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Tipps für ownCloud oder Nextcloud unter Ubuntu-Linux

Die ownCloud auf einem Linux-Server zu installieren, ist nicht schwer. Inwiefern der Fork Nextcloud Erfolg hat, wird die Zeit zeigen.

Dieser Artikel kann auch im Premium Editorial Download gefunden werden: Storage-Magazin: Open Source Storage: Lösungen für kleine Firmen, Büros und Home-Office

Anmerkung der Redaktion: Im ersten Teil zu den Open-Source-Storage-Lösungen haben wir Ihnen grundsätzliche Tipps mit auf den Weg gegeben, die Sie bei einer Entscheidung beachten sollten. Im zweiten Artikel haben wir Ihnen fünf interessante Storage-Produkte vorgestellt. In diesem Artikel beschäftigen wir uns speziell mit ownCloud.

Zunächst einmal sollte erwähnt sein, dass es in Sachen ownCloud eine interessante Entwicklung gegeben hat. Mitgründer Frank Karlitschek und viele der Top-Entwickler haben sich aus nicht näher genannten Gründen von der ownCloud getrennt und einen Fork des Projekts ins Leben gerufen, der sich Nextcloud nennt. Bei den entsprechenden Ankündigungen lässt sich zwischen den Zeilen lesen, dass bei der ownCloud die Community zu sehr ausgegrenzt wurde. Das soll sich mit Nextcloud ändern.

Weiterhin gab es immer wieder Kritik, dass sich die ownCloud zu sehr nur mit der Synchronisation beschäftigt und Apps wie Kalender (CalDAV) und Kontakte (CardDAV) zu stiefmütterlich behandelt werden. Auch das soll sich ändern und die Entwickler der Nextcloud haben angekündigt, Kontakte und Kalender offiziell unterstützen und weiter verbessern zu wollen. Von der Nextcloud gibt es momentan (Stand Juli 2016) noch kein Paket. Die ownCloud finden Sie wie gewohnt im Download-Bereich der Projektseite.

Dass so ein Fork durchaus positiv sein hat, hat das LibreOffice-Projekt gezeigt. Dort ist ein Fork zu OpenOffice.org aus ähnlichen Gründen entstanden und LibreOffice hat sich im Endeffekt durchgesetzt.

ownCloud installieren

Es stehen vier Optionen zur Verfügung. Ein Archiv zum selbst einspielen, ein Web-Installer, virtuelle Maschinen für Appliances und Pakete für Linux. Die neueren Versionen der ownCloud unterstützen Windows als Server nicht mehr.

Betreiben Sie einen Linux-Server wie zum Beispiel Ubuntu 16.04 LTS Xenial Xerus, dann nehmen Sie am besten das dafür geeignete Repository. Das hat den Vorteil, dass Sie Updates automatisch über die Upgrade-Routinen der Distribution bekommen. Unter download.owncloud.org finden Sie geeignete Pakete für Red Hat Enterprise Linux (RHEL), CentOS, Debian GNU/Linux, openSUSE, SUSE Linux Enterprise (SLE) und Ubuntu.

Es ist davon auszugehen, dass die Installation zumindest am Anfang bei der Nextcloud ähnlich laufen wird. Inwiefern sich die beiden Projekte auseinander bewegen, wird erst die Zeit zeigen.

MariaDB oder MySQL anstelle von SQLite

Die ownCloud unterstützt SQLite als Datenbank, aber das sollten Sie wirklich nur für Testzwecke einsetzen. Für eine produktive Umgebung ist SQLite viel zu langsam und Sie benötigen MySQL, MariaDB oder PostgreSQL. Die Enterprise-Version der ownCloud unterstützt außerdem Oracle DB.

Die Dokumentation kennen

Das Administrations-Handbuch für die ownCloud ist sehr umfangreich und darin finden Sie viele nützliche Tipps. Das Werk ist auch als PDF verfügbar. Betreiben Sie eine ownCloud, dann sollten Sie das Handbuch griffbereit haben. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele, wie Sie und Ihre ownCloud-Instanz von der Dokumentation profitieren können.

Server tunen

Performance kann man gar nicht genug haben. Je mehr Leute auf die ownCloud-Instanz zugreifen, desto wichtiger wird das Tuning des Servers. Im Handbuch der ownCloud finden Sie ein komplettes Kapitel, das sich nur damit beschäftigt, die optimale Performance aus dem Server zu holen.

Dort finden Sie einfache Tipps wie zum Beispiel Hintergrundaufgaben von Cron erledigen lassen, CSS Asset Management verwenden und das Caching aktivieren. Seit ownCloud 8.1 wird der Cache nicht mehr länger automatisch konfiguriert und ein händisches Eingreifen ist notwendig. Weiterhin können Sie die ownCloud so konfigurieren, dass sie Redis-based Transactional File Locking verwendet.

Darüber hinaus gibt es Tipps, dass sich Secure Sockets Layer (SSL) und Verschlüsselung an Prozessoren auslagern lassen, die über AES-NI verfügen. Sollten Sie über eine dedizierte Maschine nachdenken, dann prüfen Sie am besten, ob die Prozessoren des Servers über AES-Befehlssatzerweiterung (Advanced Encryption Standard) verfügen. Über die Kommandozeile könnte das so aussehen:

grep -m 1 ^flags /proc/cpuinfo | grep aes

Virenscanner aktivieren

Sie können zusammen mit der ownCloud die freie Antiviren-Software ClamAV betreiben. Die Lösung ist nicht so umfassend, wie Sie das möglicherweise von kommerziellen Produkten gewohnt sind, aber es ist immerhin etwas. Sie finden in der Dokumentation, wie Sie die Antiviren-App in der ownCloud aktivieren. Zunächst ist die Installation von ClamAV notwendig. Unter Ubuntu, Debian oder Linux Mint geht das so:

sudo apt-get install clamav clamav-daemon

Im Anschluss aktivieren Sie die Antiviren-App und konfigurieren Sie.

Abbildung 1: Nach der Aktivierung der App können Sie die den Antiviren-Scanner konfigurieren.

Serverseitige Verschlüsselung

Um die Daten Ihrer Anwender bestmöglich zu schützen, können Sie serverseitige Verschlüsselung aktivieren. Die Funktion ist in erster Linie dafür gedacht, dass die Daten der Anwender auf Remote Storage wie Dropbox oder Google Drive, die sich in die ownCloud einbinden lassen, verschlüsselt abgelegt werden.

Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie diese Funktion aktivieren wollen. Die Dateigröße steigt um zirka 35 Prozent und das sollten Sie bei der Größe des Storage pro Nutzer mit in die Rechnung aufnehmen.

Abbildung 2: Wenn Sie die serverseitige Verschlüsselung aktivieren, dann müssen Sie sich über die Konsequenzen im Klaren sein.

Backup

Wenn Sie die ownCloud-Instanz sichern möchten, dann gibt es drei Komponenten, die Sie ins Auge fassen müssen. Sie sollten auf jeden Fall die Konfiguration und den Ordner mit den Daten der Anwender sichern. Dazu müssen Sie außerdem ein Backup der Datenbank durchführen.

Die Ordner mit Konfiguration und Daten können Sie zum Beispiel via rsync spiegeln oder mittels tar eine Backup-Strategie verfolgen, um die Datensicherungen länger aufzuheben.

Für die Datenbanken gibt es ebenfalls diverse Tools, mit denen Sie ein Backup durchführen können. Bei MariaDB oder MySQL wäre zum Beispiel mysqldump ein geeignetes Programm. Verwenden Sie als Datenbank PostgreSQL, dann können Sie pg_dump nehmen.

Es gibt noch viele weitere Bereiche, die eine Erwähnung wert wären, aber den Rahmen des Artikels sprengen. Wie bereits erwähnt, ist das Administrations-Handbuch der ownCloud sehr umfangreich und ausgereift.

Die ownCloud ist durch die Bereitstellung von Paketen für Linux-Server relativ schnell installiert. Dennoch gibt es wie bei jeder Software für Server eine gewisse Lernkurve. Sorgfältige Konfiguration wirkt sich nicht nur positiv auf die Performance des Servers aus, sondern verhindert auch Datenlecks.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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