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Tipps zu Seafile als Private-Cloud-Server unter Linux

Wenn Sie eine Private Cloud im Unternehmen einsetzen wollen, dann ist die leistungsfähige Open-Source-Lösung Seafile einen Blick wert.

Dieser Artikel kann auch im Premium Editorial Download gefunden werden: Storage-Magazin: Open Source Storage: Lösungen für kleine Firmen, Büros und Home-Office

Anmerkung der Redaktion: Dies ist der vierte Teil eine Artikelserie zu Open-Source-Storage-Lösungen. Der erste Beitrag beinhaltete grundsätzliche Tipps für die Wahl der richtigen Software. Im zweiten Artikel haben wir fünf Open-Source-Produkte vorgestellt. Der dritte Artikel beschäftigte sich speziell mit ownCloud.

Seafile ist eine Filehosting-Lösung, die ähnliche Funktionen wie andere bekannte Synchronisationsdienste bietet. Als Vergleich werden gerne Dropbox und Google Drive herangezogen. Sie können Dateien mit anderen teilen und es gibt Synchronisations-Clients für die populären Desktop- sowie Mobile-Betriebssysteme. Auch das Erstellen öffentlich zugänglicher Links ist möglich.

Bei Seafile gibt es eine Community-Edition, die als Open Source (GPLv2) verfügbar ist. Weiterhin wird eine kostenpflichtige Professional Edition angeboten, die einen erweiterten Leistungsumfang bietet. Auf der Seite finden Sie auch einen detaillierten Vergleich der beiden Varianten. Für bis zu drei Anwender ist auch die Pro-Edition kostenlos. Die Preise sind von der Anzahl der Anwender abhängig. Schulen oder andere bildenden Einrichtungen können sich über halbe Preise freuen.

Bei der Professional Edition ist zum Beispiel das Sperren von Dateien möglich (File Locking), so dass nicht zwei Anwender gleichzeitig eine Datei verändern können. Zu den weiteren Funktionen gehören Volltextsuche, Skalierbarkeit, HA (High Availability), Integration einer Antiviren-Lösung und so weiter.

Der Seafile Server ist für Linux und Windows verfügbar. Des Weiteren gibt es eine spezielle Version für den Raspberry Pi. Die Professional Edition läuft allerdings nur unter Linux. Laut Download-Seite ist die Serversoftware für Linux erfolgreich unter Debian 7, Ubuntu 14.04 und CentOS 7 getestet worden. Sie läuft aber natürlich auch unter Red Hat Enterprise Server 7, Ubuntu 16.04 und Debian 8, wie Forenbeiträge bestätigen.

Seafile besteht aus drei Komponenten

Die Private Cloud besteht genau genommen aus drei Komponenten. Das Web-Frontend nennt sich Seahub. Per Voreinstellung bringt es den auf Python basierenden HTTP-Server gunicorn mit sich. Für produktive Umgebungen sind aber Konfigurationen mit Apache oder Nginx empfohlen.

Der Seafile Server (seaf-server) ist der Service für die Daten. Er ist für Upload, Download und Synchronisation verantwortlich.

Der Ccnet Server (ccnet-server) ist der RPC-Service-Daemon, der für die Kommunikation zwischen mehreren Komponenten verantwortlich ist. Ccnet wird lediglich für interne Kommunikation verwendet.

Seafile Community unter Linux installieren

Wenn Sie die Private Cloud unter Linux installieren wollen, dann stehen Ihnen mehrere Optionen zur Verfügung. Als Datenbank können Sie SQLite oder MySQL/MariaDB verwenden. Beim Webserver dürfen Sie sich zwischen Nginx und Apache entscheiden. Installieren Sie die Software in einer Unternehmensumgebung, dann ist eine Benutzung von LDAP oder auch Shibboleth möglich. Letzteres ist ein SSO-Protokoll (Single Sign On).

Die Installation von Seafile benötigt etwas mehr Handarbeit als zum Beispiel ownCloud oder Nextcloud und sieht auf den ersten Blick recht kompliziert aus. Es wäre in der Tat auch wesentlich schwerer zu durchblicken, gäbe es das hervorragende Handbuch nicht. Man kann die Dokumentation gar nicht genug loben, denn sie ist wirklich vorbildlich.

Dort ist alles und jedes mögliche Szenario beschrieben. Unter Linux finden Sie die einzelnen Befehlszeilen, die für eine Installation notwendig sind. Zum Beispiel ist erklärt, welche Abhängigkeiten Sie unter Debian /Ubuntu oder CentOS 7 installieren müssen, damit die Software reibungslos läuft.

Wenn Sie die Serversoftware mit MySQL oder MariaDB verwenden möchten, dann können Sie die Datenbank nach Anleitung selbst präparieren. Aber auch die einfachere Methode über das mitgelieferte Script setup-seafile-mysql.sh ist denkbar.

Abbildung 1: Starke Passwörter können Administratoren über die GUI erzwingen. Für das Setzen anderer Parameter müssen Sie auf die Kommandozeile.

Da heutzutage Kommunikation ohne Verschlüsselung keine Best Practice mehr ist, wollen Administratoren selbstverständlich HTTPS oder SSL verwenden. Setzen Sie die Software intern ein, dann reicht eigentlich ein selbst signiertes Zertifikat. Wie Sie das erstellen, finden Sie ebenfalls im Handbuch. Darüber hinaus ist genau beschrieben, wie Sie im Anschluss Apache oder eben Nginx konfigurieren müssen. Ein Szenario mit HTTPS und dem oben erwähnten Standard-HTTP-Server ist nicht möglich.

Upgrades und Updates

Wenn Sie Seafile aktualisieren möchten, dann stehen jeweils im neuesten Paket Skripte dafür zur Verfügung. Sie müssen unter Linux dafür zwar auf die Kommandozeile, aber problematisch ist das nicht. Im Prinzip wird lediglich in das Verzeichnis der neuen Version gewechselt. Die Konfigurationsdateien befinden sich an einem anderen Ort und werden bei einem Upgrade somit übernommen. Dennoch empfiehlt sich grundsätzlich ein Backup von derart wichtigen Dateien. Eine Sicherheitskopie vor einer Aktualisierung schadet daher grundsätzlich nicht.

Bei größeren Upgrades fangen Sie bei Ihrer Version an und führen dann nach und nach alles Skripte aus, bis Sie bei der neuen großen, gewünschten Version ankommen.

Performance Tuning und andere Hinweise

Folgen Sie den Anweisungen der Anleitung, dann gibt es immer wieder wichtige Hinweise. Diese sind für einen Betrieb nicht zwingend erforderlich, bieten meist aber große Vorteile. Zum Beispiel ist empfohlen, ab 50 Anwender wegen der besseren Performance Memcached zu nutzen. Normalerweise werden Objekte wie Avatare, Profile und so weiter im Dateisystem unter /tmp/seahub_cache/ gespeichert. Sie können dieses Verhalten aber durch Memcached ersetzen. Gerade wegen solcher Tipps ist es sinnvoll, auch nach der Installation im Handbuch zu stöbern.

Abbildung 2: Wollen Sie den Verlauf oder die Versionierung beeinflussen, dann müssen Sie dafür die Datei seafile.conf bearbeiten.

In Sachen Versionierung kommen Sie in der GUI auch als Administrator nicht sehr weit. Dieser Parameter lässt sich nur über die Konfigurationsdatei seafile.conf beeinflussen.

Das gilt auch für das Setzen einer Quota. Sie können beim Anlegen von Anwendern im GUI Quotas für jeden einzelnen Nutzer setzen. Das ist bei vielen Teilnehmern allerdings mühsam. Setzen Sie eine Standard-Quota für alle, dann ist ein individuelles Anpassen meist schneller. In dieser Konfigurationsdatei hinterlegen Administratoren optional auch die Grenzen für Upload-Größe einer Datei und Download-Größe von Verzeichnissen.

Abbildung 3: Für die Anwender können Sie individuelle Quotas in der GUI festlegen.

Wollen Systemverwalter Seafile etwas in Sachen Anwenderfreundlichkeit ankreiden, dann ist das in der Tat die etwas eigenwillige Administration. Manche Dinge lassen sich in der GUI erledigen und andere wiederum nicht. Vor allen Dingen die Versionierung oder der Verlauf sollte klarer herausgestellt sein. Sonst hebt Seafile alle Versionen unbegrenzt auf und Administratoren wundern sich vielleicht über den nicht erklärbaren Speicherplatzschwund auf dem Server. Aus diesem Grund sei ein dringender Blick ins Kapitel Server Configuration and Customization der Dokumentation empfohlen. Lesen Sie sich das Kapitel durch, damit Sie die Optionen zumindest im Hinterkopf haben.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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