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Diese sechs Funktionen braucht Multi-Cloud-Management

Viele Unternehmen betreiben Multi-Cloud-Umgebungen und brauchen Software-Tools, mit denen diese Umgebungen möglichst wenig arbeitsaufwändig verwaltet werden können.

Immer öfter nutzen IT-Teams mehrere Cloud-Plattformen, um Daten zu speichern. Das zeigt eine Studie von EMA: Von 260 befragten Unternehmen verwendeten 61 Prozent zwei oder mehr Public-Cloud-Provider (siehe Abbildung 1). Allerdings kann es eine mühselige Aufgabe sein, derartige Umgebungen zu managen. Dies gilt besonders, weil Applikationen immer komplexer werden und die Anwender weiter verteilt sind. Administratoren brauchen deshalb besondere Werkzeuge für das Multi-Cloud-Management. Sie sorgen dafür, dass die Ressourcen sicher sind und allen geltenden Normen, Standards und Gesetzen entsprechen. Zudem sollen sie dabei helfen, die Einsatzmöglichkeiten jeder Cloud zu maximieren und ihre Kosten so weit wie möglich zu senken.

Um diese heterogenen Umgebungen sinnvoll verwalten zu können, setzen IT-Teams zunehmend Cloud-Management-Plattformen (CMP) ein. Eine CMP besteht aus mehreren miteinander integrierten Softwarewerkzeugen, die ein Unternehmen verwenden kann, um Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Umgebungen zu steuern und zu kontrollieren.

CMPs können sich stark voneinander unterscheiden. Allerdings sollten sie alle Funktionen bieten, die man braucht, um Storage und andere Ressourcen in einer Multi-Cloud-Umgebung zu managen. Die Arbeitsgruppe Cloud der Object Management Group (OMG), früher bekannt als Cloud Standard Customer Council (CSCC), beschreibt sechs Funktionen, die umfassende CMPs unterstützen sollten: Systemintegration, allgemeine Dienste, Service-Management, Ressourcen-Management, Governance, Sicherheit und Finanz-Management.

Dieser Artikel baut auf den von der CSCC definierten notwendigen Funktionen auf. Er beschreibt jede dieser Funktionen und bringt Beispiele dafür, wie diverse CMP-Produkte diese Standards mit dem Ziel eines effektiven Multi-Cloud-Managements umsetzen. Inzwischen bieten viele Hersteller Cloud-Management-Plattformen an, neben den unten ausführlicher dargestellten Beispielen auch NTT oder BMC, meist entweder als Basis eigener Services oder aber für die direkte Nutzung durch Kunden oder andere selbständige Serviceanbieter, die CMP-Services auf den Markt bringen möchten.

Mehr als ein Drittel der Befragten nutzt vier oder mehr Cloud-Anbieter
Abbildung 1: Mehr als ein Drittel der Befragten nutzt vier oder mehr Cloud-Anbieter

Systemintegration

Für das Multi-Cloud-Management muss ein CMP sich mit internen und externen Systemen integrieren können. Beispielsweise sollte ein CMP die veröffentlichten APIs von Public-Cloud-Plattformen wie AWS oder Open-Source-Protokollarchitekturen wie OpenStack unterstützen. Es sollte auch mit den Systemen von Drittlieferanten, beispielsweise mit Directory Services oder Management-Anwendungen zur Überwachung des Quellcodes sein.

Ein Beispiel für ein bekannteres CMP ist Cisco CloudCenter. Es unterstützt Amazon S3 als Web-Interface für die Speicherung und die Abfrage von Daten. Um ein externes Daten-Repository über CloudCenterer anzubinden, muss man nur den Host-Namen und die URL des Endpunkts angeben. CloudCenter bietet vorkonfigurierte Integrationsmöglichkeiten für mehr als 20 Datenzentrums- und Cloud-Umgebungen sowie für Tools wie Docker, Chef und Puppet. Weiter liefert Cisco mit dem CMP ein API, über das sich andere Plattformen mit CloudCenter integrieren lassen.

Eine andere CMP, Morpheus, stammt von dem gleichnamigen Hersteller. Zu den Partnern des Unternehmens gehört Computacenter. Morpheus rühmt sich der kompletten Plattformneutralität. Das CMP besitzt Werkzeuge zur Erweiterung der Plattform und zur Integration mit anderen Systemen. Administratoren können Quellcode-Management integrieren und Abläufe mit Tools wie GitHub, Gradle oder Jenkins automatisieren. Wie CloudCenter kann auch Morpheus mit Chef, Puppet und anderen Systemen integriert werden.

Allgemeine Services

Zu den allgemeinen Services gehören Management-Funktionen, die eine Basis für die Integration bilden. Das CMP sollte ein zentrales Portal für den Zugriff auf die CMP-Komponenten besitzen. Man sollte über dieses Portal Verwaltungsaufgaben bezüglich der Umgebung ausführen und Systeminformationen anzeigen können. Weiter sollte es als Servicekatalog dienen, so dass Anwender einfach auf die Cloud-Services der Organisation zugreifen können. Außerdem gehören in diesen Bereich Datenanalyse und Reporting, die Einblicke in den Serviceverbrauch bieten und Optimierungspotentiale aufzeigen.

Die meisten wichtigen CMP-Anbieter liefern eine Reihe allgemeiner Services. RightScale, ein derzeit noch vorwiegend in den USA tätiger, aber beispielsweise von Forrester zu den technologischen Vorreitern der Branche gerechneter Anbieter, ermöglicht in einer Konsole das Management sämtlicher Workloads auf allen angeschlossenen Clouds oder Servern. Scalr, eine webbasierte Open-Source-Management-Plattform für hybride Clouds, besitzt im Servicekatalog eine Funktion, die die Selbstbedienung mit Services mittels nur weniger Klicks ermöglicht. Zu einem Scalr-Katalog können einzelne Server oder ganze Applikations-Stacks samt Cloud-Services, Automatisierung und Autoskalierung gehören.

Analysen und Berichte sind weitere wichtige Funktionen. Turbonomic ist ein Unternehmen, das ein Tool zur Workload-Automatisierung in der hybriden Cloud entwickelt hat und inzwischen Partner von Microsoft und Cisco ist. Sein CMP analysiert kontinuierlich die Workload-Anforderungen und stellt sie dem Storage und anderen verfügbaren Ressourcen gegenüber. Dabei ist gleichgültig, ob sich diese Ressourcen in einer Private, Public oder Hybrid Cloud befinden.

Service-Management

Die Service-Management-Komponente einer CMP übernimmt das Management der Service Level sowie die Überwachung der Services und der genutzten Kapazität. Ziel ist es, Serviceanfragen zu vereinfachen und die vereinbarten Service Level einzuhalten. Dafür muss das CMP alle Managed-Cloud-Services überwachen und Berichte über sie anfertigen können. Gleichzeitig muss es die Kapazitätsinformationen zu Storage und anderen Ressourcen ständig im Blick behalten.

Multi-Cloud-Management wird immer wichtiger, da zahlreiche Firmen mehr als eine Cloud nutzen.
Abbildung 2: Multi-Cloud-Management wird immer wichtiger, da zahlreiche Firmen mehr als eine Cloud nutzen.

Morpheus konfiguriert ein neu in Betrieb genommenes System automatisch für die Überwachung auf Ausfälle und unterstützt kundenspezifische, proaktive Warnmeldungen. Turbomonic bietet Echtzeit-Monitoring über heterogene Systemwelten hinweg, zu denen auch Produkte von Providern wie Dell EMC, NetApp und Nutanix gehören dürfen. Turbonomic erlaubt Administratoren auch, eigene Quality-of-Service-Level, beispielsweise hinsichtlich des Transaktionsdurchsatzes, zu definieren.

Ressourcen-Management

Zu diesem Bereich gehören Funktionen, mit denen die Cloud-Ressourcen gemanagt und bereitgestellt werden. So sollte ein CMP zum Beispiel die eigenständige Entdeckung der vorhandenen Ressourcen, ihre Qualifikation, das Management von vorhandenen Assets und Lizenzen sowie die Cloud-zu-Cloud-Migration beherrschen. Zudem sollten effektive Werkzeuge für das Multi-Cloud-Management in der Lage sein, Management-Prozesse zu orchestrieren und damit zu automatisieren sowie die Bereitstellung und Deprovisionierung von Ressourcen vereinfachen.

Alle wichtigen CMP-Anbieter bieten umfassende Funktionen für das Ressourcen-Managment. RightScale beispielsweise besitzt eine Funktion für die Cloud-Discovery, die auch laufende Workloads findet. Das Tool unterstützt außerdem universelle Plattformen für die Kennzeichnung von Storage-Konten im Azure Resource Manager.

Turbonomic ermöglicht die Platzierung, Provisionierung und Skalierung von Ressourcen in Echtzeit. Mit Scalr können Administratoren kundenspezifische Selbstbedienungsportale aufbauen, die bestimmte Anwendergruppen ansprechen. Morpheus wiederum unterstützt die Orchestrierung von Bare-Metal-Ressourcen, virtuellen Maschinen und Containern über mehrere Public und Private Clouds hinweg sowie die automatisierte Freigabe von Workflows und eine auf Schwellwerten basierende Skalierung.

CloudCenter besitzt ebenfalls ein Orchestrierungs-Tool, das Applikationen von der darunterliegenden Infrastruktur entkoppelt und so die Komplexität der Cloud-Ressourcen vor den Anwendern verbirgt. Zudem unterstützt CloudCenter das Management von Images und Applikationsprofilen. Dazu gehören auch die Vernetzungs- und Speicherkonfigurationen einer Applikation.

Governance und Sicherheit

Governance- und Sicherheitsfunktionen sollen dafür sorgen, dass die Cloud-Ressourcen und -Services in Übereinstimmung mit den Regeln einer Organisation oder übergeordneter Instanzen stehen, also „compliant“ sind. Dazu muss das CMP die Regeln des regelbasierten Managements der Cloud Services verwalten können. Außerdem sollte Logik vorhanden sein, um die Compliance der gesamten Umgebung zu verfolgen und zu managen. Schließlich sollte das CMP Funktionen für das Identitäts- und Zugangs-Management sowie Verschlüsselungsfähigkeiten besitzen.

CMPs können sich stark voneinander unterscheiden. Allerdings sollten sie alle Funktionen bieten, die man braucht, um Storage und andere Ressourcen in einer Multi-Cloud-Umgebung zu managen.

Die meisten CMPs nehmen diese Themen so ernst, wie das Anbetracht der Bedeutung des Datenschutzes in der Cloud angemessen ist. CloudCenter verschlüsselt ruhende und Transportdaten, bietet Identitäts-Management und Authentisierung und unterstützt ein Single Sign-On mit Hilfe von Security Assertion Markup Language 2.0. Scalr verwendet eine Regelmaschine und rollenbasierten Zugriff für das Regel-Management. Dabei nutzt das Tool eine hierarchische Herangehensweise von oben nach unten, die unnötige Verwaltungsabläufe minimiert. Turbonomic kann bestehende Regeln importieren, beispielsweise Hochverfügbarkeit, Affinität oder Anti-Affinität. Zudem unterstützt das CMP die Definition neuer Regeln. So können Administratoren Regeln für die Platzierung von Workloads für spezifische Datenspeicher definieren.

Finanz-Management

Zu dieser Kategorie gehört die Überwachung von Ressourcenverbrauch und Ausgaben. Folgende Funktionen gehören zu diesem Bereich: die Nutzungsmessung für Ressourcen und Services, die Zuweisung von Kosten an spezifische Nutzergruppen, Rückverrechnungsreports an interne Interessenträger, die Rechnungserstellung und die Kostenprognose.

Die Finanz-Management-Funktionen von Morpheus liefern Einsicht in die Kosten von Public Clouds und eröffnen Vergleichsmöglichkeiten. Zusätzlich bietet das Tool Überwachungs- und Analysefunktionen zur Entscheidungsunterstützung, für bessere Prognosen und die Optimierung der Kosten. Scalr kann außerdem Ausgaben verfolgen, Finanzreports und kundenspezifische Warnmeldungen erstellen, wenn Budgetgrenzen drohen gesprengt zu werden.

Die Zukunft des Cloud-Managements

Die Tools für das Multi-Cloud-Management und ihre Funktionen, wie sie hier dargestellt werden, sind nur ein Beispiel für die vielen Wege, auf denen Anbieter CMP-Services basierend auf den Funktionsbeschreibungen der CSCC bereitstellen. Der CMP-Markt ist noch jung und die beschriebenen Funktionen werden sich mit zunehmender Reife der Industrie und zunehmender Nutzung der Cloud für Storage-Zwecke weiterentwickeln.

Bis dahin sollten IT-Entscheidungsträger, CMPs anhand der von der CASCC beschriebenen sechs Funktionen evaluieren und im Licht der besonderen Anforderungen ihrer Organisation bewerten. Wichtig ist auch zu bedenken, dass sich das Multi-Cloud-Universum schnell verändert und wie das den täglichen Betrieb und seine Weiterentwicklung beeinflussen könnte.

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Artikel wurde zuletzt im September 2018 aktualisiert

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