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Ist Vendor-Lock-in bei hyperkonvergenten Systemen gut oder schlecht?

Hyperkonvergente Systeme zementieren oft die Abhängigkeit des Kunden von einem einzigen Hersteller. Dieses Vorgehen hat Vorteile und Nachteile.

Einer der Vorzüge von hyperkonvergenten Infrastrukturen (HCI) liegt darin, dass Server, Storage und Virtualisierung von einem einzigen Anbieter geliefert werden. Das sorgt für schnellere Implementierungszeiten und verringert die Betriebskosten.

Die andere Seite der Medaille ist die mögliche künftige Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller (Vendor-Lock-in). Die Frage ist nun, ob IT-Verantwortliche eine solche Situation besser meiden sollten oder ob die Vorzüge die Nachteile überwiegen.

Was wirklich verschlossen ist

Bei den meisten HCI-Produkten trifft der Anbieter bei der Hardware und bei der Software eine Vorauswahl zu den Server- und Storage-Komponenten. Die Software wird auf die Hardware vorinstalliert. Fast immer ist die gewählte Hardware ein Standardsystem, das der Kunde auch separat erwerben könnte. Auch die Software besteht meistens aus Standardkomponenten. Als Hypervisor kommen für gewöhnlich Industriestandards von VMware oder Microsoft Hyper-V zum Einsatz. In einigen Fällen werden auch Linux-Varianten verwendet.

Pragmatisch gesehen sollte keine einzelne dieser Bestandteile „verschlossen“ sein. Der einzige Grund, warum sie ein Kunde vom HCI-Anbieter kaufen sollte, ist oberflächlich und eine Sache der Bequemlichkeit. Die HCI-Hersteller behaupten, die Anschaffung bei ihnen erleichtere den Support. In Wirklichkeit erhöht es eher ihre Profitmarge.

Die Hauptunterscheidungsmerkmale liegen bei der Storage-Software. Diese ist dafür verantwortlich, den Servern Storage-Ressourcen im HCI-Cluster zuzuweisen. Die Software könnte sich auch um das Daten-Management und die Datenservices kümmern. Hersteller können mit Verweis auf die Storage-Software den erzwungenen Ankauf anderer Komponenten rechtfertigen. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, warum die Kunden diese Komponenten nicht selbst anschaffen, wenn ihnen eine Liste vorliegt.

Der HCI-Hersteller hat das gute Recht, die Storage-Software zu verschließen. Er darf mit Fug und Recht erwarten, dass der Kunde neue Softwareversionen und Lizenzen in der näheren Zukunft erwirbt. Eine solche Vorgehensweise ist innerhalb der IT-Welt üblich.

Gibt es Nachteile im Vendor-Lock-in?

Es ist nicht unbedingt schlecht, alle Komponenten bei einem Anbieter zu erwerben. Ein vorkonfiguriertes System ist schnell implementiert und erlaubt es dem Kunden, Mehrwert zu erzielen. Es ist sogar von Vorteil, wenn HCI-Upgrades erzwungen werden, denn dies beschleunigt die Erweiterung und vereinfacht den Betrieb. Man kann nicht leugnen, dass eine einheitliche Software- und Hardwareplattform mit Schnittstellen Wartung und Expansion erleichtert.

Aber der Nachteil liegt in der mangelnden Flexibilität. Wenn der HCI-Anbieter beim Support bestimmter Software oder Hardware trödelt, kann der Lock-in frustrierend werden. Dies gilt besonders für das Systemdesign. Beispielweise sind einige HCI-Systeme nur für All-Flash, andere nur für Hybrid-Modelle ausgelegt und können nicht einfach umkonfiguriert werden. Wenn ein Kunde auf dem Mehrwert von Hochkapazitätsfestplatten für Archivzwecke oder der Einfachheit von All-Flash-Systemen besteht, könnte es problematisch werden.

Der zweite Nachteil fällt dann ins Gewicht, wenn ein HCI-Anbieter in finanzielle Turbulenzen gerät, aufgekauft wird oder beim Kunden nicht mehr erwünscht ist. Grundsätzlich kann dies zwar bei allen Technologien passieren, aber bei der Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller ist das besonders schwerwiegend.

Wie kann man Lock-in vermeiden?

Einigen Aspekten von HCI-Technologie kann man schwerer aus dem Weg gehen als anderen. Es sollte ziemlich einfach sein, mit einem HCI-Anbieter eine Übereinkunft zu erzielen, dass der Kunde Hardware selbst anschafft. Viel schwieriger wird es bei der Software.

Der vom HCI-Hersteller genutzte Hypervisor ist normalerweise ein vorkonfiguriertes Paket. Aber die meisten Architekturen bauen nur auf einem Hypervisor auf. Um verschiedene Hypervisors zu verwenden, benötigt man unterschiedliche, voneinander unabhängige Cluster.

Dies kann ein echtes Problem werden, denn immer mehr Unternehmen lassen ihre Produktivsysteme auf mehr als einem Hypervisor laufen.

Die Storage-Software ist meistens proprietär. Wenn man sich also für HCI entscheidet, sollte man sicherstellen, dass die Software zufriedenstellend ist, dass sie neue Technologie aufnehmen kann und die Benutzeroberfläche übersichtlich ist. Und man sollte sich den Hersteller genau betrachten, ob er auch langfristige Stabilität bieten kann.

Offene hyperkonvergente Plattformen

Eine mögliche Lösung ist es, einen Blick auf offene hyperkonvergente Plattformen zu werfen. Diese sind ähnlich aufgebaut wie andere HCI-Systeme mit dem Unterschied, dass Hypervisor und Storage-Software auf offenen Standards basieren. Die Anbieter dieser offenen Plattformen vorinstallieren ihre Systeme auf Standard-Hardware. Damit fällt eine Frustration weg, die beim Einsatz von quelloffener Software oft eine Rolle spielt, denn die Implementierung ist einfach und schnell. Und gleichzeitig sind die Systeme wirklich offen, so dass auch alternative Hardware verwendet werden kann, wenn der Cluster wächst. 

Am wichtigsten ist, dass offene Plattformen eine gewisse Flexibilität bieten, wenn andere Software zum Einsatz kommen soll. Auch wenn die Portabilität nicht bei 100 Prozent liegt, sollte einem Kunden der Wechsel zu einem anderen System gelingen, dass auf derselben Open Source Software basiert.

Offene HCI-Systeme haben Schwachstellen. Sie können zwar unter Umständen besser getestet sein als ihre geschlossenen Gegenparts, aber kommerzielle Produkte werden von Systemhäusern und Resellern unterstützt, die räumliche Nähe bieten. Und wenn eine offene Plattform wächst, zeigt sich die Open Source Basis, in erster Linie Linux. Die offenen HCI-Systeme können etwas die Komplexität von Linux verbergen, aber nicht vollständig.

Unternehmen entscheiden sich für HCI, weil sie Vorteile bei der schnelleren Implementierung und dem einfachen Betrieb sehen. Beides resultiert aus der strengen Kontrolle, die der Anbieter über die Komponenten ausübt. Aber diese Kontrolle bedingt Vendor-Lock-in. Wenn man diesen begrenzen will, fallen in jedem Schritt Nachteile bei der Komplexität von Implementierung und Betrieb an.    

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2017 aktualisiert

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