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Datenrettung von günstigen NAS-Systemen ist genauso komplex wie von High-End

Die Datenrettung von NAS-Systemen ist keine einfache Aufgabe. Dabei ist der Aufwand bei günstigen NAS-Systemen genauso hoch wie bei hochwertigen.

NAS-Systeme (Network Attached Storage) werden immer beliebter. Zwei in den letzten Monaten veröffentlichte Studien gehen davon aus, dass der Markt dieser Systeme weltweit von 17 Milliarden US-Dollar (Marktforschungsinstitut Technavio) auf mehr als 44 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 (Marktforschungsinstitut Beige Market Intelligence) ansteigen wird.

Dabei sind es nicht nur viele Privatleute und Klein- und mittelständische Unternehmen, die sich auf diese verhältnismäßig einfach zu handhabenden und zu vernetzenden Storage-Systeme verlassen, sondern auch Rechenzentren, die beispielsweise für ihre Cloud-Angebote auf diese günstigen Lösungen zurückgreifen, um mit der stark anwachsenden Datenmenge zurechtzukommen.

Es gibt jedoch große Unterschiede bei den auf dem Markt angebotenen NAS-Produkten, die sich nicht nur im Preis, sondern auch bei der Zuverlässigkeit der Systeme manifestieren. Generell bietet  jeder Anbieter von hochwertigen Storage-Systemen auch kostengünstige NAS-Systeme an, die sich dadurch auszeichnen, dass sie mit relativ wenig Aufwand in die vorhandene IT-Landschaft integriert werden können.

In den letzten Jahren allerdings kamen eine Vielzahl von Low-Cost-Angeboten hinzu, die mitunter nicht nur günstiger sind, sondern auch nicht so stabil, wie die von namhaften Anbietern.

In vielen Fällen aus der Datenrettung kann man allerdings auch feststellen, dass es eben nicht nur die in den NAS eingebauten (günstigeren) Festplatten oder RAID-Controller sind, die zu einem Ausfall und zu einem Datenverlust führen, sondern auch Bedienungsfehler oder sonstige menschliche Fehler.

Denn anders als ein Direct Attached Storage, handelt es sich ja bei einem NAS eigentlich um einen eigenständigen Computer mit eigenem Betriebssystem oder – und immer mehr – um einen virtuellen Computer. Nicht nur bieten diese Systeme blockbasierten Datenzugriff und iSCSI-Implementierung, sondern eben auch die Möglichkeit der Virtualisierung und der Deduplizierung. Das Konzept Keep it simple stupid (KISS) wäre hier vielleicht besser gewesen…

Welche Auswirkungen verschiedene Technologien bei einem Ausfall haben können, zeigt ein konkreter Datenrettungsfall aus dem letzten Jahr. Die Datenrettungsingenieure erhielten hier ein ausgefallenes QNAP NAS, dass durch die Fehlentscheidung eines System-Administrators in Kombination mit einem komplexen Systemaufbau in die Knie gezwungen wurde: Das RAID 6-basierte System bestand aus 24 Festplatten mit einer Kapazität von jeweils 6 Terabyte.

Während des originalen Setups wurden zwei iSCSI-LUNs erstellt, die mehr als 40 beziehungsweise 60 Terabyte Daten enthielten. Jede LUN war ein iSCSI-Target eines Windows Server 2012 R2-Systems und als NTFS-Partition formatiert. Darüber hinaus wurde die Deduplizierungsfunktion von Windows Server 2012 R2 auf beiden LUNs eingesetzt.

Als der Administrator ein träges Verhalten seines NAS bemerkte, „löste“ er das Problem, indem er das System „hart“ ausschaltete, also ohne das System richtig herunterzufahren. Das Ergebnis war, dass auf die beiden LUNs nicht mehr zugegriffen werden konnte.

Die anschließende Datenrettung war hochkomplex: Da ein QNAP NAS mit einem Linux-Datensystem arbeitet, mussten die Spezialisten zunächst die QNAP NAS RAID 6-Schicht rekonstruieren, um zum Linux EXT4 Dateisystem zu gelangen. In diesem EXT4-Dateisystem waren Fragmente der fehlenden LUNs enthalten und mussten neu aufgebaut werden, um auf die 64 Terabyte beziehungsweise 44 Terabyte Roh-LUN-Daten zugreifen zu können. Die Größe der einzelnen Fragmente betrug etwa 1 TB, so dass mehr als 100 große „iSCSI-Stücke“ behandelt, strukturiert und zusammengestellt werden mussten, um die beiden iSCSI LUN-Dateien wieder zusammenzusetzen.

Diese iSCSI-Fragmente wurden ursprünglich vom QNAP-System verwaltet und on-the-fly zusammengesetzt, so dass das Windows Server-System glaubte, dass es auf zwei real vorhandene LUNs zugreifen kann. Die Datenrettungsexperten waren in der Lage, diese iSCSI-LUN-Dateien in ein einziges NTFS-Volume zusammenzufassen, nachdem zuvor die iSCSI-Dateien blockweise in einen temporären SSD-Speicher kopiert wurden.

„Man kann bei den kostengünstigen NAS-Systemen nicht immer davon ausgehen, dass bei Einsatz aller verfügbaren Features das System auch wirklich lange stabil läuft.“

Michael Nuncic, Kroll Ontrack GmbH

Da bei dem System auch die Deduplizierung der beiden Windows Server aktiviert war, mussten die Ingenieure die sechste und letzte Schicht bearbeiten und herausfinden, welche Dateien von dieser Funktion betroffen waren, um als Ergebnis ein NTFS-Volume zu erstellen, das der Kunde am Ende verwenden konnte. Dieses NTFS-Volume wurde dann aus dem temporären SSD-Speicher auf ein neu erworbenes RAID-Speichersystem kopiert, das der Client einfach an sein Netzwerk anschließen und wieder auf die Daten zugreifen konnte.

Selbst mit den hoch spezialisierten und eigens entwickelten Recovery Tools von Kroll Ontrack dauerte die Wiederherstellung und das Kopieren dieser unglaublich großen Datenmenge auf den neuen Backup-Speicher mehrere Wochen. Bereits während der Analyse des Systems zeigte sich allerdings, dass nicht nur das „harte“ Ausschalten des NAS allein Grund für den Ausfall und den Datenverlust verantwortlich zeigte, sondern auch ein fehlerhafter Aufbau des gesamten Systems.

Fazit

Zwar sind NAS-Systeme eine kostengünstige Alternative zu größeren High-End-Storage-Systemen namhafter Hersteller, dennoch sollte man nicht dem Irrglauben erliegen, dass gelöschte oder verlorengegangene Daten deshalb auch einfacher wiederherstellbar sind. Das Gegenteil ist der Fall: Daten von NAS zu retten ist in der Regel genauso herausfordernd und komplex wie bei einem teureren System.

Aus diesem Grund sollte man bei der Einrichtung seines neuen NAS hohe Aufmerksamkeit auf einen durchdachten Aufbau des Systems und auf eine detaillierte Dokumentation aller eingesetzten Technologien achten.

Dabei gilt: Weniger ist mehr. Nicht jedes angebotene Feature, das das NAS System bietet, muss auch eingesetzt werden. Besser ist es, nur diejenigen einzusetzen, die man auch wirklich benötigt.

Denn im Gegensatz zu den höherwertigen Systemen kann man bei den kostengünstigen NAS-Systemen nicht immer davon ausgehen, dass bei Einsatz aller verfügbaren Features das System auch wirklich lange stabil läuft. Wenn es dann zu einem Ausfall kommt und Daten verloren gehen, müssen sich professionelle Datenretter durch eine Vielzahl unterschiedlicher Dateischichten durcharbeiten, bis die eigentlichen Daten überhaupt erst zugänglich sind und gerettet werden können.

Dabei kann der zeitliche und monetäre Aufwand einer Datenrettung oft in keinem Verhältnis zu den bisher eingesparten Kosten gegenüber dem Kauf eines höherwertigeren Systems stehen.

In jedem Fall sollte ein Betroffener aber niemals versuchen, seine Daten bei einem derartigen System selbst zu retten, wenn er nicht absolut sicher ist, was er tut. In den meisten Fällen ist es allerdings besser, gleich einen professionellen Datenrettungsdienstleister wie zum Beispiel Kroll Ontrack zu Hilfe zu rufen, der bereits Daten einer Vielzahl gleichartiger Systeme erfolgreich gerettet hat.

Über den Autor:
Michael Nuncic ist Marketing Communications Manager bei Kroll Ontrack GmbH, Böblingen.

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Artikel wurde zuletzt im April 2017 aktualisiert

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