Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: Flash Storage beschleunigt das Rechenzentrum

Kaufkriterien für All-Flash Storage-Arrays

All-Flash-Systeme sind bekanntermaßen schnell, aber beim Kauf gibt es weitaus mehr zu berücksichtigen als nur die Übertragungsgeschwindigkeit.

All-Flash-Arrays liegen hoch im Kurs. Plötzlich gibt es zahlreiche Systeme am Markt, sei es von Startup-Firmen oder alteingesessenen Speicherherstellern. Viele von ihnen behaupten, dass sie All-Flash-Arrays günstiger sind als Systeme mit Highend-HHDs mit 15k rpm. Darüber hinaus gibt es noch einen Anbieter von Hybrid-Arrays, dessen Lösungen angeblich weit günstiger sind als Highend-Festplattensysteme. Solche Aussagen erschweren natürlich die Wahl des richtigen All-Flash-Systems erheblich.

Bei den Kaufkriterien für All-Flash muss der Administrator mit der Performance beginnen und hier sind drei Faktoren zu berücksichtigen: IOPS, Latenzen und Datendurchsatz. Abhängig von Ihren Anwendungen werden entweder IOPS oder der Datendurchsatz entscheidend sein. IOPS eignen sich in erster Linie für IO-abhängige Anwendungen mit kleiner Blockgröße, wohingegen der Datendurchsatz wichtig für Applikationen mit großer Blockgröße ist. Latenzzeiten sind in jedem Falle wichtig. Sie werden schnell feststellen, dass Festplatten-basierte Systeme, die für den All-Flash-Einsatz modifiziert wurden, keine umwerfende Performance gewährleisten. Flash unterscheidet sich sehr von HD-Medien: es liefert eine andere Performance, reagiert anders bei einem Ausfall und muss anders verwaltet werden. Existierende Controller anzupassen, kann nicht alles aus Flash herausholen. Um wirklich auch das Letzte an Performance aus Flash-Speicher zu erhalten, muss man einen neuen Ansatz wählen und mit dem Design ganz von vorn anfangen. Allerdings gibt es eine Ausnahme: das Hewlett-Packard 3PAR StoreServ 7450 All-flash-Array ist ebenso leistungsfähig wie ein speziell konzipiertes All-Flash-System, da hier ein individueller ASIC integriert wurde.

Entgegen dem enormen „Software-defined“-Hype, sind All-Flash-Lösungen Hardware-definiert. Sie sind proprietär und als Komplettangebote von den Herstellern erhältlich. Die meisten Systeme basieren auf Solid State Drives (SSDs), aber einige nutzen Flash-Chips als Basiselement. SSD-basierte Arrays verlassen sich auf viele Funktionen, die die SSD bereits mitbringt wie zum Beispiel Garbage Collection und Wear Levelling. Hier erhalten Sie, was immer der SSD-Hersteller offeriert. Die Flash-Chip-Lösungen bieten diese Funktionen auf Array-Level und nicht auf SSD-Level an, was meist in besserer Performance, mehr Zuverlässigkeit, höhere Dichte und weniger Stromverbrauch resultiert. Diese Vorteile werden dann aber auch vom Preis widergespiegelt. IBM, Skyera und Violin gehören in diese Kategorie.

Inline-Datenduplizierung und Kompression sind nach wie vor heiß und kontrovers diskutierte Themen in der All-Flash-Welt. In einigen Arrays sind diese Funktionen integriert und Sie können sie nicht deaktivieren. Ebenso interessant hierbei ist die Preisgestaltung der Hersteller. Diese argumentieren, dass ein Array mit Reduktionsfaktor von 4:1, 5:1 oder 6:1 das gleiche Preis-Leistungsverhältnis bietet wie ein HDD-System. Andere Lösungen haben diese Funktionen gar nicht. An dieser Stelle gibt es zwei Dinge zu beachten. Zum Ersten: Deduplizierung ist großartig und sinnvoll, wenn Ihre Anwendung dafür geeignet ist. Für Virtual Desktop Infrastrukturen (VDI) und virtuelle Server ist das nutzbringend. Datenbanken, Video-Streams und ähnliche Applikationen könne aus der Funktion keinen Nutzen ziehen. Die Anwendung, die auf dem All-Flash-System läuft, wird zum Gradmesser, ob der angepriesene Preis pro GByte des Anbieters wirklich stimmt. Zum Zweiten: Deduplizierung und Kompression sind tolle Funktionen, so lange sie nicht die Performance beeinträchtigen, wegen der sie ja in erster Linie das All-Flash-Array erwerben. Also müssen Sie diese Funktionen im Kontext zur Performance betrachten. Das heißt nichts anderes, als das der Hersteller den Performance-hungrigen Funktionen mit zusätzlicher Hardware entgegenwirken muss, um diesen Effekt zu neutralisieren. Im Idealfall sollten Sie in der Lage sein, diese Funktionen auf LUN-Level an- und abzuschalten.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Performance-Stabilität. Ein gut konzipiertes System sollte stabile und konsistente Performance abliefern und die Latenzen in einem schmalen Toleranzkorridor halten. Wahrscheinlich erwarten Sie, dass ein All-Flash-Array eine große Anzahl an Anwendungen unterstützt und dabei eine Auswahl an unterschiedlichen Blockgrößen nutzt und jedes Mal eine exzellente Performance erreicht wird. Lassen Sie sich vom Hersteller zeigen, welche Performance das System mit der jeweiligen Blockgröße anstatt mit einer Durchschnitts-Blockgröße erzielt.

Andere Spielregeln gibt es auch in Sachen Data Protection in der All-Flash-Szene. RAID ist bereits so unumstößlich als das Nonplusultra der Datensicherung in der Festplattenwelt etabliert, dass man es automatisch auch mit der All-Flash-Umgebung verbindet. Flash ist aber ein Random Medium, bei dem keine Suchzeiten oder Rotations-Latenzen anfallen, wofür aber RAID einst entwickelt wurde. RAID-Konzepte lassen sich durchaus im Flash-Bereich anwenden, allerdings muss man auch hier den Ansatz der Datensicherung völlig neu überdenken. Zum Beispiel muss man hier nicht nur fünf oder sechs Drives unter RAID 5 oder RAID 6 zusammenfassen, da nun viel längere Stripes genutzt werden können. Auch Wiederherstellungen erfolgen auf andere Weise, da ein Flash-Medium anders ausfällt als eine HDD. Informieren Sie sich, wie Daten gesichert werden und was passiert, falls ein Flash-Modul ausfällt. Erwarten Sie eine bessere Datensicherung als bei einer Festplatte.

Jedes All-Flash-Array bietet große Vorteile gegenüber Festplattensystemen wenn es um Stromverbrauch, Kühlung und Speicherdichte geht. Sie sollten allerdings All-Flash-Systeme genau miteinander vergleichen, da sie bei diesen Kriterien stark voneinander abweichen können. Stromverbrauch und Kühlung sollten hier hinter der Speicherdichte anstehen. Die Branche ist immer noch dabei herauszufinden, wie man das Meiste und Beste fürs Budget erhält und manche Anbieter verfügen über bessere Preis-Leistungsverhältnisse als andere.

Die Diskussion um diese Arrays wäre nur halb geführt, ließe man die Skalierbarkeit außeracht. Es gibt eine große Auswahl sowohl an Scale-Out- als auch an Scale-Up-Produkten. Wenn Sie sich nach einer All-Flash-Lösung umsehen, so stellen Sie sicher, dass das System Ihnen jetzt genügend Performance und Kapazität für die jetzigen Anwendungen bietet und sich später großzügig in beide Dimensionen – out und up – erweitern lässt.

Vor ein paar Jahren war es durchaus in Ordnung ein All-Flash-Array ohne Storage-Anwendungen und –Services zu erwerben, die man sonst aus dem Enterprise-Bereich kennt, wie zum Beispiel Thin Provisioning, Snapshots, Replikation und Klonen. Heute sollte man allerdings die Finger von einem System lassen, das diese Funktionen nicht offeriert. Das gleiche gilt zudem für einfache Bedienbarkeit und Verwaltung.

Kein All-Flash-Array gleicht dem anderen und was Sie letztlich erwerben hängt vor allem von Ihren Anwendungen ab. Jedes All-Flash-System bietet Ihnen bessere Performance als ein HHD-basiertes Array, aber eins wahllos zu kaufen wäre wie einen Porsche zu kaufen, ohne nicht auch Lamborghini oder Maserati getestet zu haben.

Über den Autor:
Arun Taneja ist Gründer und Präsident der Taneja Group, einer Analysten- und Consultant-Gruppe, die sich auf Storage und Storage-zentrierte Servertechnologien spezialisiert hat.

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Artikel wurde zuletzt im August 2014 aktualisiert

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