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Tape wird in naher Zukunft nicht verdrängt werden

Die Totenglocke läutet zu früh: Tape ist und bleibt die richtige Wahl für ein Archiv. In der Cloud wird die Rolle der Bandlaufwerke sogar weiter zunehmen.

Neulich sah ich einen Blog, dessen Autor dazu aufforderte, Tape aus dem Archiv zu entfernen. Das Argument war, dass Unternehmen nur dann Mehrwert aus all ihren Daten, auch den archivierten, ziehen können, wenn sie auf Medien mit Zufallszugriff vorliegen, also Flash oder Festplatten.

Medien mit sequentiellem Zugriff wie Tape seien dafür nicht geeignet. Er verwies auf Einsatzszenarien wie Test-Dev oder kundenspezifische Sportvideos.

Solche Szenarien schwächen das Hauptargument. Man könnte argumentierten, Dateien, auf die täglich zugegriffen werde, seien keine Archivdaten. Laut der Terminologie von IBM sind es dann keine kalten Daten, sondern warme oder sogar heiße. Anders ausgedrückt ist eine Archivplattform, ob auf Tape oder einem anderen Medium, für solche Szenarien ungeeignet.

Die Frage stellt sich nicht, ob Tape aus den Archiven entfernt werden sollte, sondern ob wir besser definieren und klassifizieren sollten, was ein Archiv ist und was nicht.

Aktive Archive?

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, hat der Blog-Autor die Idee eines aktiven Archives eingeführt. Dieses sollte sekundären Storage auf Festplatten mit tertiärem auf Tape und optischen Medien zusammenbringen. Das Konzept ist nicht neu, denn schon vor 15 Jahren sprachen Backup-Anbieter von einer Verschmelzung des Sekundären und Tertiären. Dies betraf vor allem die Einführung von Disk Arrays, die Deduplikationsalgorithmen ausführen sollten und so Tape überflüssig machen sollten. Das Konzept des aktiven Archivs beruht auf dem gleichen Konzept, also eine Festplatten- oder Flash-Plattform, die irgendeine Mischform zwischen Storage-Tiers darstellt.

Ich glaube, dass aktive Archive eher ein Steckenpferd von Storage-Herstellern sind, die keine Bandlaufwerke im Angebot haben. Ich verstehe nicht, welche Nische sie abdecken sollen oder ob es Nachfrage für ein überteuertes Produkt gibt, das Archivdaten weniger kosteneffektiv speichert als Tape.

Der Blog-Autor hält Hadoop, Splunk und Spark für die führenden Analysewerkzeuge für Big Data. Sie alle nutzen Objektschnittstellen, um auf Daten zuzugreifen, ob im Block- oder File-Format. Das ist die Basis seines Argumentes, dass Objekt-Storage die Zukunft gehört. Und wir brauchen dafür Disk- oder Flash-basiertes Objekt-Storage als Plattformen, auf die analytische Datenbanken zugreifen können. Tape und NAS haben ausgedient.

Unterstützt wird diese These dadurch, dass Zugriffsprotokolle wie Amazon S3 auch für Objekt-Storage optimiert sind. Cloud ist natürlich unabwendbar, weil viele Analysten das behaupten. Wenn also Unternehmen endlich Cloud-basiertes Objekt-Storage für ihre Archive verwenden, warum würden sie dann Daten in einem dateibasierten Tape-Archiv ablegen?

Hinter der Cloud steckt noch immer Tape

In Wahrheit nutzen die großen Hyperscaler eine große Zahl an Bandlaufwerken, weil nur damit das enorme Datenwachstum zu bewältigen ist (100 Zettabyte sind 2025 zu erwarten). Zudem machen Bandbreitenbegrenzungen es schwer, Daten über eine Internetverbindung in die Cloud zu bringen oder von dort in einer angemessenen Zeit zurückzubringen.

Bandlaufwerke ermöglichen „Cloud Seeding“: Dabei werden Daten auf ein Band geschrieben und dann per Lkw zum Cloud Provider gebracht, der es in seinem Rechenzentrum in seine riesige Archiv-Library einbezieht.

Tape ist auch keineswegs ein schlechtes Medium für Hosting. Objekt-Buckets können ohne weiteres auf Tape mit dem Linear Tape File System (LTFS) untergebracht werden. LTFS ist robust und kann lange Blockdateien wie Videos, menschliche Genome oder Bohrmessungen aufnehmen, während es für kleine Dateien weniger geeignet ist. Aber wie das Black Pearl Converged Storage System von Spectra Logic zeigt, sind Objekt-Buckets eine gute Wahl, um kleine Daten auf Tape zu speichern.

Ein anderes Einsatzszenario ist Videoverarbeitung. Innovationen von Herstellern wie StorageDNA versprechen, den Zugriff auf Bänder wesentlich effektiver zu machen. Der maximale 45 ms Zugriff ist nicht schlecht für vorhandene LTO-Archivmedien.  

Es gibt noch Platz für Tape

Tape wurde seit den 80ern immer ein nahes Ende prophezeit. Es ist nicht passiert und es wird auch jetzt nicht passieren.

Nehmen wir einen Anbieter wie StarWind Software: Bei diesem gibt es viel Enthusiasmus für virtuelles SAN und Software-definierte Storage. Dennoch gibt StarWind offen zu, dass es viel Umsatz mit seiner virtuellen Tape Library (VTL) generiert. VTL ist eine Software-definierte Appliance auf Flash oder Festplatte auf Hardware oder virtuell, die eine Tape Library emuliert. Die VTL unterstützt auch Tape, auf Kundenwunsch kann sie auf ein Band geschrieben werden und dann per Lkw zu Amazon Web Services oder Microsoft Azure geschickt werden. StarWing ermöglicht auch VTL zu VTL Transfers vom eigenen Rechenzentrum zum Service Provider.

StarWind und andere VTL-Anbieter wie CA, ChristaLink oder Quadstor Systems haben erkannt, dass die Daten, die Sie in die Cloud übertragen, am Ende doch auf Tape landen werden. Akzeptieren wir also, dass Tape bestehen bleibt und dass wir es noch einige Jahre brauchen werden, um mit dem Datensturm fertig zu werden.             

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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