Pro und Contra integrierte Backup-Appliance

Backup-Anbieter bieten ihre Lösungen mit neuen Backup-Appliances an. Wir erklären ausführlich die Vor- und Nachteile und wer solche Systeme benötigt.

Dieser Artikel behandelt

Backup-Tools

Eine Backup-Lösung für das Rechenzentrum zu entwerfen, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. So muss die passende...

Backup-Software ausgewählt, die Hardware konfiguriert, das Netzwerk optimiert und die Client-Software installiert werden. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns ist groß. Backup-Anbieter sind deshalb dazu übergegangen, mit neuen Backup-Appliances einen integrierten Ansatz herauszubringen. Den Kunden sollen Enttäuschungen erspart bleiben. Doch wer braucht wirklich solche Systeme?

Das Backup-Problem

Anders als andere Prozesse beansprucht ein Backup in besonderem Ausmaß die ganze IT-Umgebung. Daten werden gleichzeitig von verschiedenen Clients aus über das Netzwerk zu einem dedizierten Backup-Server gesendet. Dieser Server muss so konfiguriert sein, dass er große Datenvolumen empfangen sowie verarbeiten kann. Schließlich muss er sie auch noch zu einem bestimmten Backup-Gerät (Platte oder Band) senden.

Der Ansatz, mal so nebenbei einige IT-Komponenten für die Datensicherung „auf gut Glück“ zu kombinieren, ist angesichts einer sich ständig verändernden und unter Budget-Zwängen stehenden Data-Center-Umgebung nicht mehr praktikabel. Es sind einfach nicht mehr genügend Zeit und Expertise vorhanden, um mit einer Masse von verschiedenen Betriebssystemen und Anwendungen in einem Data Center erfolgreich Backups durchzuführen.

Ein integrierter Ansatz

NetApp hat das Vorbild geliefert, als man den File-Server in eine Appliance verwandelte. Diesem Modell folgen Backup-Anbieter wie Symantec, Unitrends, Asigra, StorServer und andere, indem sie vor-integrierte, schlüsselfertige Backup-Lösungen herausbringen. Das primäre Ziel dieser Lösungen besteht darin, die ursprüngliche Implementierung und den fortlaufenden Support der Hard- und Software für das Backup zu vereinfachen.

Je nach Hersteller und Lösung gibt es sicherlich Vorteile einer Backup-Appliance. So ist zum Beispiel in vielen Fällen der Hersteller der Backup-Appliance auch der Entwickler der benötigten Software. In anderen Fällen handelt es sich um einen Drittanbieter, der Hard- und Software in einer selbst entwickelten Lösung miteinander verbindet. Außerdem gibt es Unternehmen, die eigens für eine Appliance geeignete Software entwickelt haben.

Einfachere Implementierung

Der hauptsächliche Vorteil einer Backup-Appliance besteht in der verkürzten Implementierungszeit. Der Prozess der Hardware- und Backup-Installation ist letztlich genauso einfach, wie die Geräte mit dem Strom- und dem Netzwerkanschluss zu verbinden. Tatsächlich verfügen die meisten Backup-Appliances auch über die notwendigen Platten- und Tape-Kapazitäten, so dass auch die Backup-Endgeräte korrekt konfiguriert sind.

Voreingestellte Features

Ein zweiter Vorteil liegt in den Möglichkeiten, die Backup-Appliance genau auf die jeweiligen Unternehmensanforderungen einzustellen. So können Netzwerkkarten für den Transport großer Datenblöcke optimiert werden, und das Betriebssystem kann möglichst exakt für bestimmte Aufgaben optimiert werden. Das kann in manchen Fällen sogar so weit gehen, dass man Teile des Betriebssystems still legt, die für die Backup-Prozesse nicht relevant sind. Auch bei der Backup-Software lassen sich Optionen abschalten. Wenn es beispielsweise schon feststeht, ob die Daten auf Festplatte und/oder Tape gespeichert werden sollen, so kann man den Administrator von der Wahl zahlloser, überflüssiger Optionen befreien.

Besserer Support

Ein Appliance-Ansatz mit einer begrenzten Zahl von Optionen sollte auch für einen besseren Support für den Kunden sorgen. Die Support-Mitarbeiter haben es mit Server- und Backup-Hardware zu tun, die sie kennen und aller Wahrscheinlichkeit nach gut beherrschen. Wenn man sich um weniger Faktoren kümmern muss, kann man sich intensiver mit den wirklichen Problemen des Kunden befassen.

Etwas Handarbeit ist immer noch erforderlich

Während der Backup-Server, das Netzwerk und die Backup-Endgeräte oft vorkonfiguriert ausgeliefert werden, ist aber die Software für die Clients typischerweise noch zu installieren und anzupassen. Mit der Ausnahme einer agentenlosen Lösung bedeutet dies, dass man auf jedem physikalischen Server, jedem Hypervisor und in manchen Fällen auch für jede virtuelle Maschine Software aufspielen muss. Einige Systeme unterstützen eine „Push“-Installation für die Client-Software, wodurch die Notwendigkeit entfällt, sich in jedes geschützte System neu einzuloggen. Eine Push-Installation ist jedoch nicht zu 100 Prozent zuverlässig, und in manchen Fällen ist es immer noch notwendig, die Clients per Hand individuell einzustellen.

Integriert oder nicht-integriert

Ist die Installationsphase beendet, müssen die meisten dieser schlüsselfertigen Backup-Appliances in der gleichen Art und Weise betrieben werden wie nicht-integrierte Lösungen. Das bedeutet, dass Client-Backups noch immer geplant, beobachtet und angepasst werden müssen, solange die Umgebung gegen Änderungen geschützt ist. Einige Hersteller sind dazu übergegangen, kundenspezifische Produkte herauszubringen oder bieten eine Oberfläche an, mit der sich leichter als mit der ursprünglichen Software arbeiten lässt. In solchen Fällen ist eine klassische Administration vielleicht der einfachere Weg.

Begrenzte Wahlmöglichkeiten

Einer der Vorteile einer vorkonfigurierten Installation ist gleichzeitig ein Nachteil für den Tagesbetrieb. Wenn ein neues Disk- oder Tape-Gerät an den Backup-Prozess angeschlossen werden soll, ist die Backup-Appliance womöglich nicht mehr in der Lage, die neue Konfiguration zu unterstützen. Man muss eventuell sogar zu der Appliance-freien Version der Backup-Software zurückkehren, um die nötigen Einstellungen vorzunehmen. Eine Appliance-Lösung impliziert auch Änderungen bei Hard- und Software, wenn sich das Unternehmen dafür entscheidet, die Backup-Anwendung zu wechseln.

Fazit: Für wen taugen Backup-Appliances?

Der Hauptvorteil einer Backup-Appliance besteht darin, dass sie sehr schnell in Betrieb genommen werden kann. Sie stellt eine schlüsselfertige Einrichtung der Backend-Seite der Backup-Infrastruktur zur Verfügung. Aber die Frontend-Installation (die Client-Software) muss auch beherrscht werden – egal, ob man sich für einen Appliance-Zugang oder eine Lösung im Selbstbau entscheidet. Agentenlose oder Push-Installationen, die die Arbeit auf der Client-Seite erleichtern, gibt es sowohl für Appliance- als auch für Nicht-Appliance-Produkte.

Ist eine Backup-Appliance einmal fertig eingerichtet, verläuft die tägliche Arbeit mit ihr sehr ähnlich wie die mit einer klassischen Backup-Lösung. Vor allem die Clients müssen noch immer individuell eingestellt und überwacht werden.

Dessen ungeachtet bleibt die Installation im Backend einer der kostspieligsten und zeitraubenden Teile der gesamten Backup-Infrastruktur. Dieser Bereich ist ferner sehr fehleranfällig, weil der Backup-Server selbst kaum vorkonfiguriert ist oder die Backup-Software nicht korrekt mit dem Server und den Speichergeräten für Disk oder Tape zusammenarbeitet. In vielen Fällen wird sich die Anschaffung einer schlüsselfertigen Lösung schon dann lohnen, wenn man die Zeiteinsparungen bei der Implementierung und die möglichen Vorteile eines schnelleren Supports einkalkuliert.

Über den Experten: George Crump ist langjähriger Autor für TechTarget. Er ist Präsident und Gründer von Storage Switzerland, einer Analystenfirma, die sich auf Storage und Virtualisierung spezialisiert hat.

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2013 aktualisiert

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