Tipp: Warum und wie Sie Cloud-basiertes Recovery ausgiebig testen sollten

Tipp: Warum und wie Sie Cloud-basiertes Recovery ausgiebig testen sollten

Brien Posey

Unabhängig von der Disaster-Recovery-Lösung eines Unternehmens sind ausgiebige Tests und Simulationen essentiell. Es wäre sehr blauäugig davon auszugehen, dass eine Disaster-Recovery-Lösung einfach wie angegeben funktioniert und richtig konfiguriert ist. Gewissenhafte Tests sind eine absolute Notwendigkeit. Die Frage ist allerdings, wie Systemadministratoren an diese Tests herangehen und sie durchführen können.

Sie können Ihre Daten nur ausreichend gut schützen, indem Sie drei Kopien vorhalten. Sie brauchen die Daten im Original, ein Backup auf dem Firmengelände und eine Sicherung außerhalb des Unternehmens. Letztere ist in unserem Fall Cloud-basiert. Sollte das Data Center zerstört werden, verlieren Sie so ihre Daten auf keinen Fall.

Ich erwähne das deswegen, weil sich die Philosophie für das Schützen von Daten maßgeblich auf die auszuführenden Tests im Falle eines Desasters auswirkt. Verwenden Sie die Cloud als Backup-Lösung außerhalb des Firmengeländes, werden Sie Daten in der Regel von den lokalen Datensicherungen wiederherstellen. Sollten Sie die Cloud zu Rate ziehen müssen, ist etwas schon ziemlich schief gelaufen. Hierbei kann es sich um so einfache Dinge wie ein kaputtes Backup-Band handeln. Allerdings ist auch etwas in der Größenordnung eines zerstörten Data Centers denkbar.

Sie müssen also vom schlimmsten Fall ausgehen. In diesem Szenario wäre das der oft zitierte Flugzeugabsturz, der das Data Center komplett zerstört. Somit müssen Sie auch ein Recovery aus der Cloud simulieren. Sie tun gut daran, diese Tests aus einem isolierten Netzwerk-Segment durchzuführen. Das produktive Netzwerk ist während der simulierten Wiederherstellung somit unsichtbar und nicht erreichbar.

Es gibt einige Gründe, das produktive Netzwerk außen vor zu lassen. Zunächst einmal wollen Sie durch die Recovery-Tests das Netzwerk der Organisation nicht stören. Weiterhin hätten Sie im Falle einer echten Katastrophe keinen Zugriff auf die Ressourcen des produktiven Netzwerks. Diese würden nicht mehr existieren.

Mit einem ersten Test evaluieren Sie den Aufwand, Ihre Daten aus der Cloud wieder herzustellen. Während Sie den Wiederherstellungs-Prozess überwachen oder benchmarken, könnten Sie auf folgende Feststellung stoßen: Sie können aufgrund von Beschränkungen bei der Bandbreite die Daten nicht schnell genug wiederherstellen, um eventuell abgeschlossene Leistungsverträge einzuhalten.

Ganz offensichtlich gehört eine Internet-Leitung zur Voraussetzung von Cloud-basierten Backups und Recovery. Dazu könnten aber noch weitere kommen. Hier kommt es ganz darauf an, in welcher Form Sie Ihre Daten gesichert und verschlüsselt haben. Ich habe zum Beispiel in einem Fall gesehen, dass eine Firma trotz Cloud-Backup ihre Daten nicht wiederherstellen konnte. Ihnen fehlten die notwendigen digitalen Zertifikate. Nicht jede Firma schützt ihre Daten in der Form, wie die eben angesprochene Organisation das praktiziert. Dennoch sollten Sie auf jeden Fall vor dem Auftreten eines Desasters untersuchen, ob weitere externe Komponenten für den Fall einer Wiederherstellung benötigt werden. Ich spreche hier zum Beispiel von einer Zertifizierungsstelle.

Nachdem Sie sichergestellt haben, dass eine Wiederherstellung aus der Cloud überhaupt möglich ist, geht es an die Performance-Tests. Im Falle einer Katastrophe wollen Ihr Chef und die Kundschaft mit Sicherheit wissen, wie lange mit einem Ausfall zu rechnen ist. Auf die Fortschrittsbalken am Bildschirm können Sie sich bekanntlich nicht verlassen. Diese sind bekannt dafür, ungenau zu sein. Nur mittels ausgiebigen Benchmark-Tests können Sie relativ genau voraussagen, wie lange eine Wiederherstellung dauern wird.

Beim Benchmarken des Wiederherstellungs-Prozesses sollten Sie verschiedene Datentypen verwenden. Cloud-Backups tendieren dazu, stark auf Deduplizierung zu setzen. Durch Deduplizierung ist das Übertragen von Daten über das Internet in der Regel schneller. Das Problem ist nur, dass sich einige Datentypen besser als andere deduplizieren lassen. Eine Folge daraus ist, dass manche Datentypen wesentlich schneller wiederhergestellt sind als andere. Nutzen Sie diese aus den Benchmark-Tests gewonnenen Informationen, um eine Reihenfolge der Wiederherstellung im Falle eines Desasters zu erstellen. Sie könnten zum Beispiel die schnellen Datentypen bei einem Recovery bevorzugen, um so viele Ressourcen so schnell wie möglich wieder online zu bekommen. Danach kümmern Sie sich um die länger dauernden Wiederherstellungs-Prozesse.

Sollte die Wiederherstellung aus der Cloud zu lange dauern, müssen Sie sich logischerweise um Alternativen Gedanken machen. Je schneller die Datensicherung eingespielt ist, desto besser. Einige Cloud-Provider bieten zum Beispiel an, Ihre Daten auf einem Band oder einem tragbaren Massenspeicher zu schicken. Damit würde der Recovery-Prozess natürlich beschleunigt.

Sie sollten mit Ihrem Backup-Provider rechtzeitig abklären, ob er so einen Dienst zur Verfügung stellt. Natürlich sind hier die Kosten und die Lieferzeit einer physikalischen Kopie der Daten entscheidende Faktoren. Weiterhin sollten Sie sicherstellen, die Daten in einem Format zu erhalten, das sie für eine Wiederherstellung auch verwenden können. Ein Band für das Sie kein entsprechendes Bandlaufwerk besitzen ist ziemlich sinnlos.

Bei Ihren Tests für ein Cloud-basiertes Disaster-Recovery sollten Sie auch darauf achten, mehrere Szenarien durchzuspielen. Sie könnten zum Beispiel damit anfangen, eine Wiederherstellung auf unterster Ebene zu testen. Das wäre also die Datensicherung eines Servers komplett einzuspielen oder auch Bare-Metal-Recovery genannt. Sie sollten allerdings auch auf Applikations-Ebene experimentieren. Weiterhin sind einzelne Dateien, Ordner und die Infrastruktur einen Blick wert. Letzteres involviert das Wiederherstellen von Infrakstruktur-Komponenten wie zum Beispiel Active Directory, DNS-Server, DHCP-Server unter Enterprise-Zertifizierungsstellen.

Während Sie die einzelnen Szenarien durchspielen, vergessen Sie nicht die Ergebnisse zu dokumentieren. Kommt es zum Ernstfall, erspart Ihnen das Experimente beim Disaster-Recovery. Verschiedene Arten der Wiederherstellung werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Herangehensweisen fordern. Je vertrauter Sie sich mit den einzelnen Szenarien machen und je besser die Dokumentation aus den Testläufen ist, desto einfacher wird ein Disaster-Recovery im Ernstfall. Auch die Chance Fehler zu machen, ist damit geringer.

Fazit

Ein Prüfen der Cloud-basierten Backups auf Wiederherstellbarkeit ist extrem wichtig. Nur durch ausgiebige Tests und mit dem Durchspielen verschiedener Szenarien können Sie sicher sein, dass Sie im Ernstfall alle Daten uneingeschränkt wiederherstellen können.

Über den Autor: Brien M. Posey, MCSE, hat bereits Microsofts MVP-Auszeichnung für Exchange Server, Windows Server und Internet Information Server (IIS) erhalten. Brien hat als CIO für eine landesweite Krankenhauskette gearbeitet und war auch schon für das Department of Information Management in Fort Knox zuständig. Sie finden weitere Informationen zu seiner Person auf seiner Website unter brienposey.com.

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