Überblick: Vollständige, inkrementelle, differentielle und ewig inkrementelle Backups

Vollständige, inkrementelle, differentielle oder synthetische Backups unterscheiden sich in der Bearbeitungszeit, der Datenmenge oder beidem.

Dieser Artikel behandelt

Backup-Tools

Was Sie in diesem Artikel erfahren können: Wir erklären die Unterschiede zwischen vollständigen, inkrementellen und differentiellen Backups sowie neuere Typen wie synthetische und „ewig inkrementelle“ Backups. Zudem geben wir Hinweise zur Auswahl des besten Backup-Typs für die Daten Ihrer Organisation.

Seit einiger Zeit gibt es drei grundlegende Arten von Backups: vollständige, inkrementelle und differentielle. Zuletzt aber haben die Anbieter von Backup-Software neuere Typen eingeführt, mit denen Sie vielleicht noch nicht vertraut sind. Bevor ich Ihnen diese vorstelle, möchte ich in aller Kürze die Merkmale der drei klassischen Arten beschreiben.

Vollständige Backups

Vollständige Backups sind genau das, was der Name sagt: Vollständige Kopien Ihres gesamten Datenbestandes. Vollständige Backups dürften zwar den besten Schutz bieten, werden in den meisten Organisationen aber trotzdem nur selten vorgenommen. Denn sie sind zeitaufwendig und erfordern oft eine große Zahl von Bändern oder Festplatten.

Inkrementelle Backups

Zur Verringerung des Zeitaufwands wurden inkrementelle Backups eingeführt. Bei ihnen werden nur diejenigen Daten neu gesichert, die sich seit dem vorigen Backup verändert haben.

Angenommen, Sie haben am Montag ein vollständiges Backup vorgenommen und den Rest der Woche mit inkrementellen gearbeitet. Dann würde das Backup von Dienstag nur die Daten enthalten, sich seit Montag geändert haben, das von Mittwoch die Änderungen seit Dienstag und so weiter.

Der größte Nachteil von inkrementellen Backups besteht darin, dass die Wiederherstellung zeitaufwendig sein kann. Wenn Sie etwa im obigen Beispiel das Backup von Mittwoch wiederherstellen wollen, müssten Sie mit dem vollständigen Backup von Montag beginnen, dann das von Dienstag einspielen, dann erst das aktuellste. Wenn dabei irgendeines der Speichermedien verloren oder beschädigt wird, ist keine vollständige Wiederherstellung mehr möglich.

Differentielle Backups

Ein differentielles Backup ähnelt insofern einem inkrementellen, als es ebenfalls mit einem vollständigen Backup beginnt und bei weiteren Durchläufen nur noch Daten berücksichtigt, die sich geändert haben. Der Unterschied dabei: Während ein inkrementelles Backup nur die seit dem letzten Backup geänderten Daten umfasst, werden bei einem differentiellen alle Daten gesichert, bei denen es seit dem letzten vollständigen Backup Änderungen gab.

Nehmen wir auch hier an, Sie wollen am Montag ein vollständiges Backups vornehmen und den Rest der Woche differentielle. Das Backup am Dienstag würde dann alle Daten enthalten, die sich seit Montag geändert haben – damit ist es bis hierhin identisch mit einem inkrementellen Backup. Auch am Mittwoch jedoch würden in diesem Fall alle Änderungen seit Montag gesichert.

Der Vorteil dabei liegt in schnellerer Wiederherstellung, für die man bei differentiellen Backups, anders als bei inkrementellen, nie mehr als zwei Speichermedien-Sätze braucht. Natürlich aber gibt es auch hier einen Zielkonflikt: Mit der Zeit können differentielle Backups einen weitaus größeren Umfang annehmen als inkrementelle.

Synthetische vollständige Backups

Ein synthetisches vollständiges Backup ist eine Spielart von inkrementellen Backups. Wie bei diesen üblich, wird hier zunächst ein vollständiges Backup vorgenommen und anschließend eine Reihe von inkrementellen. Dann aber gehen synthetische Backups noch einen Schritt weiter.

Der entscheidende Unterschied: Bei synthetischen Backups erzeugt der Backup-Server tatsächlich ein vollständiges Backup, indem er das vorliegende vollständige mit den Daten der inkrementellen kombiniert. Das Endergebnis davon ist ein vollständiges Backup, das sich von einem auf traditionelle Weise angelegten nicht unterscheiden lässt.

Wie Sie sich denken können, liegt der große Vorteil von synthetischen Voll-Backups in deutlich geringerem Zeitaufwand für eine Wiederherstellung. Anders als bei inkrementellen Backups muss der Backup-Operator hier nicht mehrere Sätze von Speichermedien hinzuziehen. Synthetische vollständige Backups bieten alle Vorteile von echten vollständigen, zugleich aber kürzere Backup-Zeiten und weniger Bandbreiten-Verbrauch als inkrementelle.

Ewig inkrementelle Backups

Ewig inkrementelle Backups werden oft von Backup-Systemen nach dem Prinzip „disk-to-disk-to-tape“ verwendet. Die Grundidee dabei ist ähnlich wie bei inkrementellen Backups: Auch sie beginnen mit einem vollständigen Backup, anschließend gibt es nur noch inkrementelle.

Der Unterschied zwischen ewig und normal inkrementellen Backups liegt in der Verfügbarkeit der Daten. Wie Sie sich erinnern werden, erfordert die Wiederherstellung eines inkrementellen Backups das Medium mit dem vollständigen Backup und dazu die mit allen folgenden bis hin zu dem, das Sie wiederherstellen wollen. Dies gilt auch für ewig inkrementelle Backups. Hier aber speichert der Backup-Server meist alle Backup-Sätze in einem großen Platten-Array oder einer Band-Bibliothek. Er automatisiert den Prozess der Wiederherstellung, damit Sie nicht selbst herausfinden müssen, welche Medien-Sätze Sie brauchen. Im Prinzip wird die Wiederherstellung über inkrementelle Daten damit vollständig transparent und ähnelt der eines vollständigen Backups.

Welcher Backup-Typ ist richtig für Sie?

Angesichts der großen Auswahl kommt es darauf an, zu prüfen, welche Backup-Art am besten zu den Anforderungen Ihrer Organisation passt. Stellen Sie sich dafür selbst die folgenden Fragen:

  1. Wie ist die Vorgabe Ihres Service-level Agreements hinsichtlich Wiederherstellungszeiten?
  2. Welche Richtlinien gibt es bezüglich der Offsite-Speicherung von Backup-Bändern? Wenn Backups an einen anderen Standort transportiert werden, sind inkrementelle Backups eine schlechte Idee, weil Sie dann vor einer Wiederherstellung alle Bänder (oder Festplatten) zurückholen müssen.
  3. Welche Arten von Backups unterstützt Ihre Anwendung dafür?

Zusammengefasst: Synthetische Voll-Backups und ewig inkrementelle Backups helfen sehr dabei, Backup-Prozesse zu modernisieren. Achten Sie aber stets darauf, dass Sie bei der Entscheidung für eine Variante die für Ihre Organisation passende wählen.

Über den Autor: Brien M. Posey, MSCE, ist Träger der Auszeichnung Microsoft MVP für Exchange Server, Windows Server und Internet Information Services (IIS). Er hat als CIO für einen US-weite Krankenhaus-Kette gearbeitet und war eine Zeitlang verantwortlich für die Abteilung Informationssicherheit in Fort Knox. Seine persönliche Website finden Sie unter www.brienposey.com.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2010 aktualisiert

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