tandberg oder Imation angeboten. Die herausnehmbaren Drives werden für Backup- oder Security-Zwecke verwendet, da sie sich leicht und sicher transportieren lassen. Einige Anwender verwenden sie auch, um besonders schützenswerte Daten vorübergehend in einem Safe zu verwahren. RDX bietet insgesamt eine verbesserte Transportlösung gegenüber klassischen Festplatten, auch über längere Zeiträume hinweg.

Anbieter von Cloud Backup wie Infrascale, Datto und Dakota Cloud Recovery stellen oft eine Onsite-Backup-Appliance zur Verfügung, um den lokalen Recovery-Anforderungen gerecht zu werden. Die Appliance repliziert die Daten ferner zu einem Standort in der Storage-Cloud, damit sie in einem Katastrophenfall auch von dort aus zugänglich sind. Viele dieser Provider haben auch direkte Dienstleistungen für Disaster Recovery in ihrem Programm.

Eine Enterprise-Strategie für den Datentransport aufbauen

Für Unternehmen, die mehr als ein Rechenzentrum besitzen – besonders dann, wenn überall ein IT-Team vorhanden ist –, sind die Cloud oder RDX weniger interessant. Eine Cloud-Lösung ist oft redundant zu dem, was man sowieso schon einsetzt, und ein transportfähiges Produkt wie RDX ist zu klein für die anfallenden Datenmengen.

Zwei Sorten von Datentransport sind für diese Unternehmen mehr von Interesse: zum einen das Verschieben von Daten, um direkt auf einen Disaster-Recovery-Fall reagieren zu können, was in der Regel die letzte Datenkopie erfordert, und zum anderen die Verlagerung von Daten für einen langfristigen Speicherbedarf.

Um Applikationen in einem Katastrophen-Szenario wiederherzustellen, sollten die Daten auf elektronischem Wege zu dem zweiten Rechenzentrum übertragen werden, da diese Methode sicher und zuverlässig ist. Für das Recovery gibt es auch verschiedene andere Möglichkeiten, die von primärer Storage Replication bis hin zu Replikation per Backup-Appliance reichen. Das Unternehmen erhält die Wahlfreiheit, seine RTO- und RPO-Vorgaben mit der jeweils kostengünstigsten Lösung zu erreichen.

Diese sekundären Speichersysteme sollten nur dazu benutzt werden, um die allerneuesten Datenkopien sowie eine kleine Menge schon länger aufbewahrter Daten zu speichern. Während Festplatten ohne größere Umstände konstant hinsichtlich der Datenintegrität untersucht werden können, werden die Energie-, Kühlungs- und Stellplatzkosten für eine jahrzehntelange Speicherung der Unternehmensdaten mit ziemlicher Sicherheit das IT-Budget überfordern.

Ältere Daten sollten auf Tape oder in die Cloud verschoben werden

Ältere Daten, die aus Compliance- oder Geschäftsgründen aufbewahrt werden müssen, sollten für Langzeitarchivierung entweder auf Magnetband oder in der Cloud abgelegt werden. Daten in die Cloud zu verschieben ist in der Regel nur eine andere Form des elektronischen Datenverkehrs, und viele Produkte verfügen inzwischen über solche eingebauten Cloud-Anbindungen. Natürlich sollte man nicht die Kosten aus den Augen verlieren, die mit einer langfristigen Datenspeicherung in der Cloud verbunden sind.

Wenn man die sekundären Kopien wirklich braucht, befindet man sich in einer fatalen Situation – und es hilft dann wenig, wenn man feststellen muss, die Daten wurden nicht akkurat gespeichert.

Tape als zweite Option ist immer noch die günstigste Methode, um Daten für lange Zeit aufzubewahren. Doch auch diese Lösung ist nicht unproblematisch: Die meisten Tape-Fehler entstehen durch unsachgemäßen Transport.

Eine Lösung für dieses Problem besteht darin, den Transport durch eine „berührungslose“ Tape-Umgebung zu ersetzen. In dieser Architektur wird eine Tape Library jeweils im primären und im sekundären Rechenzentrum aufgestellt. Von den Daten wird dann zunächst im primären Rechenzentrum ein Backup gezogen und zum sekundären Rechenzentrum repliziert. 

Dort wird dann ein Backup für die lokale Tape Library durchgeführt. Beide Libraries sind kapazitätsmäßig so aufgestellt, dass keine Cartridges zwischen ihnen ausgetauscht werden müssen. Moderne Tape Libraries können Hunderte von Petabytes speichern: Niemals oder nur sehr selten müssen deshalb die Tape Drives in die Hand genommen und zu dem jeweils anderen Rechenzentrum transportiert werden.

Mit der Zeit und vor allem mit dem Wachstum der zu speichernden Daten wird eine doppelte Library-Infrastruktur billiger werden als das Speichern in der Cloud. Aber für die meisten Unternehmen kommt eine sekundäre Tape Library wegen der offensichtlichen Kosten nicht in Frage.

Für diese Fälle empfiehlt sich eher ein vorsichtiger und billigerer Transport, vorzugsweise mit extra für Tapes angefertigten Behältern. Außerdem ist die Wahl eines Spezialisten wie zum Beispiel Iron Mountain für die Lagerung von Tapes wichtig, der sich auch um die Kontrolle der äußeren Bedingungen wie Temperatur oder Sicherheit kümmert.

Dem Transport und Speicher von sekundären Datenkopien kommt in vielen Unternehmen nur eine nebensächliche Bedeutung zu. Und in der Tat ist die Wahrscheinlichkeit eines Rechenzentrums-Crashs eher gering. Aber wenn man die sekundären Kopien einmal wirklich braucht, befindet man sich in einer äußerst fatalen Situation – und es hilft dann sehr wenig, wenn man feststellen muss, die Daten wurden nicht akkurat gespeichert oder transportiert. 

Es ist also zu einer sorgfältigen Planung zu raten, um sowohl den Erfolg des gesamten Disaster-Recovery-Prozesses als auch im besonderen die Wiederherstellung von jahrzehntealten Daten zu garantieren

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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