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Multi Cloud versus Hybrid Cloud: Die Vor- und Nachteile

Sowohl Multi-Cloud- als auch Hybrid-Cloud-Architekturen bieten Unternehmen hohe Flexibilität. Worin aber unterscheiden sich beide Cloud-Konzepte?

Multi Cloud ist der IT-Begriff des Tages. Natürlich kennen Sie wahrscheinlich bereits Begriffe wie Public Cloud, Private Cloud, Enterprise Cloud und Hybrid Cloud. Aber diese Begriffe beschreiben keine Architekturen, die die Cloud wirklich charakterisieren. Was genau ist also eine Multi Cloud und wie unterscheidet sie sich von anderen Cloud-Optionen?

Eine Multi Cloud besteht – wie es der Name schon sagt – aus mehreren Clouds. Das ist allerdings bei einer hybriden Cloud nicht anders – auch diese besteht aus mehreren Clouds. Aber wenn es um Multi-Cloud versus Hybrid-Cloud geht, gibt es einen entscheidenden Unterschied. Und der bringt den Markt dazu, sich mehr auf Multi als auf Hybrid Clouds zu konzentrieren.

Eine hybride Cloud ist eine einzelne Einheit. Sie verschmilzt quasi eine Private-Cloud-Umgebung mit einer oder mehreren Public-Cloud-Umgebungen. Dies kann eine beliebige Kombination aus Software as a Service (SaaS), Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und jeder anderen „as-a-Service-Umgebung“ sein, die Sie sich vorstellen können. Aber eine Hybrid Cloud ist ein „singuläres Substantiv“, das eine singuläre Entität beschreibt.

Eine Multi Cloud hingegen ist von Natur aus kein „einzelnes Ding“, sondern eine Reihe von unabhängigen Dingen, die unter eine zentrale Verwaltung gestellt werden müssen.

Bis zu einem gewissen Grad ist die Multi-Cloud-versus-Hybrid-Cloud-Diskussion ein reiner Streit um Worte. In manchen Kontexten können Sie die beiden Begriffe sicher austauschen. Dennoch gibt es einen Unterschied: Eine hybride Cloud besteht in der Regel aus einer Kombination von Public und Private Clouds. Eine Multi Cloud macht keinen Unterschied zwischen den Arten von Clouds, die Sie betreiben. Entscheidend ist: In einer Multi Cloud lassen sich Cloud-Services von unterschiedlichen Anbietern beziehen. Vielleicht hat Ihre Multi Cloud überhaupt keine Private-Cloud-Umgebung, und Sie betreiben alles auf AWS und Microsoft Azure mit ein wenig G-Suite. Das ist eine Multi-Cloud-Umgebung.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied, den es zu beachten gilt, wenn man Multi Clouds gegenüber Hybrid Clouds betrachtet. In einer Multi-Cloud-Umgebung dürfen die einzelnen Clouds nicht integriert werden. Das ist ein Teil der Ursache für die Pluralität in der Multi Cloud – im Gegensatz zur Singularität der hybriden Cloud. In einer hybriden Cloud-Umgebung müssen die Cloud-Komponenten integriert werden, um eine zusammenhängende singuläre Einheit zu bilden.

Vier Cloud-Optionen im Vergleich
Abbildung 1: Vier Cloud-Optionen im Vergleich

Cloud-Evolution

Ähnlich wie die biologische Evolution den Menschen ausdifferenziert und weiterentwickelt hat, hat sich auch die Cloud ausdifferenziert und weiterentwickelt. Vor allem die folgenden Cloud-Formen haben sich bis heute etabliert:

  • Bei einer Privaten Cloud befinden sich alle IT-Ressourcen innerhalb des Rechenzentrums eines Unternehmens. „Private“ bedeutet, dass die unternehmenseigene IT-Abteilung die Cloud-Umgebung einrichtet, betreibt und exklusiv den Abteilungen des Unternehmens zur Verfügung stellt.
  • Eine Public Cloud befindet sich außerhalb des Unternehmens-Rechenzentrums. Es ist Service- und App-zentriert mit Grenzen zwischen den einzelnen Apps. Die Public Cloud sind öffentlich zugängliche IT-Services, die von weltweit ansässigen externen Cloud-Service-Providern bezogen werden können.
  • Eine Hybrid Cloud ist ein bisschen von beidem. Eine Hybrid Cloud lässt sich als „Teils-Teils-Modell“ interpretieren, bei dem ein Unternehmen eine Private Cloud aufbaut und diese mit Public-Cloud-Diensten und Ressourcen aus der unternehmenseigenen IT kombiniert. Eine Hybride Cloud ist immer noch größtenteils App-zentriert, aber die Infrastrukturintegration ist größer. Und es gibt erste Anfänge einer verteilten Anwendungsunterstützung.
  • In einer Multi Cloud können Anwendungen mehrere Clouds überspannen – müssen es aber nicht. Die Komponenten einer Anwendung sind dort angesiedelt, wo es sinnvoll ist. Die Leute sehen keine Rechenzentren mehr, aber sie betrachten die Multi Cloud als eine feste Struktur, die Anwendungskomponenten miteinander verbindet.

Diese Liste soll einen Verlauf zeigen und ist aber nicht vollständig.

Multi Cloud versus Hybrid Cloud: Die Vorteile

Eine hybride Cloud bietet einem Unternehmen die Flexibilität, Services aus privaten und öffentlichen Clouds zu nutzen und Workloads flexibel bereitzustellen. Beispielsweise kann ein unternehmenskritischer Workload mit erheblichen Sicherheitsanforderungen in der Private Cloud betrieben werden. Nur hier behält das Unternehmen die volle Kontrolle über die Infrastruktur und den Software-Stack. Andere Workloads wie Webserver und Testumgebungen können hingegen in einer Public Cloud bereitgestellt werden. Dies befreit das Unternehmen von Investitionen in eine vollständige und teure Private-Cloud-Infrastruktur für jede Workload. Es muss dann auch nur für die Ressourcen zahlen, die es für die Workloads verwendet, die in der öffentlichen Cloud bereitgestellt werden.

Wachstum des hybriden Cloud-Markes
Abbildung 1: Wachstum des hybriden Cloud-Markes

Darüber hinaus ermöglicht eine hybride Cloud einem Unternehmen, von der Skalierbarkeit einer Public Cloud zu profitieren. Selten benötigte, rechenintensive Big-Data-Analysen, bei denen ein großer Hadoop-Cluster bereitgestellt werden muss, lassen sich beispielsweise in der Public Cloud durchführen. Hybride Clouds ermöglichen es Unternehmen auch, Ressourcen zwischen den Clouds zu teilen. Sie können zum Beispiel eine Private Cloud nutzen, um einen Workload auszuführen, auch wenn die Daten dieses Workloads in der Public Cloud gespeichert sind. Sie können auch eine Anwendung von öffentlichen zu privaten Clouds migrieren, um von den schwankenden Ressourcenkosten und dem Netzwerkverkehr zu profitieren.

Mit einer Multi Cloud wird die Welt zu Ihrem Spielplatz. Sie erhalten eine umfassende Mischung aus Public und Private Clouds und müssen diese Clouds nicht unbedingt tief in Ihre IT integrieren. Abhängig davon, wie Sie solche Dienste nutzen, möchten Sie diese vielleicht integrieren – aber erforderlich ist das per Definitionem nicht. Beispielsweise können Sie verschiedene Teile einer verteilten Anwendung in mehreren Clouds einsetzen, um sich vor dem Ausfall einer Anwendung zu schützen.

Ein Multi-Cloud-Ansatz bietet Unternehmen und Anwendungsentwicklern auch die Möglichkeit, die Komponenten flexibel auszuwählen, aus denen ihre Anwendungen und Workloads bestehen. Es gibt keine technischen Barrieren mehr, die es zu überwinden gilt. Die Entwickler können bestimmte Dienste nutzen, die ihren Bedürfnissen entsprechen – anstatt sich mit dem zu begnügen, was ein einziger Anbieter im Programm hat.

Die Nachteile der Cloud-Optionen

Neben den Vorteilen beider Ansätze haben sie natürlich auch Nachteile. So können hybride Clouds komplex zu implementieren und zu warten sein. Die Bereitstellung des Private-Cloud-Teils im Rahmen eines hybriden Setups kann an sich schon eine große Herausforderung sein. Sie erfordert ein umfangreiches Infrastruktur-Engagement und eine hohe Kompetenz der Mitarbeiter. Um ein hybrides Modell einzuführen, muss die Private Cloud darüber hinaus aber auch mit mindestens einer Public Cloud so weit integriert werden, dass die zugrunde liegenden Software-Stacks zusammenarbeiten. Weil die Private Cloud mit mehreren Public Clouds zusammenarbeitet, wird die Hybrid Cloud noch anspruchsvoller und komplexer.

Hybride Clouds stellen auch ihre eigenen Herausforderungen an Management, Sicherheit und Orchestrierung dar. Um den IT-Betrieb möglichst effizient zu gestalten, werden die meisten Unternehmen beide Cloud-Teile so tief wie möglich integrieren wollen. Dies würde einen hybriden Ansatz erfordern, der föderierte und konsistente Identitäts-Management- und Authentifizierungsprozesse ermöglichen muss. Abhängig von dem Dienst, den Sie integrieren, müssen Sie sich möglicherweise auch um potenzielle Schwachstellen kümmern – beispielsweise um die Sicherung des API-Traffic. Auf der Orchestrierungsseite könnte eine hybride Cloud ein intelligentes Workload-Deployment-Tool erfordern. Dieses sollte in der Lage sein, Deployment-Ziele umzusetzen – basierend auf Kosten, Sicherheit, Traffic, der Verfügbarkeit von Public Clouds und anderen Kriterien.

George Crump, Präsident des Analystenhauses Storage Switzerland, analysiert, was einige IT-Gruppen davon abhält, hybride Clouds zu implementieren.

Die Verwendung eines Multi-Cloud-Setups öffnet eine Flut von Sicherheitsproblemen. Je mehr Clouds Sie einsetzen, desto größer ist das Sicherheitsrisiko. Denken Sie daran, dass jede mögliche Angriffsfläche eine potentielle Einschlagszone für Hacker ist. Das bedeutet: Je mehr Dienste Sie Ihrer Multi-Cloud-Umgebung hinzufügen, desto größer ist die Angriffsfläche – und desto mehr Möglichkeiten bieten Sie auch einem Angreifer, einen Schwachpunkt zu finden.

Wenn Sie nicht aufpassen, können außerdem die Kosten von Multi Clouds außer Kontrolle geraten. Rasant ansteigende Cloud-Rechnungen überraschen die IT-Verantwortlichen ohnehin oft genug. Die Verwendung mehrerer Clouds kann die Situation noch einmal verschlimmern. Eine schlecht konstruierte Datenbankabfrage, die CPU-Zyklen in irgendeiner dieser Clouds verbraucht, kann Ihre Kosten gehörig in die Höhe treiben.

Und schließlich gibt es auch noch das Thema Governance zu beachten. Die richtige Governance und Aufsicht kann viele der Nachteile ausgleichen. Aber viele Organisationen haben eine schlechte Governance, und einige Entwickler setzen die Governance immer noch mit Befehls- und Kontrollhandlungen gleich. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Mit guter Governance schaffen Sie die Grundlage für den zukünftigen Erfolg. Eine gute Governance hilft Entwicklern und der Organisation, sich besser auf Ergebnisse zu konzentrieren, die für das Unternehmen positiv sind – und ist nicht mit inakzeptablen Risiken verbunden.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2018 aktualisiert

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