Vorsicht beim Wechsel zu Disaster Recovery in der Cloud

Es gibt sehr viele Vorteile, vor allem bei Effizienz und Kosten, wenn man zu Cloud-DR wechselt. Interessenten müssen alle Angebote sehr genau prüfen.

Dieser Artikel behandelt

Disaster Recovery

Es ist eine korrekte Aussage, dass Server-Virtualisierung einen großen Einfluss darauf ausgeübt hat, wie Disaster Revovery (DR) heute durchgeführt wird. Die Fähigkeit, eine virtuelle Maschine (VM) auf ein anderes Rechenzentrum oder auf eine Cloud-Installation zu replizieren und dann bei einem Ausfall die produktiven Prozesse auf der replizierten VM auszuführen, hat die Art und Weise geändert, wie wir über Disaster Recovery denken.

Die Anbieter von DR-as-a-Service (DRaaS) haben diese Technologie übernommen, um ein schnelles Recovery von Anwendungen in der Cloud in ihr Portfolio zu integrieren. Das ist ein Segen für viele Unternehmen, weil dieser Ansatz deutlich weniger kosten kann als eine traditionelle Datenreplikation und etwa gleich schnelle Recovery-Zeiten bietet. Das klingt alles vernünftig, aber es gibt eine Reihe von Bedenken, über die man sich klar sein sollte, bevor man sich für eine DR-Option in der Cloud entscheidet.

Cloud-DR bietet viele Vorteile, ist aber noch immer eine Technologie und Praxis, die erst am Anfang steht. Laut einem Report von Forrester Research aus dem Jahr 2014 haben 19 Prozent der Befragten bereits Cloud-DR eingesetzt, während es 22 Prozent für die nächste Zeit planten. Unternehmen, die Cloud-basiertes Disaster Recovery bereits einsetzen, nannten besonders drei Vorteile:

  • Bessere Funktionalität bei geringeren Kosten
  • Einfachere und günstigere Testphase
  • Flexiblere Verträge

In dem Report wird erklärt, dass die Kosten niedrig gehalten werden können, weil die Anwender in der Regel nur Kapazität von Cloud-Storage verbrauchen. Rechenkapazität wird dagegen nur im Falle einer eingetretenen Katastrophe oder bei einem Test bezahlt. 

Tests können auch ohne Beeinträchtigung der IT-Infrastruktur durchgeführt werden, sodass die Anwender sie öfter starten können. Dies ist ein großer Vorteil, da das Testen von Disaster Recovery traditionell den IT-Mannschaften viele Probleme bereitet hat. Und verglichen mit den restriktiven und langfristigen Outsourcing-Verträgen üblicher DR-Modelle, sind Verträge für Cloud-DR deutlich flexibler, und einige Dienstleistungen werden sogar ohne zeitliche Befristung angeboten.

Es gibt unendlich viele Wege, wie man Disaster Recovery in der Cloud abhängig von den jeweiligen Anforderungen in der Praxis umsetzen kann. Die verschiedenen Varianten können in zwei Hauptgruppen aufgeteilt werden: Business Continuity (BC)/DR-Services und Hosting für Cloud-DR. Diese Unterscheidung ist nicht für alle Ewigkeit festgeschrieben, aber sie ist auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt, um sich Gedanken über ein Cloud-basiertes Disaster Recovery zu machen.

BC/DR-Services

Eine Anzahl von Service-Providern für Managed DR bietet auch Cloud-basierte DR an. Viele von ihnen setzen auf einen hybriden Cloud-Ansatz, bei dem Backups im On-premise-Rechenzentrum auf einen Cloud-Speicherplatz repliziert werden. Dies ermöglicht schnelle Restores von verlorenen oder korrupten Daten vor Ort im Rechenzentrum, während die Cloud-basierte Kopie für den Fall benutzt wird, dass ein Server oder ein ganzes Rechenzentrum ausfällt.

Einige Anbieter von Cloud-DR sind große Organisationen, die weltweit Rechenzentren unterhalten und die eine große Bandbreite an BC/DR-Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Gute Beispiele für diesen Typus von Anbietern sind Sungard Availability Services und IBM Business Continuity and Resiliency Services (BCRS). Sich in Richtung Cloud-DR auszudehnen war wenig überraschend ein natürlicher Schritt für diese Unternehmen: So konnten sie auf relativ einfache Weise ihr Portfolio vergrößern. Weitere Anbieter, die verschiedene Ausprägungen von Cloud-DR im Programm haben, sind unter anderem Axcient, Barracuda Networks, EVault, Hewlett-Packard, IBM, iland und Rackspace.

Kleinere Cloud-Provider sind Partnerschaften mit Herstellern von Backup-Software eingegangen, um ebenfalls Disaster Recovery in der Cloud anzubieten. Asigra zum Beispiel verkauft seine Backup-Software exklusiv durch den Channel und bietet mit seiner Funktionalität Virtual Disaster Recovery „sofortiges Recovery“ an. 

Mit diesem Feature können Anwender ihre virtuellen Maschinen so konfigurieren, dass mit der Beendigung des Backups die jeweils letzte Kopie in die Cloud ihres Service-Providers gestellt wird – und dann bei einem totalen Ausfall oder begrenzten Schaden für ein Recovery zur Verfügung steht. Viele Hersteller von Backup-Produkten kooperieren mit Managed-Service-Providern (MSP) und bieten die Fähigkeit an, eine Anwendung von einer Backup-Kopie einer virtuellen Maschine zum Laufen zu bringen. Solche Produkte schließen zum Beispiel Commvault Simpana, Symantec NetBackup und Veeam Backup & Replication ein.

BC/DR-Services werden in der Regel auf einer Subskriptionsbasis bezahlt, und die Anwender entrichten eine laufende Gebühr, die sich aus der Menge der gespeicherten Daten und der verbrauchten Rechenleistungen ergibt. Die Dienstleistungen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter und können in vielen Fällen genau auf die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens zugeschnitten werden. 

So möchten zum Beispiel einige Anwender mehr stabile Selfservice-Optionen, während andere sich mehr auf die Erfahrungen des MSP verlassen wollen. Man muss die Stärken und Schwächen der eigenen Unternehmens-IT sehr genau einschätzen, wenn man keine Fehler bei der Auswahl eines geeigneten Anbieters von Cloud-DR machen will. Außerdem kann sich das Service-Niveau bei den verschiedenen Anbietern sehr stark unterscheiden – wir werden darauf noch genauer eingehen.

Hosting von Cloud-DR

Cloud-DR-Hosting ähnelt traditioneller Colocation, jedoch muss ein Unternehmen keine zusätzliche Hardware für diesen externen Ort kaufen und unterhalten. Mit anderen Worten sind die Anwender bei Colocation selbst verantwortlich für die Replikation produktiver Daten in die Cloud und für die Durchführung von Recovery-Aufgaben. Die Rolle des Service-Providers ist hier begrenzt im Vergleich zu dem oben geschilderten Service-Modell für BC/DR.

Große Provider für Infrastructure-as-a-Service wie Amazon, Google und Microsoft bieten Hosting von Cloud-DR an. Bei Amazon findet man zum Beispiel drei verschiedene Arten von Cloud-DR-Hosting:

  • Backup und Restore. Die Anwender führen ein Backup (mit einer Backup-Software, die Amazon als Zielpunkt unterstützt) zu Amazon S3 Storage durch. Geschieht ein Ausfall, können die Kunden Anwendungen in Elastic Cloud Compute (EC2) starten, wobei sie Amazon Machine Images (AMIs) benutzen. AMIs können mit dem Betriebssystem und entsprechenden Teilen des Anwendungs-Stacks konfiguriert werden. Dies ist die günstigste Option mit der längsten Recovery-Zeit.
  • „Pilot light“ für schnelles Recovery. Funktioniert ähnlich wie das gerade beschriebene Szenario, aber die besonders geschäftskritischen Komponenten der Unternehmens-IT werden in Amazon Web Services konfiguriert. Wenn ein Recovery durchgeführt werden muss, kann man schnell eine skalierbare produktive Umgebung für die kritischen Elemente einrichten.
  • „Warm Standby“. In diesem Szenario läuft in der Cloud ständig eine abgespeckte Version einer voll funktionsfähigen Umgebung. Dieser „Warm Standby“ ist eine ausführlichere und reaktionsbereitere Version des „pilot light“. Er verkürzt darüber hinaus die Recovery-Zeit, weil einige Dienste ohne Unterbrechung laufen. Diese Art von DR-Hosting ist wahrscheinlich nur von Interesse für größere Unternehmen, die eigene IT-Leute beschäftigen, die diese Prozesse aus der Ferne verwalten können. Kleinere Unternehmen mit begrenzter oder gar keiner eigenen BC/DR-Erfahrung werden sich auf die Expertise des Cloud-Providers verlassen müssen.

Probleme mit DR in der Cloud

Während Disaster Recovery in der Cloud das Potential hat, viele Vorteile für die Anwender zu bieten, gibt es auch eine Anzahl von Problemen, über die man sich im Klaren sein sollte.

Folgt man Marc Staimer von Dragon Slayer Consulting, dann besteht einer der wichtigsten Punkte darin, dass nicht alle Provider für Cloud-DR gleich sind. Das betreffe besonders die kleineren Cloud-Service-Provider, sagt Staimer: „Die dicken Fische verfügen über Ressourcen. Unternehmen wie IBM und Sungard haben seit langem Erfahrung und genügend Fähigkeiten aus ihrem Geschäft mit DRaaS. Einige der kleineren Cloud Provider besitzen vermutlich die notwendige Technologie, was ihnen aber auf jeden Fall fehlt, sind genügend ausgebildete Mitarbeiter.“

Jon Toigo von Toigo Partners International teilt diese Bedenken: „Man hängt völlig von der Barmherzigkeit der Service-Provider ab. Wie anpassungsfähig sind sie wirklich? Provider müssen gründlich mit den Applikationen der Kunden vertraut sein und Bescheid darüber wissen, wie man sie einrichtet und zum Laufen bringt. Das ist alles nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Es geht nicht um einfaches Plug and Play.“

Staimer bemerkt, dass kleinere Cloud Provider DR-Services für einen begrenzten Kreis von Kunden auf einer kurzfristigen Basis liefern können: „Aber was passiert, wenn es eine regionale Katastrophe gibt und viele Unternehmen betroffen sind? Wie viele Kunden können sie parallel bedienen, wenn sich ein Schadensfall ausbreitet?“

Neben der Problematik der personellen Ausstattung sind die Computing-Ressourcen eines Cloud Providers oft übermäßig belastet. Reichen diese Ressourcen für alle Kunden zur gleichen Zeit aus? „Die Anwender kümmern sich nur selten um diese Dinge“, sagt Toigo.

Man kann diese Probleme vermeiden, wenn man sich für die Variante DR-Hosting entscheidet und alles selbst verwaltet. Aber dies erfordert – wie bereits angemerkt – Infrastruktur-Ressourcen und Know-how der IT-Mitarbeiter, über die viele Unternehmen, die Cloud-DR in Erwägung ziehen, womöglich gar nicht verfügen.

Wenn man sich für einen Vertrag mit einem MSP entscheidet, sollte man seine Hausaufgaben machen. Staimer und Toigo empfehlen beide, dass man potentiellen Cloud-DR-Providern so viele Fragen wie möglich stellen soll. So sagt Staimer: „Stellen Sie sicher, dass man testen kann. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Anwender auf die Daten zugreifen können. Finden Sie heraus, wie viele Kunden der Provider parallel unterstützen kann. Sprechen Sie mit Referenzkunden. Sprechen Sie mit mehreren Anbietern. Außerdem müssen Sie SLAs (Service Level Agreements) in schriftlicher Form bekommen.“

Toigo empfiehlt besondere Vorsicht bei der Preisgestaltung: „In vielen Fällen mieten kleinere Cloud Provider lediglich Kapazitäten von den riesigen Providern wie Microsoft, Google und Amazon an. Gerade in diesem Moment findet ein Preiskampf statt, der die Kosten für Computing und Storage nach unten treibt. Wenn er beendet ist, kann man davon ausgehen, dass die Preise wieder nach oben gehen werden.“

Für Toigo ist es ferner wichtig, sich eine Ausstiegsstrategie für den Fall zurechtzulegen, falls die Kosten weiter ansteigen und man sich deshalb für einen anderen Dienstleister oder wieder für den Eigenbetrieb entscheiden möchte: „Wie bekommen Sie Ihre Daten zurück? Dternity zum Beispiel verwendet dafür Tapes. Andere Cloud Provider benutzen ebenfalls Tape. Ob ein Provider alle Ihre Daten auf diesen Magnetbändern unterbringen kann, sollte rechtzeitig geklärt werden.“

Folgen Sie SearchStorage.de auch auf Facebook, Twitter und Google+!

Artikel wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Disaster Recovery

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close