VSAN-Software kein Allheilmittel für Storage

VSANs Art, Festplatteneinschübe zu nutzen, macht es zu einer Option für Storage, aber die zusätzliche Traffic-Last könnte sich negativ auswirken.

Um manche Storage-Produkte wird oft ein viel zu großer Marketingrummel – Hype – veranstaltet und Virtual Storage Area Networks (VSAN) ist eines davon. VSAN-Software basiert auf der Idee hyper-konvergenter Systeme und verspricht, die Probleme, die SANs und Storage-Appliances mit sich bringen, zu eliminieren. Allerdings sollte man hinter den hype und die Marketingbotschaften schauen, um zu erkennen, welche Aussagen korrekt sind und welchen Mehrwert das VSAN wirklich ins Rechenzentrum bringen kann.

Das Hauptargument für VSAN-Software ist die Art und weise, wie VSAN die Festplatten-Einschübe jedes Servers in einem virtualisierten Cluster nutzt. Fügt man ein zehn TByte großes Laufwerk in jeden Server ein und schon lassen sich Petabytes an Speicherkapazität erreichen, ohne eine Storage-Appliance einsetzen zu müssen.

Das scheint auf den ersten Blick eine nützliche Methode, aber wie so oft, steckt auch hier der Teufel im Detail. Die Daten müssen mit allen anderen Servern im Cluster geteilt werden. Das heißt, jeder Server muss zusätzlichen Storage-Traffic auf dem LAN unterstützen. Dieser entspricht etwa dem Doppelten der originalen I/O-Last. Diese zusätzliche Last wird zum Problem, vor allem dann, wenn das Netzwerk ohnehin schon stark belastet ist.

Zunächst müssen wir uns die grundlegende Prämisse bei der Nutzung von Festplatteneinschüben ansehen. Wir haben gelernt, dass Cloud-Provider minimale Hardware einsetzen und viele der heute verkauften Server verfügen nur über einen Platteneinschub, einige haben aus Kostengründen gar keine. Das bedeutet allerdings, dass VSAN die Kosten einer Storage-Einheit umgehen kann, dafür aber erhebliche Kosten aufgrund der Festplatteneinschubanforderung (bei Servern) erzeugt.

Ebenso ist es fraglich, ob sich VSAN-Software mit dem traditionellen Storage-Ansatz vergleichen lässt, da man auf kleine, modulare Storage-Appliances migriert und nicht auf riesige Arrays. Diese Arrays sind auf Storage zugeschnitten und enthalten typischerweise 12 Drives, einen Storage-Switch und einen Prozessor. Die zusätzlichen Kosten für Server mit VSAN könnten höher liegen als die entsprechender Appliances, erst recht, wenn der Anwender die Appliance von einem günstigen Startup bezieht.

IT-Verantwortliche müssen in dem sich rapide entwickelnden und ändernden Storage-Markt vorsichtig sein. LAN-Geschwindigkeiten werden sich mit der Einführung der 25-Gbit/s-Technologie in Kürze um das Zweieinhalbfache vergrößern, während sich die Latenzen dank Remote Direct Memory Access (RDMA) um bis zu 70 Prozent senken lassen werden und sich der Server-Overhead für Storage-Prozesse dramatisch verringern wird. Aber wird dies ausreichen?

VSAN hat einige Gegenargumente zu bieten. Zunächst ist da der Fakt, das Storage-I/Os auf Servern typischerweise asymmetrisch sind. Das Verhältnis von Schreib-zu-Lese-Aktionen liegt bei durchschnittlich 8:1 für generelles Computing. Das heißt, dass in einer Full-Duplex-Ethernet-Umgebung der ausgehende (outbound) Traffic Bandbreite verwendet, die sonst ungenutzt bliebe. Das mag nicht immer optimal verlaufen und dieses Argument ist vom jeweiligen Einsatzfall abhängig und bedarf im besten Fall einer genaueren Untersuchung des Traffics.

Ein weiteres Argument ist, dass die Instanzen einen lokalen, persistenten Storage brauchen, um zu laufen. Darum offerieren Cloud-Anbieter lokale Stores. Warum sollte man diesen Storage nicht als VSAN nutzen? Das bringt uns wieder zu unserem Bandbreitenargument. Wenn das Ziel einer virtualisierten Umgebung ist, Orchestrierung mit einem automatischen Recovery-Pfad für Ausfälle bereitzustellen, so muss eine Kopie aller Daten der lokalen Platten an einen anderen Server gesendet werden, um so einen Single-Point-of-Failure zu vermeiden. Dieses Kopieren nivelliert den Wert des Arguments für lokales Instanzen-Storage.

Unified Management ist ein weiteres Argument gegen VSANs. In der Realität bedeutet Storage-Management das Konfigurieren von LUNs und das Auffinden fehlerhafter Drives und das ändert sich auch nicht, wenn man ein VSAN verwaltet. Eine gemeinsame Plattform zu haben, bringt zunächst sicher den Storage- und Server-Administrator zusammen. In einer IT-Welt, die mehr und mehr von Ethernet-Protokollen dominiert wird – iSCSI oder Objekt-basiertes Storage –, ist diese Trennung eher politisch und administrativ motiviert, als wirklich aus technischen Gründen.

Fazit ist, dass VSAN-Software als Storage-Option nicht so toll ist, wie es die Fürsprecher oft darstellen. Man muss definitiv einen Schritt zurückgehen und genau abwägen ob die Vorteile oder Mehrwerte wirklich eine drastische Änderung an Plattformen und Methodologie rechtfertigen.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert

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