Sinnvolle Preisvergleiche von Speicherlösungen

Der Preis pro GByte Rohkapazität ist auch im SSD-Zeitalter ein wichtiges Maß für den Vergleich von Speicherkapazitäten. Beim Preisvergleich können sich Internetrecherchen lohnen.

Eine 4-TByte-Festplatte von Western Digital kostet im deutschen Online-Handel gerade einmal 116 Euro. Das entspricht...

unglaublichen 0,029 Eurocent/GByte. Aber während die Rohkapazität von Festplattenlaufwerken nur noch Cents/GByte kostet, ist der tatsächliche Speicherpreis für Unternehmen sehr viel höher. Denn es müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, unter anderem der Medientyp, die Plattformhardware und die Softwarekosten.

Wie also kann man einen realistischen Gigabyte-Preis errechnen, ist er noch immer die richtige Metrik und wie lässt sich dieser Preis nutzen, um die Angebote unterschiedlicher Hersteller zu vergleichen?

In den vergangenen 15 Jahren gemeinsamer Speichernutzung im Unternehmen war der Preis pro Gigabyte die faktische Messlatte beim Produktvergleich.

In den frühen Tagen der SANs waren die Dinge einfach: Es gab Festplatten mit 10.000 rpm (Drehungen pro Minute) und RAID-1-Systeme. Mit anderen Schutzmechanismen wie RAID 5 und RAID 6 und höheren Leistungen (mit Laufwerken bis zu 15.000 rpm), der anschließenden Verlangsamung auf 7.500 rpm bei SATA-Laufwerken und das alles im selben Array wurden die Dinge immer komplizierter.

Ab 2009 wurde langsam Flashspeicher in die Unternehmensplattformen integriert. Inzwischen stellen mehr und mehr Hersteller auf Flash-only um, wobei sie aber ihren Kunden meist auch gemischte Umgebungen mit Flash und konventionellen Festplatten anbieten. Ein Beispiel dafür ist Dell-EMC. Ist Flash vorhanden, wird er in erster Linie als schnelle Speicherschicht oder Cache genutzt, was die Berechnung eines realistischen Preises pro Gigabyte noch komplizierter macht.

Die richtige Strategie für die Preiskalkulation bei Speicher zu finden, ist also nicht einfach. Einige Anregungen:

Mit einfachen Kosten pro GByte beginnen. Bei jeder Berechnung sollte man mit rohen Kapazitäten beginnen, bevor man irgendwelche Kapazitäten für den Datenschutz, zum Beispiel RAID, berücksichtigt oder irgendwelche Multiplikatoren einbezieht, die zum Beispiel aus der Datendeduplizierung oder Kompression resultieren können. Unabhängig von den Eigenschaften einer Speicherplattform erlaubt die Rohkapazität einen fairen Vergleich der Plattformen miteinander.

Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es ist nicht fair, SATA-Platten mit Flashlaufwerken hinsichtlich ihrer Leistung oder Kapazität zu vergleichen. Lassen Sie es also. Betrachten Sie entweder Kapazitätsanforderungen oder Leistung, je nachdem, was dem jeweiligen Medium angemessener ist, und legen Sie dieses Maß bei der Kalkulation zugrunde.

Prüfen Sie, ob es sich um binäre oder dezimale GByte handelt! Denn der Unterschied ist wahrscheinlich größer, als Sie annehmen. Speicheranbieter beziffern Kapazitäten mit Vielfachen von 1000. 1 GByte entspricht also 109 Bytes. Traditionell wurde aber Speicher nach binären Werten dimensioniert. Dann gilt: 1 GByte = 1.073.741.824 Bytes = 10243 = 230 Bytes (was technisch als Gibbybyte bezeichnet wird). Der Unterschied zwischen beiden Berechnungen beträgt signifikante 7 Prozent.

Entwickeln Sie ein Standardmodell.  Speichersysteme für Unternehmen bestehen aus mehr als nur Festplatten. Es gibt darin auch Controller, Backend-Directors, Frontend-Ports, Backplanes, Management-Knoten und andere Komponenten, die man braucht, damit die Speicherlösung läuft. Und alternative architektonische Ansätze wie hyperkonvergente oder Konvergenzlösungen, in die der Speicher integriert ist, stellen die bisherigen Rechenmethoden ohnehin auf den Kopf. Hersteller verkaufen entweder ein komplettes Paket oder bepreisen jede Komponente separat. Schließlich muss die Software berücksichtigt werden. Manche Hersteller fügen Softwarefunktionen ihren Hardwarekonfigurationen ohne zusätzliche Kosten hinzu, andere verlangen Geld für jede Komponente. Und wieder andere verkaufen überhaupt nur noch Software, überlassen dem Anwender, die dazu passenden Disks selbst auszuwählen und gehen davon aus, dass er hier günstige Ware wählt. Wie auch immer: Im Preis der Gesamtlösung oder des Produkts ist Software enthalten und sollte deshalb auch in der Kalkulation der Kosten pro GByte auftauchen.

Bei jeder Berechnung sollte man mit rohen Kapazitäten beginnen, bevor man irgendwelche Kapazitäten für den Datenschutz, zum Beispiel RAID, berücksichtigt oder irgendwelche Multiplikatoren einbezieht, die zum Beispiel aus der Daten-Deduplizierung oder Kompression resultieren können.

Der Vergleich von Produkten kann nicht ohne vergleichbare Konfiguration erfolgen. Deshalb ist es so wichtig, von vornherein Designrichtlinien für Ihr System festzulegen, und das macht neue Speicherinstallationen so komplex. In früheren Plattformen aus den vergangenen 15 Jahren wurde viel Zeit und Energie darauf verwendet, die Verbindungen am Back- und Frontend von Speichersystemen zu skalieren. Heute ist das wegen der Hochleistung von Flash-Systemen nicht mehr so wichtig, wird es aber voraussichtlich wieder werden.

Betrachten Sie die Optimierungsversprechen der Hersteller mit Misstrauen. Die rohe Speicherkapazität ist ein guter Einstiegspunkt für Kostenkalkulationen. Viele Hersteller allerdings bevorzugen das Konzept der „effektiven Kapazität“. Diese Metrik ist die nutzbare Systemkapazität, nachdem die Kapazität für den Datenschutz und Technologien für die Kapazitätsoptimierung berücksichtigt wurden. Funktionen wie Datendeduplizierung und Kompressionen können Platz im Verhältnis 1:10 oder mehr einsparen.

Die tatsächlich erreichbaren Kompressionsraten liegen jedoch häufig tiefer als die Angaben der Hersteller, denn sie hängen komplett von der Datenmischung ab, auf die sie angewendet werden. Virtuelle Maschinen und Desktops deduplizieren gut. Mittlerweile tun das auch OLTP-Datenbanken, allerdings hapert es bei ihnen mit der Deduplizierung. Stark gemischte Datensets haben möglicherweise insgesamt keine besonders große Deduplizierungsrate. Zudem verändern sich die Werte mit der Zeit und werden beispielsweise durch die Installation neuer Betriebssysteme beeinflusst.

Abrechnung

Warum sollte man, außer um die Kalkulationen der Hersteller zu vergleichen und auf Korrektheit zu prüfen, das Thema Speicher auf einen einfachen Wert für die Kosten pro GByte reduzieren? Schließlich bieten viele Hersteller Funktionen, die man mit dieser Metrik schlicht nicht vergleichen kann. Die Antwort ist, dass IT-Abteilungen bei der Migration zu Cloud-Dienstleistern oder auf Private-Cloud-Infrastrukturen sicherstellen wollen, dass interne Kunden korrekt für ihre Speichernutzung abgerechnet werden. Deshalb ist es wichtig, die Grundlage der Kostenberechnung zu verstehen. Organisationen, die eine Cloud als Option betrachten, müssen zudem irgendwie vergleichen, ob es kostengünstiger ist, die Daten in die Public Cloud zu verlagern.

Sogar wenn der Preis pro GByte nicht dazu dient, die Angebote verschiedener Hersteller zu vergleichen, ist er also wichtig, wenn Speicher als Dienstleistung genutzt werden soll.

Kosten pro Gigabyte vs. Kosten pro IOPS

In der Speicherindustrie heißt es, Kapazität sei mittlerweile kostenlos, was etwas koste, sei die Leistung. Das stimmt in gewissem Umfang. Denn zum Beispiel kann eine 1-TByte-Hochleistungs-Festplatte mit 15.000 rpm um den Faktor zehn und mehr teurer sein als eine SATA-Platte mit derselben Kapazität.

Genauso gravierende Unterschiede gibt es zwischen konventionellen Festplatten und Flash-Laufwerken. Die Preise für Flash fallen ständig und manche Hersteller werben mit Systemen, deren Preis pro GByte nicht mehr höher ist als der des HDD-Festplatten-Pendants und diese deshalb überflüssig machen könnten.

Obwohl sich also die Preise von HDDs und SSDs angleichen, liegen die von All-Flash-Arrays immer noch höher als die festplattenbasierender Systeme. Um das zu rechtfertigen, betonen viele Flash-Anbieter den Preis pro IOPS und die Vorteile ihrer Produkte bezüglich der Leistung.

Das war noch vor einigen Jahren annehmbar, aber inzwischen sind die Flash-Preise gefallen und Laufwerke größerer Kapazität haben sich verbreitet. Inzwischen kosten manche Flash-Systeme nur noch 25 Eurocent pro Gigabyte, Enterprise-Flash von ZStor inzwischen für unter 1 Euro/GByte zu haben. Prompt wird wieder mehr auf Basis von Kosten pro GByte verglichen.

Die Daten der Hersteller sind mit Vorsicht zu betrachten

Hardwareanbieter geizen notorisch mit Preisdaten, es sei denn, sie sicherten ihnen einen Vorteil. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Information über die Preise von All-Flash-Lösungen. Hier einige veröffentlichte Zahlen: Kaminario: 1,75 Euro/GByte, Tegile: 0,96 Euro/GByte. HGST: 1,75 Euro/GByte (Dollarpreise, Umrechnungskurs vom 9. Juni 2016). Mehr interessante Zahlen sind online leicht zu finden.

Einige interessante Beispiele, die sich wohl aber nur in Grenzen auf den europäischen Markt übertragen lassen, enthält PEPPM, die Bieter- und Einkaufsplattform des öffentlichen Sektors der USA, wo Preise pro Produkttyp für eine Reihe von Herstellern aufgeführt sind. Die Preise beziehen sich jeweils auf den Einkauf von 1 Stück der Ware. Ein deutsches Pendant gibt es nicht. Die Plattform listet beispielsweise Pure Storage FA450 für 20 Dollar/GByte, Dell-EMC XtremeIO Starter 5-TByte-Brick für 24,50 Dollar/GByte oder Disks für NetApps EF-Serie für 10Dollar/GByte, einschließlich Controller, Shelves und andere Komponenten.

Auf jeden Fall lohnt es sich, nach neutralen Möglichkeiten des Preisvergleichs zu suchen und sie zu nutzen – das Internet machte es Herstellern schwerer denn je, sich hinter undurchschaubaren Preisstrategien zu verschanzen. Ein bisschen Mühe bei der Preisrecherche kann sich also lohnen.

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Artikel wurde zuletzt im September 2018 aktualisiert

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